02.09.2005 14:35 |

Roboter-Auto

VW Touareg fährt ganz allein durchs Gelände

Er fährt wie von Geisterhand. Ein Touareg mit Hightech-Sensoren, aber ohne Fahrer an Bord. Wie an der Schnur gezogen soll der „intelligente“ Allradler der Offroad-VW jede Strecke meistern – natürlich nur im Gelände. Bei der Premiere ist das auch wunderbar gelungen. Im Straßenverkehr wird man den Offroad-Roboter nicht zu sehen bekommen.

Dafür auf der Rennstrecke. Am 8. Oktober 2005 wird Volkswagen mit einem Schwestermodell des Prototypen an der US-amerikanischen „Grand Challenge 2005“ teilnehmen, einem einzigartigen Rennen für fahrerlose Automobile. 

Zukunftsmusik für sie Straße
Im Grand-Challenge-Touareg fließen die Technologien zur Umfelderkennung und Analyse zusammen. Im Verbund können diese Fahrerassistenzsysteme autonom die Strecke sowie Hindernisse erkennen und ein Fahrzeug lenken. Derivate dieser Systeme werden künftig dazu beitragen, Komfort und Sicherheit im Automobil zu verbessern. VW-Forschungsleiter Matthias Rabe: „Dazu müssen die Systeme zunächst so gut werden, wie der aufmerksame Fahrer selber. In einem weiteren Schritt müssen die Systeme sogar besser werden als der Fahrer. Indem sie vorausschauend um die nächsten Kurven sehen und die richtigen Schlüsse daraus ziehen.“ 

Rollendes Hightech-Labor namens „Stanley“
Die technische Basis des Geländewagens wurde praktisch unverändert aus der Serie übernommen und lediglich mit einem kompletten Unterbodenschutz sowie verstärkten Stoßdämpfern modifiziert. Dann aber wurde der von den zuständigen Ingenieuren liebevoll „Stanley“ getaufte Prototyp in ein fahrendes Hightech-Labor verwandelt. Zahllose Sensoren sowie ein Verbund von vier Laser-Detektoren ermitteln jene Daten, mit denen das fahrerlose Automobil sicher und zügig seinen Weg findet. Ergänzt werden die Systeme durch Stereo-Sichtgeräte, hoch entwickelte 24-GHz-Radaranlagen und ein besonders exakt analysierendes, satellitengestütztes GPS-Navigationssystem, das die genaue Position des Fahrzeugs auf den Millimeter genau digital abbildet.

Diese geballte Informationsflut füttert das im Kofferraum des Geländewagens untergebrachte Hochleistungs-Rechenzentrum, das aus sieben zusammengeschalteten Pentium-Motherboards besteht. Mit einer Rechenleistung von 1,6 GHz pro Prozessor sowie einer ebenso aufwendigen und einzigartigen Software ermittelt es jene Lenk-, Beschleunigungs- und Verzögerungsbefehle, mit denen „Stanley“ über „Drive-by-wire“-Systeme elektronisch gesteuert wird und auf Besonderheiten der Strecke in Echtzeit reagieren kann. 

Neben dem für die Grand Challenge vorgesehenen Prototypen wurde innerhalb weniger Wochen der eingangs genannte Touareg aufgebaut, „Stanlette“. Das „weibliche“ Pendant fungiert als weiterer Entwicklungsträger. 

Bewährungsprobe für Roboter-Autos
Die Grand Challenge 2005 startet am 8. Oktober 2005 und führt durch die unwegsame Südwest-Wüste der Vereinigten Staaten. Die teilnehmenden Fahrzeuge haben maximal zehn Stunden Zeit, die bis zum Start unbekannte Streckenführung über eine Distanz von 175 Meilen (rund 282 Kilometer) zurückzulegen. Jeglicher Eingriff von außen ist unzulässig. „Dies ist das erste Langstreckenrennen in der Geschichte des Automobils, bei dem die Fahrzeuge selbst alle notwendigen Entscheidungen für ihr Fortkommen treffen müssen“, betont Professor Sebastian Thrun als Leiter des „Stanford Racing Teams“. Mit anderen Worten: „Der Wagen braucht nicht nur einen starken Körper, sondern auch einen besonders intelligenten Kopf.“

 

Daran scheitern allerdings auch viele bemannte Fahrzeuge...

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