Di, 23. Oktober 2018

McQuaid und Co.?

12.10.2012 16:08

Auf Fall Armstrongs könnte Sturz der UCI-Spitze folgen

Nach dem ersten Schock um das offenbar endgültig entblößte Dopingsystem des US-Amerikaners Lance Armstrong müssen im ohnehin krisengebeutelten Radsport weitere Macher zittern. Im USADA-Bericht zur Verschwörung wird vor allem der Weltverband (UCI) angegriffen – unter den Präsidenten Pat McQuaid und Hein Verbruggen sei Armstrong jahrelang protegiert worden, sogar Dopingbefunde sollen vertuscht worden sein. Und der schwer belastete Team-Manager Johan Bruyneel ist noch stärker unter Druck geraten.

Während viele Radsportler fassungslos die Enthüllungsdokumente studieren, interpretierte der UCI-Funktionär Verbruggen den Report auf seine ganz eigene Art: "Da steht doch, dass wir nie etwas unter den Teppich gekehrt haben." Doch genau das schien zumindest bei der Tour de Suisse 2001 passiert zu sein. Hatte die UCI zuletzt schon im Dopingfall Alberto Contador und zu Beginn der Armstrong-Affäre mit einem Zickzack-Kurs für Kopfschütteln gesorgt, so könnte der Verband nun komplett gegen die Wand fahren. Der Radsport sei "völlig vom Weg abgekommen und hat seinen moralischen Kompass verloren", stellte Sky-Teamchef Dave Brailsford, der Bradley Wiggins zum Tour-de-France-Sieg geführt hatte, fest.

Leere Flecken in den Tour-Annalen?
Dass die Frankreich-Rundfahrten Anfang des vergangenen Jahrzehnts als sportliche Farce in die Geschichtsbücher eingehen werden, ist abzusehen. Die UCI hat durch die erdrückenden Beweise der USADA kaum eine andere Wahl, als Armstrong seine sieben Tour-Titel abzuerkennen. Denkbar ist, dass für ebendiese Rundfahrten – quasi als Mahnmal – kein Sieger nachbenannt wird. Auch Jan Ullrich, der hinter Armstrong dreimal Zweiter wurde, ginge dann leer aus.

Der Deutsche hatte mehrfach erklärt, das Gelbe Trikot nicht im Nachhinein zu wollen. Ullrichs Mentor Rudy Pevenage sorgte derweil mit einem bemerkenswerten Interview in der französischen Zeitung "L'Equipe" für Aufsehen. Der frühere sportliche Leiter behauptete, durch die Machenschaften Armstrongs selbst zu illegalen Maßnahmen bei Telekom und T-Mobile gezwungen gewesen zu sein.

Ullrich-Mentor sieht Schuld bei Armstrong und Bruyneel
"Wir wollten alle das Rezept, dasselbe wie Armstrong", berichtete der Belgier. "Wieso sind wohl alle seine Rivalen von damals, Botero, Beloki, Sevilla, Ullrich, Basso, Hamilton, Winokurow, danach gestürzt? Sie wollten es so machen wie er, aber hatten nicht die gleichen Mittel und waren vor allem nicht so beschützt." Sie alle und auch sich selbst bezeichnete Pevenage als "Opfer von Lance Armstrong und Johan Bruyneel" und deren "Höllenmaschine".

Dass Armstrongs langjähriger Teamchef Bruyneel keine Zukunft im Radsport mehr hat, davon gingen Branchenkenner schon nach Bekanntwerden der USADA-Klage im Sommer aus. Und tatsächlich: Der Rennstall RadioShack-Nissan, bei dem auch der Österreicher Thomas Rohregger unter Vertrag steht, trennte sich am Freitag von dem umstrittenen Belgier. "Im Lichte der Zeugenaussagen, erachten es beide Parteien als notwendig, diese Entscheidung zu treffen, da Johan Bruyneel das Team nicht länger auf effiziente und angemessene Weise führen kann."

Überhaupt droht auch Bruyneel wie Pevenage zur persona non grata zu werden. Fabian Cancellara erwägte bereits vor der Entscheidung des Rennstalls, nie wieder unter dem Belgier fahren zu wollen. "Johans Name ist 129-mal in dem Report aufgeführt", sagte er der Zeitung "Het Laatste Nieuws" am Freitag. "Ich weiß nicht, ob ich weiter mit Johan zusammenarbeiten kann."

Zahlreiche Ex-Helfer Armstrongs weiterhin aktiv
Bruyneel ist neben dem Mediziner Michele Ferrari laut dem Bericht der zentrale Helfer Armstrongs – allerdings bei Weitem nicht der einzige Akteur, der früher in den Teams US Postal und Discovery Channel unter Vertrag war und heute noch im Radsport aktiv ist. Sean Yates etwa war 2005 sportlicher Leiter im Armstrong-Team – etwas "Sonderbares" sei dem jetzigen Manager des Sky-Teams dabei aber nicht aufgefallen. Wjatscheslaw Jekimow war jahrelang treuer Teamkollege Armstrongs – jüngst wurde der Russe zum Generalmanager des Eliterennstalls Katjuscha berufen.

Der ehemalige österreichische Profi Peter Wrolich zeigte sich nicht sonderlich überrascht von den Machenschaften im Armstrong-Team. "Es zeigt, dass es einfach Usus war, mit diesen Praktiken zu arbeiten, um bei der Tour de France in den Top-5 zu landen. Erschüttert bin ich nicht wirklich, jetzt weiß ich zumindest, warum ich bei vielen Rennen so abgehängt wurde", meinte Wrolich. Traurig stimme ihn, die Involvierung vieler langjähriger Weggefährten.

Olympiasieger Wiggins: "Schockiert vom Ausmaß"
Der USADA-Bericht wurde auch im Fahrerfeld gelesen, Olympiasieger Wiggins war "schockiert vom Ausmaß der Beweise". "Ich habe keine Worte", klagte der deutsche Sprintstar Andre Greipel via Twitter, "jetzt muss sich der Radsport mit all diesen Dingen wieder beschäftigen". Marcel Kittel twitterte: "Das liest sich wie ein Drehbuch eines Action-Films. Ich kann hier kein Happy End erkennen. Das ist eine Schande. Die Entscheider im Radsport sollten endlich anfangen, es besser zu machen als vor zehn Jahren."

Ob der Wunsch in Erfüllung geht, bleibt abzuwarten. Zur Erinnerung ein Beispiel, das die Erwartungen dämpft: Nach dem Festina-Skandal 1998 sagte der Kletterspezialist Richard Virenque, wenn sich der Radsport "nicht in den kommenden Wochen ändert, wird er das nie tun". Zu dem Zeitpunkt gingen die großen Armstrong-Skandalfahrten erst los.

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