Di, 16. Oktober 2018

Riesiges Reservoir

10.10.2012 10:48

"Herschel" findet Wasserdampf in Wiege eines Sterns

Mithilfe des Weltraumteleskops "Herschel" (rechts) haben Astronomen in einer gewaltigen Wolke aus Gas und Staub eine Menge an Wasserdampf entdeckt, die ausreichen würde, die Ozeane unserer Erde mehr als 2.000 Mal zu füllen. Laut Angaben der Forscher ist die Wolke kurz davor, zu einem neuen, sonnenähnlichen Stern zu kollabieren.

Gefunden haben Forscher um Paolo Caselli von der University of Leeds die Wasserdampf-Wolke in einem sogenannten pre-stellaren Kern namens Lynds 1544 (rot markiert) im Sternbild Stier. Laut Angaben der Astronomen handelt es sich dabei um den ersten Nachweis von Wasserdampf in einer Molekülwolke am Rande eines Sternentstehungsgebietes. Er stammt von mit Eis überzogenen Staubkörnern und wurde durch die Wirkung von hochenergetischer kosmischer Strahlung freigesetzt.

Ungeheure Mengen Wassereis
"Um eine derartige Menge an Dampf zu erzeugen, muss es in der Wolke eine Menge Wassereis geben, die drei Millionen gefrorenen Erdozeanen entspricht", glaubt Caselli, der einer der Hauptautoren der Studie ist, die in den "Astrophysical Journal Letters" veröffentlicht wurde.

Bis dato hatte die Wissenschaft angenommen, dass sich das Wasser in Sternentstehungsgebieten zur Gänze in gefrorener Form auf den Staubkörnern befindet, weil man annahm, es sei dort zu kalt, um in gasförmigem Zustand zu existieren. "Wir müssen unsere Vorstellungen über die chemischen Prozesse in diesen dichten Regionen überdenken, vor allem auch die Rolle der kosmischen Strahlung", so Caselli.

Sternentstehung bereits im Gange
Die Beobachtungen mit "Herschel" zeigten zudem, dass sich die Wassermoleküle in Richtung des Zentrums von Lynds 1544 bewegen, also dorthin, wo sich der neue Stern vermutlich bilden wird. Für die Forscher ein klarer Hinweis darauf, dass der gravitative Kollaps schon begonnen hat. "Es gibt dort genug Material, um einen Stern von der Masse unserer Sonne enstehen zu lassen. Das bedeutet auch, dass sich auch ein ganzes Planetensystem bilden könnte, möglicherweise sogar eines, das dem unseren ähnelt", sagt Caselli.

Das 3,4 Tonnen schwere Weltraumteleskop "Herschel" ist am 14. Mai 2009 gestartet worden. Mit einem Spiegeldurchmesser von 3,5 Metern ist es das bisher größte Observatorium im All. Namensgeber ist der deutsch-britische Astronom und Musiker William Herschel, der im Jahr 1800 die Infrarotstrahlung entdeckt hat.

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