Mo, 25. Juni 2018

Fund in Dänemark

16.10.2012 13:47

Heimische Textilien in Bronzezeit-Grab entdeckt

In einem Bronzezeit-Grab in Dänemark haben Forscher in einer Urne die Überreste eines Mannes gefunden, die in ein Tuch eingeschlagen waren, das aus Brennesselfasern gewebt wurde, die aus Österreich stammen. Bisher war man davon ausgegangen, dass das Textil aus lokaler Produktion stammte.

Gefunden wurde die Urne mit den Überresten des offensichtlich wohlhabenden Mannes bereits anno 1861 in Lusehøj, einer der am reichsten ausgestatteten Bronzezeitgrabstätten Dänemarks in Voldtofte. Zunächst wurde angenommen, dass das Stück aus Flachs gewebt wurde, da die Verarbeitung von Pflanzenfasern in der Bronzezeit bisher nur in Verbindung mit lokal kultivierten Pflanzen bekannt war.

Neue Untersuchungen von Wissenschaftlern der Universitäten Bergen und Kopenhagen haben allerdings gezeigt, dass der Stoff aus Brennnessel-Fasern gefertigt wurde. Das in den Pflanzenfasern gemessene Verhältnis der Strontium-Isotope weist auf ein Wachstum der Brennnesseln in der Region Steiermark-Kärnten hin, so die Forscher, die ihre Ergebnisse kürzlich in der Fachzeitschrift "Nature Scientific Reports" veröffentlicht haben.

Brennnesselfasern stammen aus Österreich
Pflanzen nehmen im Laufe ihres Lebens kontinuierlich das in der Erdkruste eingelagerte Element Strontium auf, das in verschiedenen Isotopen vorkommt. Je nach Boden- bzw. Gesteinsuntergrund lagern Pflanzen somit eine unterschiedliche Menge an verschiedenen Strontium-Isotopen ein. Durch die Messung dieser Werte konnte somit auf das österreichische Herkunftsgebiet der Brennnesseln geschlossen werden. Auch die Merkmale der Urne, in der die Kleidungsreste gefunden wurden, bestätigen die österreichische Herkunft.

"Export-Artikel" war offenbar Luxusgut
Aufgrund der beeindruckenden Grabbeigaben und der gefundenen "Export-Artikel" wird angenommen, dass es sich bei dem Verstorbenen um einen skandinavischen Handelsreisenden handelt. Die neuen Erkenntnisse werfen ein neues Licht auf den bronzezeitlichen Handel. "Während der Bronzezeit wurden offensichtlich auch Textilien in viel größerem Rahmen gehandelt als bisher angenommen wurde. Obwohl ähnliche Rohstoffe lokal zur Verfügung standen, wurden Textilien bzw. Textilfasern importiert - möglicherweise, weil sie als Luxusartikel galten", schreiben die Wissenschaftler. Bei wertvollen Metall- bzw. Bronzeobjekten waren solche Handelsströme bereits bekannt.

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