Do, 19. Juli 2018

Stammzellenforscher

08.10.2012 11:49

Medizin-Nobelpreis geht an Japaner und Briten

Der Nobelpreis 2012 für Physiologie und Medizin geht an den britischen Forscher John B. Gurdon und an den Japaner Shinya Yamanaka. Dies erfolge für Forschungen, welche gezeigt hätten, "dass spezialisierte Zellen reprogrammiert werden können, sodass sie wieder unreife Zellen werden, die sich dann in alle Gewebetypen des Körpers entwickeln können", gab das Karolinska-Institut in Stockholm am Montag bekannt.

"John B. Gurdon entdeckte im Jahr 1962, dass die Spezialisierung von Zellen reversibel ist. In einem klassischen Experiment ersetzte er den unreifen Zellkern der Eizelle eines Frosches durch den Zellkern einer reifen Darmzelle. Das modifiziert Ei entwickelte sich in eine normale Kaulquappe", schrieb das Nobelpreiskomitee in seiner Begründung für die Zuerkennung des Preises an den britischen Wissenschaftler, der jetzt an dem nach ihm benannten Gurdon-Institut in Cambridge arbeitet.

Shinya Yamanaka wiederum entdeckte "im Jahr 2006, wie man intakte ausgereifte Zellen in Mäusen so reprogrammieren kann, dass sie unreife Stammzellen werden. Interessanterweise erfolgte das nur durch das Einfügen von einigen wenigen Genen. Er konnte sie so reprogrammieren, dass sie wieder pluripotente Stammzellen werden - Zellen, die zu allen Zelltypen des Körpers ausreifen können", wie das Nobelpreiskomitee zu den Arbeiten des Japaners feststellte. Er arbeitet derzeit an der Kyoto-Universität in Japan.

Ehemals dachte man, diese Entwicklung sei unumkehrbar. Doch Gurdon fand einen Weg zurück - das Reprogrammieren. Durch den Ersatz von Gen-Material in unreifen Eizellen von Fröschen mit DNA aus ausdifferenzierten Zellen konnte er Kaulquappen züchten, später Frösche.

Zellen in Ur-Stadium zurückverwandelt
Yamanaka kehrte sozusagen die Sache wieder um. Er beantwortete die Frage: "Kann man je intakte Zellen in pluripotente Stammzellen zurückverwandeln?" Das gelang ihm bei Arbeiten, in denen er zunächst in Stammzellen von Mäusen klärte, welche Gene diese im Stammzell-Stadium hielten. Dann schleusten er und seine Mitarbeiter diese Gene in Bindegewebszellen - Fibroblasten - ein. Das Nobelpreiskomitee: "Schließlich fanden sie eine Kombination, die funktionierte - und dieses Rezept war ausgesprochen einfach."

Damit war das Konzept der "induzierten pluripotenten Stammzellen" gefunden. Noch sind die medizinischen Anwendungen nicht genau ausgelotet. Aber, so das Nobelpreiskomitee: "Lehrbücher wurden umgeschrieben. Neue Wissenschaftsfelder haben sich gebildet. Wissenschaftler haben neue Möglichkeiten geschaffen, Krankheiten zu studieren und Methoden für die Diagnose und die Therapie zu entwickeln.

Die Auszeichnungen sind in diesem Jahr mit je acht Millionen schwedischen Kronen (umgerechnet rund 920.000 Euro) dotiert. Das bedeutet eine vom Nobel-Stiftungskomitee gegenüber der Vergangenheit um 20 Prozent herabgesetzte Preissumme (ehemals je zehn Millionen oder 1,088 Millionen Euro). überreicht werden die Nobelpreise traditionell am 10. Dezember, dem Todestag des Stifters Alfred Nobel (1833 bis 1896).

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