28.06.2012 16:19 |

Alter Schwabe!

Mercedes A-Klasse: Radikal-Kompakter mit "Wummernizer"

Manchmal braucht es radikale Maßnahmen. Doch – alter Schwabe! - dass solche ausgerechnet bei Mercedes-Benz passieren, hätten sich die meisten noch nicht einmal träumen lassen, als 2011 die ersten Bilder des "Concept A-Class" kursierten. Doch tatsächlich: Die neue A-Klasse hat mit der alten nicht nur nichts außer dem Namen gemein, die beiden sind voneinander so weit entfernt wie David Beckham von Mutter Teresa.
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Daher ist es auch komplett unsinnig, die beiden Generationen zu vergleichen, im Sinne von "die neue ist 16 Zentimeter niedriger als die alte". War die alte noch ein ganz gut gelungenes Pensionistenfahrzeug, das die Anmutung eines echten Mercedes nie erreicht hat, ist die neue ein Hightech-Designstück, das bis ins kleinste Detail durchdacht ist, und von einer skulpturhaften Jungheit, die durchaus verstören kann.

Die A-Klasse ist tot, es lebe die A-Klasse!
De facto stellt Mercedes die A-Klasse ersatzlos ein und zaubert ein neues Premium-Kompaktmodell aus dem Hut, das BMW 1er und Audi A3 direkt angreift. Nur der Name wird vererbt. "A wie Angriff" tönt es aus Stuttgart, von mehr als 50 Prozent Eroberungsquote ist die Rede. Und so gewagt das klingt: Es kann funktionieren, wenn auch vielleicht nicht aus dem Stand als geplante Nummer eins im Segment. Die Schwaben haben mit dem Concept A-Class eine immense Begehrlichkeit geweckt, ein Habenwollen, oder zumindest Sehenwollen, und mit dem Serienmodell sind sie extrem nah am Vorbild geblieben. Sogar der extrem stylische Diamant-Kühlergrill geht in Serie, obwohl er ursprünglich nur für das Showcar geplant war, allerdings nur Im A 250 Sport, der erst Ende des Jahres rauskommt.

Sport haben die Mercedes-Mannen ihrem Revolutionsspross auf die Fahnen geschrieben, Dynamik in die kräftig geschwungenen Linien geprägt, die noch gewagter sind als jene der neuen B-Klasse (die zumindest einen Teil der verschreckten A-Klasse-alt-Fans abfangen soll). Sicken und Kanten, bei denen heute noch nicht abzuschätzen ist, ob man sich daran in ein paar Jahren nicht satt sieht, ein Kühlergrill, der an den SLS AMG erinnert und ein Auftritt, der nicht auf Kuschelkurs mit der Konkurrenz geht. Widerstand ist angesagt – nur nicht in Sachen Fahrtwind: Der cW-Wert ist mit 0,27 vorbildlich. Dazu tragen zum Beispiel auch die seitlich an der Heckscheibe angebrachten "Finlets" bei, die gemeinsam mit den speziell ausgeformten Heckleuchten und dem Dachspoiler eine aerodynamische Einheit bilden. Dieser beherbergt serienmäßig auch sämtliche Antennen, sodass kein Bürzel auf dem Dach zum Einsatz kommen muss. Form follows function: Die Heckleuchten sind der einzige Fleck im Design, der etwas fad wirkt.

"Wummernizer" für mehr Komfort im Innenraum
Im Innenraum geht es modern, hochwertig und praktisch zu. In der Mitte der edlen, aber relativ wuchtigen Konsole "schwebt" ein iPad-artiger Bildschirm (der auch als erweitertes iPhone fungiert, aber dazu später mehr). Die Lüftungsdüsen kennen wir aus dem SLS (nicht das einzige Flügeltürer-Zitat), diese wie auch die anderen Metalloberflächen sind in Silberchrom galvanisiert, "cool touch" nennen sie das bei Daimler, und so fühlt es sich auch an. Die Oberflächen sind generell von einer Hochwertigkeit, wie sie in der Kompaktklasse kaum anzutreffen ist, alles (bis auf den Übergang von der Konsole zu den Türverkleidungen) wirkt wie aus einem Guss.

Ein Beispiel für die schwäbische Detailarbeit: Das optionale Glasschiebedach bekämpft aktiv das lästige Wummern während der Fahrt, indem es – wenn es geöffnet ist - automatisch das Sonnenschutzrollo von hinten ein Stück zuzieht (bei Luftturbulenzen durch vorausfahrende Fahrzeuge kann es dennoch wummern). Wenn das Glasdach ausgestellt ist, passt es seinen Ausstellwinkel automatisch der Fahrgeschwindigkeit an, um die Windgeräusche zu minimieren. Geringe Windgeräusche sind generell ein Plus der A-Klasse, was wiederum gut ist für den Premium-Komforteindruck.

Es ist gut Platz in der 4,29 Meter langen und 1,78 Meter breiten A-Klasse, man sitzt angenehm und gut geführt, nur das Gaspedal sollte weniger steil stehen (wie in der B-Klasse). Hinten sitzen sogar Großgewachsene hinter Großgewachsenen gut. Mit Schiebedach ist allerdings die Kopffreiheit leicht eingeschränkt. Der Kofferraum fasst 341 bis 1.157 Liter (Rücksitzlehnen 60:40 klappbar), was im Klassenvergleich allerdings unterdurchschnittlich ist.

Teils ungewöhnliche Motorenpalette
Für den Platz unter der Motorhaube stehen vier Dieselmotoren zur Wahl – mit 109, 136 oder 170 PS (Letztgenannter kommt etwas später) allerdings nur drei Leistungsstufen. Die 109 PS im A 180 CDI kommen im Fall des Handschalters aus einem 1,5-Liter-Vierzylinders von Renault, der mit 3,8 l/100 km und 98 g/km CO2 der Umweltengel der Palette ist. In der Automatikversion kommt ein 1,8-Liter von Mercedes zum Einsatz, der zwar mit 250 Nm ein 10 Nm geringeres Drehmoment hat, aber ein breiter nutzbares Drehzahlband (1.400 bis 2.800/min).

Benziner gibt es mit 122 oder 156 PS aus einem 1,6-Liter-Vierzylinder oder 211 PS aus einem 2-Liter. Letzterer, der A 250, ist vorläufig die sportlichste Motorisierung und ermöglicht einen Hundertersprint in 6,6 Sekunden – bei einem Normverbrauch von 6,1 Liter. Bei ersten Testfahrten in Slowenien betrug der Verbrauch mit diesem Motor 9 bis 10 Liter auf 100 km. Vor allem die Benziner beeindrucken mit ihrem Durchzugsvermögen: Beim stärksten steht das maximale Drehmoment von 350 Nm bereits bei 1.200/min. zur Verfügung, die 200 bzw. 250 Nm der beiden anderen bereits bei 1.200. Der A 250 ist ausschließlich mit einem sanft und flink schaltenden Siebengangdoppelkupplungsgetriebe erhältlich, das sich jedoch beim Anfahren etwas zu viel Zeit lässt.

Alle Motoren haben eine zackig arbeitende Stopp-Start-Automatik, egal ob mit manuellem oder Doppelkupplungsgetriebe.

Feines Fahrwerk – Sportversion mit AMG-Teilen
Die Revolution geht beim Fahren weiter. Alles Schwammige ist gewichen, sogar das Komfortfahrwerk ist präzise und verbindlich. Das Sportfahrwerk trennt dann vollends ehemalige von aktuellen Mercedes-Kunden und könnte auch BMW-Fahrer hinterm Ofen vorlocken. Und damit nicht genug: Ende des Jahres kommt der A 250 Sport auf den Markt, der sich nicht nur durch die coole Optik des AMG-Pakets auszeichnet, sondern vor allem durch eine von AMG weiterentwickelte Vorderachse. Diese ermöglicht sportliches Fahren auf so hohem Niveau, dass sich ambitionierte Fahrer ein komplett abschaltbares ESP wünschen – das Antischleuderprogramm greift auch im deaktivierten Zustand ein, wenn es ganz arg kommt, lässt aber durchaus ein bissl was zu. Am eigens abgesperrten Flugplatz von Portoroz gingen sich bei schnellen Runden auch leichte Drifts bzw. Slides aus, wenn man das Tempo auf die "Länge der Sicherheitsleine" abstimmte. Antriebseinflüsse in der Lenkung Fehlanzeige, das Kurvenverhalten ist neutral.

Der A 250 Sport wird sich auch optisch unterscheiden, etwa durch eine rote Linie an der Front oder rot lackierte Bremssättel. Da passt dann das pubertäre Spotzen des Motors beim Schalten wunderbar dazu. Das wahre sportliche Highlight, der allradgetriebene A 45 AMG, kommt aber erst nächstes Jahr, dann mit 330 bis 350 PS aus einem Zweiliter-Turbo-Vierzylinder – und abschaltbarem ESP.

Rollendes iPhone
Für die i-Generation bietet die A-Klasse etwas wirklich Neues: Das iPhone (Android wird folgen) lässt sich auf Wunsch komplett integrieren und per Controller auf der Mittelkonsole bedienen. Spezielle Mercedes-Apps bieten so ziemlich jeden erdenklichen Komfort, vom personalisierten Internetradio (Aupeo) mit automatischen Playlists über das stylische Durchblättern eigener Alben bis hin zu "Glympse". Damit kann man einem Kontakt einen Link schicken, mit dem er zeitlich begrenzt in Echtzeit online abrufen kann, wo sich das Auto gerade befindet. Überhaupt ist man, wenn man will, komplett mit seinen Freunden vernetzt. Ab Anfang 2013 lässt sich das alles auch per Siri, der freundlichen iPhone-Sekretärin, steuern.

Assistenzsysteme auf Oberklasse-Niveau
Mercedes bietet ungewöhnlich viele Assistenten für die A-Klasse an, der radargestützte Kollisionswarner mit adaptivem Bremsassistenten, der ab 30 km/h funktioniert, sowie die Müdigkeitserkennung sind Serie. Optional gibt es einen automatischen Einparker, der sogar ausparken kann, einen adaptiven Tempomaten, Spurhalteassistent usw.

Schon zum Basispreis nicht "nackert"

Die Aufpreisliste entspricht dann eher der Luxus- als der Kompaktklasse und beinhaltet unter anderem die Ausstattungslinien Style, Urban und AMG Sport (Teil davon sind u.a. Sportsitze mit integrierten und daher nicht verstellbaren Kopfstützen), mehrere Pakete und Design und Luxus ohne Ende. Besonders hervorzuheben ist die Matt-Lackierung in Mountaingrau Magno. Das obere Ende der Basis-Preisliste markiert der A 250 Sport um 39.015 Euro, nach oben ist allerdings viel Raum für Erweiterungen.

Da kommt noch mehr ...
Auf der Plattform der A-Klasse werden wir in nächster Zeit noch einiges mehr zu sehen und fahren bekommen (abgesehen vom Allradantrieb, der natürlich nicht nur im A 45 AMG kommt). Die B-Klasse gibt es schon, dazu gesellt sich etwa ein kompaktes SUV, das CLA-Coupé und mindestens noch eine fünfte Variante, über die noch nichts Offizielles zu erfahren ist. Vielleicht ein Cabrio? Aber vielleicht fällt den Stuttgartern auch etwas ein, womit niemand rechnet …

Warum?

  • Mut gehört belohnt.
  • Weil die neue A-Klasse wirklich erfrischend ist.
  • Sehr hochwertiger, aber nicht biederer Auftritt.

Warum nicht?

  • Weil schwer abzuschätzen ist, ob man sich an den mutigen Linien satt sieht.
  • Weil das ESP auch beim A 250 Sport nicht ganz abschaltbar ist.

Oder vielleicht …

  • … auf den A 45 AMG warten.
  • … Audi A3, 1er BMW, Citroen DS4, auch VW Golf

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