NASA jubelt

Rover “Curiosity” erfolgreich auf dem Mars gelandet

Wissen
06.08.2012 07:36
Der NASA-Rover "Curiosity" ist am Montag kurz nach 7.30 Uhr MESZ erfolgreich auf dem Mars gelandet. Die US-Raumfahrtbehörde erwartet sich von ihrer 2,5 Milliarden Dollar (rund 1,9 Milliarden Euro) teuren Mission aufschlussreiche Daten und Bilder - und endlich eine Antwort auf die Frage, ob Leben auf dem Mars jemals möglich war oder sein wird.

"Wenn man sich vorstellt, was alles hätte schiefgehen können, dann fällt einem schon ein gewaltiger Stein vom Herzen", sagte der deutsche Astronaut und ESA-Direktor für bemannte Raumfahrt und Missionsbetrieb, Thomas Reiter, in Darmstadt. Vor allem im Jet Propulsion Laboratory der NASA in Pasadena war die Freude über die erfolgreiche Landung groß. Aber auch am New Yorker Time Square verfolgten Hunderte Menschen via Bildschrim die Landung des Rovers auf dem Roten Planeten.

"Curiosity" soll auf dem Mars zwei Jahre lang nach Spuren von Leben suchen. Es ist die teuerste und technisch ausgefeilteste Mission, die je dorthin geschickt wurde. Auf der Website der NASA-Mars-Mission sollen regelmäßig neue Ergebnisse veröffentlicht werden.

"Funkelnagelneuer Wagen da oben"
"Jetzt haben sie einen funkelnagelneuen Wagen da oben stehen, ganz so, als hätten sie ihn gerade beim Autohändler gekauft", meinte Michel Denis von der Europäischen Raumfahrtagentur ESA. Diese hatte die Landung unter Mithilfe der Sonde "Mars Express" überwacht.

Nur wenige Minuten nach der Landung erreichten erste von "Curiosity" auf dem Mars geknipste Fotos die Erde. Auf den sehr gering aufgelösten Bildern, die die NASA verbreitete, ist der Horizont des Planeten zu sehen - und viel Staub, den der Rover bei seiner Landung aufgewirbelt hatte.

Obama: "USA haben Geschichte geschrieben"
In einer ersten Reaktion lobte US-Präsident Barack Obama die Landung als eine "beispiellose Technologie-Leistung". "Heute haben die USA auf dem Mars Geschichte geschrieben", sagte in Washington. Die Landung des Roboterfahrzeugs der US-Raumfahrtbehörde werde in der Zukunft als "Argument des Nationalstolzes" dienen.

"Der heutige Erfolg erinnert uns daran, dass unsere Vormachtstellung - sowohl im All, als auch auf der Erde - davon abhängt, dass wir klug in Innovation, Technologie und Grundlagenforschung investieren, die schon immer dafür gesorgt haben, dass unsere Wirtschaft von der Welt beneidet wurde." Er warte gespannt auf die Ergebnisse, die "Curiosity" liefern werde.

Ein Bart, Schmuck und Erdnüsse als Glücksbringer
Mit zahlreichen außergewöhnlichen Glücksbringern zitterten Ingenieure der NASA der Landung von "Curiosity" auf dem Mars entgegen. Ein Forscher habe sich einen langen Bart wachsen lassen, den er erst nach der Landung abrasieren wollte, sagte NASA-Manager Brian Portock. Eine andere Kollegin habe schon den ganzen Tag über zwei Schmuckstücke festgehalten und wollte sie nicht loslassen, bis "Curiosity" auf dem Mars aufgesetzt habe. Ein dritter Kollege habe sich die Haare nach Vorbild der US-Flagge frisiert: ein blau-rot-gefärbter Irokesenschnitt und an den Seiten einrasierte Sterne.

Besondere Bedeutung habe aber eine Dose mit gesalzenen Erdnüssen, die im NASA-Kontrollzentrum in Pasadena die Runde mache. "Das ist schon seit etwa 40 Jahren Tradition", sagte Portock. "All diese Sachen tragen dazu bei, uns ruhig zu halten, die Laune zu heben - und natürlich 'Curiosity' Glück zu bringen."

Raumfahrtexperte: "Ein bisserl ein Wunder"
Für den Raumfahrtexperten Gernot Grömer vom Österreichischen Weltraum Forum (ÖWF) ist die "Curiosity"-Landung "ein bisserl ein Wunder". Die erstmals eingesetzte Landemethode sei "unglaublich riskant, unglaublich abenteuerlich, nun aber auch unglaublich erfolgreich", so Grömer. Der aus Österreich stammende ESA-Generalinspekteur Rudolf Schmidt bezeichnete die Landung als "gigantischen Erfolg für die NASA und die gesamte Mars-Forschung", da es mit dem neuen Landeprinzip endlich möglich sei, "große und schwere Gegenstände auf dem Mars zu landen".

Schmidt leitete 2003 die europäische Mission "Mars-Express": "Ich wäre gerne dabei gewesenen, aber es ist halt ein amerikanisches Projekt, da kann man nichts machen. Da müssen wir Europäer uns anstrengen, um mitzuhalten." Live dabei waren laut Grömer rund 30 Personen in einem Hörsaal der Uni Innsbruck, die bei einem "Landing Breakfast" einen Livestream aus dem Kontrollzentrum verfolgten. So groß die Freude bei den NASA-Ingenieuren war, so groß sei auch die Erleichterung von zwei Innsbrucker Studenten gewesen, deren geplante PhD-Arbeit vom Erfolg der Mission abhängt.

"Noch nicht alles gegessen"
Noch ist nach Einschätzung Grömers bei der Mission "nicht alles gegessen", aber man habe "90 Prozent dessen, was schiefgehen kann, bereits geschafft". Laut Schmidt wird die NASA in den nächsten Tagen und Wochen nun die Systeme austesten, also mit dem Rover "vorwärts und rückwärts fahren, Elektronik und Software testen". In den nächsten zwei, drei Wochen kämen dann vielleicht die ersten Ergebnisse von den neuen Instrumenten. Für Grömer beginnt nun eine "neue Phase in der Marsforschung", ganze Generationen von Wissenschaftlern würden mit der Auswertung der gesammelten Daten beschäftigt sein.

Grömer freut auch besonders, dass "Curiosity" offenbar präzise im angepeilten Gebiet gelandet ist. Eine solche Präzisionslandung sei wichtig für den nächsten Schritt, eine Probenrückhol-Mission. "Und auch einer bemannten Mission zum Mars sind wir damit ein Stückchen näher gekommen", sagte der Experte vom ÖWF, das derzeit einen Prototypen für einen Marsanzug entwickelt und ihn bei aufwendigen Simulationen mit internationaler Beteiligung unter anderem in den Dachstein-Höhlen testet.

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