Paszek konnte den Center Court erhobenen Hauptes verlassen, 2011 war sie von der starken Asarenka noch mit 6:3, 6:1 vom Platz gefegt worden, doch die Leistungssteigerung zwölf Monate später war gewaltig. Der erste Satz ging vom Resultat her mit 6:3 noch glatt aus, dauerte aber 45 Minuten.
Asarenka durch Aufschlag unverletzbar
Was Asarenka in diesem Durchgang aber letztlich unverletzbar machte, war ihr Aufschlag: Lediglich ein einziger Punkt gelang Paszek bei den Service-Games der Weltranglisten-Zweiten und Australian-Open-Siegerin dieses Jahres. Asarenka nützte hingegen letztlich den insgesamt siebenten Breakball zur 5:3-Führung und servierte danach zur 1:0-Satzführung aus.
Satz zwei verlief von Beginn weg noch ausgeglichener, allerdings hatte Österreichs Nummer eins vor allem im dritten Game besonders mit ihrem Aufschlag zu kämpfen. Danach ging es bis zum 4:4 mit dem Aufschlag, ehe Asarenka der Dornbirnerin das Service zu Null abnahm. Dies schien die Vorentscheidung zu sein, denn Paszek hatte ja bis zu diesem Zeitpunkt keine einzige Breakchance vorgefunden.
Unglaublicher Kampfgeist bei Paszek
Doch die enorme mentale Stärke und der Kampfgeist der Eastbourne-Siegerin kamen noch ein weiteres Mal zum Vorschein: Die immer wieder sowohl von der Vorhand als auch von der Rückhand mit Winnern punktende Paszek erkämpfte sich doch tatsächlich das Rebreak zum 5:5, gab neuerlich den Aufschlag ab und schaffte es dennoch noch ins Tiebreak.
In diesem führte Paszek mit 2:0 und hielt bis zum 3:3 mit, ehe sich Asarenka einen 6:3-Vorsprung und damit drei Matchbälle verschaffte. Einen Matchball wehrte die immer wieder vom Publikum angefeuerte "Mimi" - wie sie genannt wird - noch mit einem krachenden Rückhand-Gewinnschlag ab, dann aber war es vorbei. Asarenka jubelte ausgelassen. Sie wusste, dass dieser Sieg weit mehr wert war, als noch jener vor einem Jahr.
Asarenka: "Es war sehr schwer für mich"
"Die Spiele waren wirklich knapp. Wir haben beide im zweiten Satz das Service gut gehalten. Es gab viele Rallyes von der Grundlinie, es war schwer für mich", lobte Asarenka die jüngste Viertelfinalistin des diesjährigen Turniers. Zum Halbfinal-Match gegen Serena Williams meinte sie: "Es gibt keine schwierigere Gegnerin als Serena. Aber im Halbfinale gibt es keine leichte Gegnerin mehr."
Paszek kann sich mit einem Preisgeld in Höhe von 145.000 Pfund (180.629 Euro) sowie 500 WTA-Punkten trösten. Sie wird laut WTA-Prognosen in den Top 40 bleiben und ab Montag auf Platz 36 aufscheinen. Ihr bisher bestes Ranking verpasst sie damit vorerst um eine Position. Und Wimbledon 2012 ist für sie noch nicht vorbei: Sie steht mit Julian Knowle im Mixed-Achtelfinale.
Titelverteidigerin Kvitova draußen
Außer Paszek ist am Dienstag auch die Titelverteidigerin ausgeschieden. Petra Kvitova musste sich der als Nummer sechs gesetzten vierfachen Wimbledon-Siegerin Serena Williams mit 3:6, 5:7 geschlagen geben. In einer Begegnung, die vom Niveau her durchaus auch finalwürdig gewesen ist, setzte sich die größere Power der US-Amerikanerin durch. "Ich musste mich sehr steigern, denn ich habe gegen die Titelverteidigerin gespielt. Es war hart, aber ich hatte nichts zu verlieren", sagte Williams, die nun auf Asarenka trifft.
Bei den Herren wurden die noch vom Vortag offenen restlichen fünf Achtelfinali ausgetragen, die großen Überraschungen blieben dabei aus. Andy Murray besiegte Marin Cilic beim 7:5, 6:2, 6:3 und spielt nun gegen David Ferrer, der Juan Martin del Potro eliminierte.
Deutsche Festspiele in London
Unterdessen gingen auch am achten Turniertag die deutschen Festspiele im Rasen-Mekka weiter: Denn nach Angelique Kerber und Sabine Lisicki bei den Damen erreichten auch Florian Mayer mit einem doch überraschenden Vier-Satz-Erfolg über den höher eingestuften Franzosen Richard Gasquet und Philipp Kohlschreiber (Dreisatz-Sieg über Brian Baker/USA) das Viertelfinale. Erstmals in der Grand-Slam-Geschichte stehen damit vier deutsche Profis in der Runde der letzten Acht.
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