Zur Hälfte des Rennens noch Siebenter, zündete Phelps auf den zweiten 50 Metern seinen so berüchtigten Turbo. "Ich bin einfach nur froh, dass der Letzte noch ein Sieg geworden ist", gestand Phelps. "Das habe ich mir gewünscht." Der US-Superstar holte in 51,21 Sekunden seine 21. Olympia-Medaille, die 17. in Gold. Am Samstagabend hat er noch eine weitere Chance, wenn er mit der US-Staffel im Finale über 4 x 100 Meter Lagen antritt. Danach beendet der erfolgreichste Olympionike aller Zeiten endgültig seine Karriere.
"Ich habe geglaubt, dass es mich schwerer trifft, wenn ich aus dem Becken steige. Ich habe die Emotionen in den letzten Tagen nicht wirklich zugelassen", erklärte Phelps, der in seinen ersten beiden Einzelbewerben in London nur eine Silbermedaille geholt hatte. "Mein Start in diese Spiele war nicht so, wie ich ihn mir vorgestellt habe", erinnerte der Superstar. "Aber ich habe Fahrt aufgenommen und so aufgehört, wie ich es wollte. Man kann nicht wirklich besser abtreten, ich bin sehr glücklich."
Nach 50 Metern war noch der Serbe Milorad Cavic vorangelegen, gegen den Phelps vor vier Jahren in Peking um eine Hundertstel Sekunde seine makellose Bilanz von acht Goldmedaillen in acht Antritten gerettet hatte. Cavic musste sich am Ende hinter zwei Zweitplatzierten mit Platz vier begnügen.
Silber teilten sich 0,23 Sekunden hinter Phelps der Russe Jewgeni Korotyschkin und 200-Meter-Olympiasieger Chad le Clos. Der Südafrikaner hatte in Österreich durch seinen Startverzicht über 200 m Lagen Berühmtheit erlangt, durch den Markus Rogan ohne Disqualifikation noch einmal in ein Olympia-Finale gerutscht wäre. "Der Abstand war gar nicht so klein", sagte Phelps, der seine dritte Goldmedaille in London holte.
Missy Franklin "das glücklichste Mädchen der Welt"
Das gleiche Kunststück gelang seiner Landsfrau Missy Franklin. Die 17-Jährige triumphierte über 200 Meter Rücken in der neuen Weltrekord-Zeit von 2:04,06 Minuten. Die alte Bestmarke von Kirsty Coventry aus Simbabwe pulverisierte Franklin gleich um 0,75 Sekunden. Der Jungstar hatte zuvor bereits die 100 m Rücken und mit der 4 x 200 Meter Kraul Staffel gewonnen. "Ich bin das glücklichste Mädchen auf der Welt", sagte Franklin.
Die zweite Niederlage setzte es dagegen für Lokalmatadorin Rebecca Adlington. Selbst die ohrenbetäubenden "Becky, Becky"-Rufe im Londoner Aquatics Centre halfen nichts. Die Titelverteidigerin aus Großbritannien musste sich nach den 400 m Kraul auch über 800 m Kraul mit Bronze begnügen. Gold ging in 8:14,63 Minuten etwas überraschend an die erst 15-jährige US-Amerikanerin Katie Ledecky.
Noch sensationeller war der Sieger des Kraul-Sprints der Männer. Der zuvor noch nicht wirklich in Erscheinung getretene Franzose Florent Manaudou triumphierte in 21,34 Sekunden vor dem US-Amerikaner Cullen Jones und dem Brasilianer Cesar Cielo, der 2008 in Peking über 50 Meter Gold gewonnen hatte. Der 21-jährige Olympiasieger ist der jüngere Bruder von Frankreichs weiblichen Schwimmstar Laure Manaudou, der in London enttäuscht hat.
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