Sa, 20. Oktober 2018

Bub (2) starb

12.10.2012 18:13

Arzt im Fall Jakob zu sechs Monaten bedingt verurteilt

Nach dem Tod des zweijährigen Jakob aus Osttirol im Jahr 2009 ist der behandelnde Arzt am Freitag am Innsbrucker Landesgericht wegen fahrlässiger Tötung zu sechs Monaten bedingter Haft verurteilt worden. Richter Clemens Krenn sah es als erwiesen an, dass der Allgemeinmediziner die ärztliche Sorgfaltspflicht außer Acht gelassen hatte. Der Bub litt an einem schweren, angeborenen Immundefekt. Das Urteil ist nicht rechtskräftig.

Der Tod des zweijährigen Buben wäre laut Richter Clemens Krenn an diesem Tag vermeidbar gewesen. Die starke Verschlechterung des Gesundheitszustandes hätte dem angeklagten Mediziner auffallen müssen, begründete er das Urteil gegen den Osttiroler Arzt: "Wenn gleich die entsprechende Behandlung eingeleitet worden wäre, hätte der Bub noch gerettet werden können oder zumindest ein längeres Leben gehabt", sagte Krenn.

Arzt plädierte auf nicht schuldig
Der angeklagte Arzt plädierte auf nicht schuldig. Er habe mit den Eltern einen "ganz normalen Behandlungsvertrag abgeschlossen", beteuerte er. Der Anwalt des Mediziners, Christian Hübner, hob im Schlussplädoyer hervor, dass sich die Eltern des verstobenen Buben an seinen Mandanten wandten, weil sie den Ärzten in der Innsbrucker Kinderklinik nicht vertrauten. Der Mediziner habe sich den Eltern gegenüber verpflichtet gefühlt und habe ihrem Wunsch, den Buben zu Hause zu betreuen, Folge geleistet.

"Wir haben Angst gehabt und hatten das Gefühl, dass uns etwas verschwiegen wird", berichtete die Mutter über das mangelnde Vertrauen in die Innsbrucker Ärzte. Die Ärzte der Kinderklinik seien der Auffassung gewesen, dass der Bub lediglich mithilfe einer Knochenmarktransplantation geheilt werden hätte können. Dies hätten die Eltern strikt abgelehnt. "Wir wollten neben der Schulmedizin noch einen anderen Weg gehen", sagte die Mutter vor Gericht. Der angeklagte Mediziner habe den Buben schließlich mit homöopathischen Mitteln behandelt.

Eltern zu sechs Monaten Haft verurteilt
Der Zweijährige litt an einem schweren, angeborenen Immundefekt. Die Eltern, die das Kleinkind bis zu seinem Tod am 6. März 2009 auf eigenen Wunsch zu Hause versorgten, waren in einem ersten Prozess im September 2011 zu einem Jahr Haft verurteilt worden (siehe Infobox). Der OGH hatte die bedingt ausgesprochene Freiheitsstrafe auf sechs Monate reduziert. Diese Urteile waren somit rechtskräftig.

Der Arzt war damals zu einem Jahr bedingter Haft verurteilt worden. Das Urteil wurde jedoch vom OGH nach einer Nichtigkeitsbeschwerde der Verteidigung aufgehoben.

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