Der Finanzsektor des hochverschuldeten Landes ist vom privaten Kapitalmarkt abgeschnitten. Auch die Europäische Zentralbank rückt kein Geld mehr heraus. Seit Juli nimmt die EZB keine griechischen Staatsanleihen mehr als Sicherheit an. Die Euro-Staaten haben zugleich weitere Hilfszahlungen blockiert, bis die Troika aus Europäischer Union, EZB und Internationalem Währungsfonds ihren Bericht über die Spar- und Reformschritte in Athen abschließt. Damit ist jedoch frühestens im September zu rechnen.
EZB duldet kreative Notkredite
Die ELA-Notkredite sind somit Griechenlands allerletzte Geldquelle. Eine Quelle, die - als geldpolitisches Notstandsinstrument eigentlich nur dafür gedacht, kurzfristig Liquiditätsprobleme zu vermeiden – derzeit noch kräftig sprudelt. Die EZB duldet das. Sie soll zwar darüber wachen, dass der Einsatz nicht überstrapaziert wird und kann ihn mit Zweidrittelmehrheit blockieren. Dennoch lässt die EZB in Griechenland das Kuriosum zu, dass die dortige Zentralbank die Geschäftsbanken mit Geld versorgt, für das sie selbst haftet - und damit letztlich der klamme griechische Staat.
Kritiker sprechen von einem "Fass ohne Boden". Die Geschäftsbanken müssen zwar Sicherheiten - in der Regel Wertpapiere - hinterlegen, um sich Geld aus dem ELA-Topf zu besorgen. Die Ansprüche an diese Pfandtitel sind jedoch gering und können von den nationalen Notenbanken eigenmächtig festgelegt werden. Analysten zweifeln deshalb, ob sie bei einem Zahlungsausfall wirklich Schutz vor Verlusten bieten würden. Marktbeobachtern zufolge könne sich Athen mit dem ELA-Kunstgriff zwar kurzfristig vor dem Zahlungsausfall bewahren - an eine Wunderheilung glauben sie aber nicht mehr.
Staatsverschuldung auf Rekordhöhe
Auch die jüngsten Zahlen zur griechischen Staatsverschuldung lassen keinen Optimismus aufkommen: Die Kassen in Athen werden immer leerer. Während das Finanzministerium in Athen Ende März noch 4,401 Milliarden Euro in seinen Safes hatte, befanden sich Ende Juni nur mehr 3,495 Milliarden Euro in der Kasse. Wie das Finanzministerium am Freitag zudem mitteilte, erreichte die Staatsverschuldung am 30. Juni 303,5 Milliarden Euro. Im März waren es 280,2 Milliarden.
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