Ein Forschungsteam hat nun eine gentechnisch veränderte Linie der heutzutage in Plantagen für den Export überwiegend angebauten Cavendish-Bananen entwickelt. Sie ist resistent gegen den Pilz Fusarium oxysporum TR4 (Tropical Race 4) – und wurde in Australien kürzlich für den menschlichen Verzehr zugelassen.
Wenn TR4 zuschlägt, können Bananenbauern nur hilflos zusehen, wie ihre Plantage stirbt. QCAV-4 aber könnte die Rettung für die weltweit bedrohte Bananen-Industrie sein.
Plantagen lassen sich nicht mehr nutzen
TR4 wurde erstmals im Jahr 2019 im Nordosten von Kolumbien nachgewiesen. Aber auch fünf Jahre später ist die Lage im Land nach Einschätzung des Verbandes der Bananenbauern (Augura) weitgehend unter Kontrolle. Letztlich werde sich der Pilz weder ganz zurückdrängen noch dauerhaft eindämmen lassen. Sei TR4 einmal in einer Plantage, lasse die sich nicht mehr nutzen.
TR4 überlebt mehrere Jahrzehnte im Boden
Ein großes Problem: Pilze lieben warmes, feuchtes Klima. Da aufgrund des Klimawandels mit wärmeren Perioden stark zu rechnen sein wird, könnten Pilze künftig für weit mehr Komplikationen im Bananenanbau sorgen.
Die Crux: Industrie setzt nur auf eine Sorte
Der Industrie wird hier zum Verhängnis, dass sie auf eine einzige Sorte setzt. Während man bei Äpfeln oder Tomaten zumindest noch einige verschiedene Sorten in Supermärkten findet, ist es im Bereich der Dessertbananen fast ausschließlich Cavendish. Deren Stauden werden ausschließlich aus Stecklingen gezogen, alle sind genetisch exakt identisch, die Früchte enthalten keine Samen.
Gen aus Wildbanane entnommen
Darum arbeiten Forschungsteams vor allem daran, Cavendish resistent gegen TR4 zu bekommen – über traditionelle Züchtung oder eben gentechnische Ansätze wie den des Teams um James Dale von der Queensland University of Technology (QUT). Die Wissenschaftler haben ein Gen – das Resistenzgen RGA2 aus einer Wildbanane – in Pflanzen der Sorte Cavendish eingefügt. Die den Angaben zufolge erste gentechnisch veränderte Banane war geschaffen. „Problem“ sei dies keines, da lediglich ein Gen aktiviert worden sei, das ohnehin in der Sorte und in Wildbananen vorhanden gewesen sei.
Wenn TR4 zuschlägt, können Bananenbauern nur hilflos mitansehen, wie ihre Plantage stirbt. Es wäre nicht das erste weltweite Aus für eine Bananensorte: Schon der zuvor dominierenden Handelssorte Gros Michel - schmackhafter und dank dickerer Schale einfacher zu ernten und zu transportieren – wurde Fusarium oxysporum zum Verhängnis, damals noch TR1. Bis etwa 1960 war ein Großteil der Bestände vernichtet. Anders als damals scheint diesmal kein für den Massenanbau tauglicher Ersatz in Sicht. Zwar sind inzwischen mehr als 1500 Bananensorten registriert. Doch nur sehr wenige haben die nötigen Resistenzen und sonstigen Eigenschaften (Ertrag, Transportfähigkeit und Geschmack) sowie überhaupt für den Verzehr geeignete Früchte
Produkt noch nicht in Supermärkten
Seit einigen Jahren wurde der Anbau der QCAV-4 genannten Bananen in Feldversuchen getestet. Nun folgte die Freigabe in Australien als für den menschlichen Verzehr geeignet. In Supermärkten erhältlich sind QCAV-4-Bananen dort aber bisher nicht – und das soll vorerst auch so bleiben.
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