Do, 21. Juni 2018

Proteste in Athen

09.10.2012 15:55

Merkel bei Samaras: "Es gibt jeden Tag Fortschritte"

Die deutsche Kanzlerin Angela Merkel hat bei ihrem Athen-Besuch am Dienstag Griechenland weitere finanzielle Hilfe zugesagt. Der griechische Premier Antonis Samaras wiederum bestätigte den internationalen Geldgebern einmal mehr, dass sein Land die Verpflichtungen einhalten und die Reformzusagen erfüllen werde. Athen befand sich angesichts von Merkels Besuch im Ausnahmezustand: Rund 40.000 Menschen fanden sich in der Innenstadt zu Protesten ein, vereinzelt kam es zu Ausschreitungen.

Merkel sagte, Griechenland sei in einer schwierigen Phase, den Menschen dort werde sehr viel abverlangt. Inzwischen sei jedoch "ein großes Stück des Weges zurückgelegt". "Es gibt jeden Tag Fortschritte. Ich glaube, dass sich dieser Weg, obwohl er sehr schwierig ist, für Griechenland lohnen wird." Gemeinsam habe man das Interesse, Glaubwürdigkeit in der Welt wieder zurückzugewinnen. Wörtlich sagte Merkel: "Es ist vieles geschafft, es ist noch Etliches zu tun."

Samaras: "Sind gewillt, in Euro-Zone zu bleiben"
"Das griechische Volk ist gewillt, in der Euro-Zone zu bleiben", sagte Samaras nach dem Gespräch mit Merkel. "Alle, die gewettet haben, dass Griechenland untergeht, werden diese Wette verlieren." Auch Merkel meinte: "Ich wünsche mir, dass Griechenland in der Euro-Zone bleibt." Jene, die sich nun in Griechenland anstrengen würden, sollten auch die Früchte ihrer Arbeit ernten können.

Merkel nannte weiterhin keinen genauen Termin für die Veröffentlichung des Berichts der Troika aus EU-Kommission, EZB und IWF. "Der Troika-Bericht kommt dann, wenn er fertiggestellt ist. Auch hier gilt, dass Gründlichkeit vor Schnelligkeit geht", sagte die Kanzlerin. Die Zeit sei jedoch selbstverständlich begrenzt: "Wir arbeiten mit Nachdruck daran. Aber wir müssen auch alle Probleme lösen. Deswegen dauert es etwas länger, als vielleicht manch einer denkt."

Merkel will "weder Lehrerin noch Notengeberin" sein
Die Kanzlerin bescheinigte Griechenland, dass in der letzten Zeit das Reformtempo "sehr viel schneller geworden" sei. Sie glaube, dass vieles in Gang sei. Sie sei "weder als Lehrerin noch als Notengeberin" nach Athen gekommen, betonte Merkel. Sie verwies darauf, dass es auch in Deutschland dauere, Reformen umzusetzen. Als Ostdeutsche wisse sie zudem, wie lange es dauere, neue Verwaltungen aufzubauen.

Samaras sagte auf die Frage, ob er den Eindruck habe, dass er eine Garantie für den Verbleib seines Landes in der Euro-Zone erhalten habe: Er sei sicher, dass die Welt verstehe, welchen Kampf sein Land führe, um die Krise zu überwinden. Die EU und die Länder der Euro-Gruppe wollten Griechenland helfen. Sie würden auch anerkennen, welche Opfer das griechische Volk erbracht habe und was die Regierung zur Bekämpfung der Krise tue. Er sei sicher, dass die Euro-Gruppe seinem Land helfen werde.

Massive Sicherheitsvorkehrungen der Polizei
Bei dem Besuch Merkels waren rund 7.000 Polizisten im Einsatz, um das Zentrum von Athen abzuriegeln. Die 36-Kilometer-Autobahn vom Flughafen in die Stadt wurde gesperrt, Hubschrauber begleiteten den Autokonvoi aus gepanzerten Limousinen. Auf den Dächern um den Amtssitz von Regierungschef Samaras wurden Scharfschützen postiert. Das gesamte Regierungsviertel wurde zur Sicherheitszone erklärt, rundherum gab es Personenkontrollen. Auch einige Schulen und U-Bahn-Stationen wurden gesperrt.

Demo, Ausschreitungen und Beschimpfungen
Bis zu 40.000 Griechen demonstrierten während der Merkel-Visite in der Innenstadt friedlich gegen die Sparauflagen und den Euro-Kurs der Kanzlerin. Vereinzelt kam es auch zu Ausschreitungen von vermummten Demonstranten (siehe Bilder oben). Einige davon trugen Wehrmachts- und SS-Uniformen, Hakenkreuzfahnen wurden verbrannt. Die Polizei setzte Tränengas, Blendgranaten und Schlagstöcke ein und vermeldete rund 50 Festnahmen.

Andere Demonstranten diffamierten die Kanzlerin zudem erneut mit Nazi-Vergleichen. Einige Personen trugen Transparente mit dem Spruch "Frau Merkel - get out". Auch Plakate mit beleidigenden Aufschriften waren zu sehen: "Raus aus unserem Land, du Schlampe" oder "Tochter Hitlers, raus aus Griechenland - und kein viertes Reich".

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