Betrieb zu teuer?
9/11-Denkmal noch vor Fertigstellung in der Kostenfalle
Einen Tag nach dem zehnten Jahrestag der Anschläge, am 12. September 2011, wurde das beeindruckende Mahnmal der Öffentlichkeit zugänglich gemacht. Seither haben rund 4,5 Millionen Menschen das "National September 11 Memorial" besucht.
Zwei Becken anstelle der Twin Towers
Der New Yorker Architekt Michael Arad wurde für seine Gestaltung des rund 50.000 Quadratmeter großen Areals mit Lob überhäuft. Die Hauptelemente des Platzes sind zwei 4.000 Quadratmeter große Granitbecken mit beleuchteten Wasserfällen. Die Becken bezeichnen die ursprünglichen Standorte der Twin Towers, in die Brüstungen wurden die Namen der 2.977 Todesopfer der Anschläge vom 11. September 2001 eingraviert, dazu die Namen der sechs Toten bei den Bombenanschlägen auf das WTC im Jahre 1993.
Um den sogenannten "Survivor Tree", einen Birnenbaum, der nahezu unversehrt in den Trümmern der Twin Towers gefunden wurde, wurde ein Park mit Pflanzengrün auf einer Fläche von fast 24.000 Quadratmetern angelegt. Zwischen den beiden Pools befindet sich der Eingangspavillion des unterirdisch gelegenen Memorial-Museums, das nach seiner Eröffnung neben Artefakten der Twin Towers auch ein zerstörtes Fahrzeug der New Yorker Feuerwehr sowie die Stiegenaufgänge aus dem WTC, über die am 11. September Tausende aus den brennenden Twin Towers flüchteten, beherbergt.
Der Eröffnung des Memorials war eine jahrelange Diskussion über dessen Gestaltung und Finanzierung vorausgegangen, weswegen letztlich am zehnten Jahrestag der Anschläge das Museum noch nicht eröffnet werden konnte. Der damals versprochene Termin zum Jahrestag 2012 konnte aber ebenfalls nicht eingehalten werden. Noch im vergangenen Jahr wurde die Baustelle wegen eines Finanzierungsstreits zwischen der Memorial Foundation und der New Yorker Hafenbehörde, der das einstige WTC-Gelände gehört, geschlossen. Als neuen Eröffnungstermin gibt man jetzt 2014 an.
Horrende Betriebskosten von 60 Millionen Dollar
Kurz vor dem Jahrestag sorgt nun die Nachricht über die künftigen Betriebskosten des 9/11-Mahnmals für Aufregung. Der Leiter der Memorial Foundation, Joseph Daniels, gestand am Wochenende gegenüber der Nachrichtenagentur AP ein, dass in US-Medien kolportierte Kosten von jährlich 60 Millionen Dollar korrekt seien.
Zum Vergleich: Der Betrieb des Nationalfriedhofs Arlington mit 400.000 Gräbern und etlichen Gebäuden auf 252 Hektar Fläche, der als eine der wichtigsten US-Gedenkstätten jedes Jahr von rund vier Millionen Menschen besucht wird, kostet 45 Millionen Dollar - die jährlich rund 5.000 Neubestattungen miteingerechnet.
Ein Fünftel des Budgets für Sicherheit
Die Foundation versucht die hohen Kosten zu verteidigen: Allein der Betrieb der Granitbecken mit den Wasserfällen und deren Beleuchtung koste rund fünf Millionen Dollar pro Jahr. Ein Fünftel des Budgets müsse für die Sicherheit ausgegeben werden: "Fakt ist, dass dieser Ort schon zwei Mal Ziel von Terroranschlägen war", rechtfertigt Daniels die geplante Beschäftigung privater Sicherheitsleute und die Installation Flughafen-ähnlicher Durchsuchungsvorrichtungen an den Eingängen zum Museum.
Freilich wären die laufenden Kosten für die Foundation einfacher zu tragen, wenn man auf die vorgesehene Haupteinnahmequelle, das Museum, zurückgreifen könnte. Ein Eintrittspreis von 12 Dollar, wie im Denkmal für die Opfer der Bombenanschläge von Oklahoma, würde immerhin 40 Prozent der Betriebskosten abdecken, wenn wie erwartet zwei Millionen Besucher pro Jahr Eintritt bezahlen. Ein geringer Verdienst ist auch mit dem Verkauf von Memorabilia, Bildbänden und Sachbüchern im Museumsshop eingeplant.
Kongress verneint Millionenspritze
Da das Museum aber in den nächsten zwei Jahren weiterhin geschlossen bleibt, wenden sich die Vertreter der Foundation nun an den Steuerzahler: Sie wollen erreichen, dass künftig ein Drittel der laufenden Kosten aus öffentlichen Mitteln kommt. Ein entsprechendes Gesetz eines demokratischen Senators, das zumindest für einige Jahre 20 Millionen Dollar aus dem Budget der Nationalparks abgezweigt hätte, wurde aber von den Republikanern abgewürgt. Schließlich hätte die Bundesregierung schon für den Bau des Mahnmals 300 Millionen Dollar bereitgestellt, hieß es.
Die Foundation kann auf eine große Riege finanziell potenter Gönner und Unterstützer zurückgreifen, auch die amerikanische Öffentlichkeit stand dem Projekt bisher wohlwollend gegenüber. Vom Baubudget mit rund 700 Millionen Dollar kam mehr als die Hälfte aus nicht-staatlichen Quellen. Sollte das Spendenaufkommen aber nicht reichen, müsste die Foundation den schmalen Grat der kommerziellen Verwertung beschreiten, heißt es - an ein Geschäft mit "9/11-Souvenirs" will aber niemand wirklich denken.







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