Di, 21. August 2018

Analysten einig

04.10.2012 07:11

Romney punktet in erster TV-Debatte gegen Obama

US-Präsident Barack Obama und sein republikanischer Herausforderer Mitt Romney haben bei ihrer ersten TV-Debatte in der Nacht auf Donnerstag (MESZ) vor allem über Steuern und Reformen im Gesundheitssystem gestritten. Thema war die Frage der Besteuerung von Gutverdienern, aber auch die Bilanz von Obamas umstrittener Gesundheitsreform "Obamacare". Die Konfrontation der Präsidentschaftskandidaten vor rund 50 Millionen Fernsehzuschauern endete nach Ansicht der Analysten eindeutig zugunsten Romneys.

Seine Regierung habe in den vergangenen vier Jahren fünf Millionen neuer Jobs im Privatsektor geschaffen, verteidigte Obama zum Auftakt der Debatte, die auf der Website des US-Senders "C-SPAN" in voller Länge abruftbar ist, die Bilanz seiner Amtszeit. Auch die Automobilindustrie habe ihre schwere Krise hinter sich. Dies sei aber noch nicht genug. "Wir haben noch viel zu tun."

Der Präsident attackierte seinen republikanischen Herausforderer, Romney wolle die Abgaben für Gutverdiener senken und das Budget mit insgesamt acht Billionen US-Dollar an Steuersenkungen und zusätzlichen Militärausgaben belasten. Romney verteidigte sich und betonte, er wolle die Steuern senken, aber Freibeträge und andere Absetzposten abschaffen. "Ich plane keine Steuersenkungen, die zum Defizit beitragen", erklärte der Republikaner.

"'Obamacare' zu teuer und uneffektiv"
Zur Gesundheitsreform Obamas erklärte Romney, das gegen den Widerstand der Republikaner durchgesetzte Programm sei "zu teuer und uneffektiv". "Unsere Aufgabe ist: Wir müssen die Kosten für die Familien senken", kündigte Romney an. Dies könne die Privatwirtschaft viel besser als der Staat bewirken.

Obama erwiderte, die Reform sei noch längst nicht abgeschlossen: "Wenn 'Obamacare' komplett umgesetzt ist, werden wir die Kosten senken." Die Krankenversicherungsbeiträge würden nun bereits so langsam steigen wie seit 50 Jahren nicht mehr. Die noch nicht einmal voll umgesetzte Reform zeitige bereits Erfolge. Romney hatte im Wahlkampf unter Amerikas Konservativen viel Unterstützung für die Ankündigung erhalten, die Reform zu kippen, falls er Präsident werden sollte.

In seiner Abschlusserklärung bezeichnete Romney die bevorstehende Wahl als Schicksalsentscheidung für die Mittelschicht seines Landes. "Ich bin beunruhigt über die Richtung, die Amerika in den vergangenen vier Jahren eingeschlagen hat." Wenn er Präsident sei, werde er dabei helfen, zwölf Millionen neue Jobs im Land zu schaffen - mit höheren Löhnen, versprach Romney.

Obama wiederum erinnerte in seinem Schlusswort daran, wie schwer die Wirtschaftskrise zur Zeit seines Amtsantritts vor vier Jahren war. Seine Zuversicht in die amerikanische Zukunft sei allerdings ungeschmälert, vor allem wegen der "großartigen Menschen" im Land. Er habe damals angekündigt, jeden einzelnen Tag für die Menschen in Amerika zu kämpfen. "Ich habe das Versprechen gehalten. Wenn Sie mich wählen, so versichere ich Ihnen, auch in der zweiten Amtszeit so hart zu kämpfen", sagte Obama.

Aggressiver Romney, hölzerner Obama
Kommentatoren bemängelten in nachfolgenden Diskussionssendungen, Obama habe bei der Debatte hölzern gewirkt und sei unter den Erwartungen geblieben. Auch vonseiten der Republikaner wurde der Sieg bei der Debatte für ihren Kandidaten in Anspruch genommen. Laut einer Umfrage des Senders CNN sahen 67 Prozent der Befragten einen Sieg für Romney, nur 25 Prozent ein stärkeres Abschneiden Obamas.

"Romney war so gut wie nie", sagte etwa auch der schwarze Bürgerrechtler Al Sharpton ein wenig zerknirscht zu CNN. Sharpton konnte seine Verwunderung darüber nicht verhehlen, wie kraftlos und defensiv der mächtigste Mann der Welt bei einem seiner wichtigsten Tests vor der Wahl am 6. November wirkte. Ständig schaute der Präsident nach unten. Sein Lächeln wirkte seltsam unsicher, gar nicht so strahlend wie sonst. Es waren nicht seine Antworten, die viele Zuschauer irritierten - es war die müde Art, sie vorzutragen.

"Starker Angriff, schwache Verteidigung"
Ganz anders Romney: Von der ersten Minute an griff er Obama und dessen Bilanz in den vergangenen vier Jahren an. "Er erdrückt die Familien in der Mittelschicht", sagte der Multimillionär und zählte seine Anklagepunkte auf wie ein Staatsanwalt: "Die Benzinpreise haben sich unter dem Präsidenten verdoppelt. Strom wurde teurer. Lebensmittelpreise stiegen. Die Gesundheitskosten wurden pro Familie um 2.500 Dollar höher." Gegen Romneys scharfe Formulierungen und klare Aussagen richtete Obama kaum etwas aus. "Starker Angriff, schwache Verteidigung", titelte denn auch die "Chicago Tribune" hinterher im Internet.

Obama wirkte zudem auch deshalb so harmlos, weil er weitgehend auf persönliche Attacken gegen seinen Herausforderer verzichtete. Kein Wort über Romneys Vergangenheit als knallharter Finanzmanager, kein Verweis auf dessen schlimmen Patzer - etwa als er 47 Prozent der Amerikaner als Sozialschmarotzer charakterisierte. Stattdessen erinnerte Obama die Amerikaner noch einmal daran, schon vor vier Jahren gesagt zu haben, "dass ich kein perfekter Präsident sein werde". Alles in allem also in der Tat keine perfekte Performance Obamas.

Spannung vor den nächsten zwei Debatten
Das Aufeinandertreffen von Obama und Romney leitete die heiße Phase im Wahlkampf ein - zwei weitere Fernsehdebatten sind für den 16. und 22. Oktober geplant und werden von der US-Öffentlichkeit mit Spannung erwartet. Für Romney geht es darum, im Rennen um das Weiße Haus wieder an Boden gutzumachen: Den Umfragen zufolge hat Obama im Wahlkampf aktuell die Nase vorn.

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