Kurve geglättet

Honda VFR 1200: Mona Lisa trägt jetzt Boots

Motor
20.07.2012 13:54
Heimlich, still und leise hat sich Honda die VFR1200F vorgeknöpft und sie hie und da verbessert. Dabei ist es nicht so, dass man ihr Grundlegendes hätte vorwerfen könnte. Eher wie wenn eine schöne Frau vorm Spiegel steht und über ihre Problemzonen jammert.

Untenherum zum Beispiel. Aber nicht an der Hüfte, sondern im unteren Drehzahlbereich. Da war die alte etwas zurückhaltend, außerdem teilte der Kardanantrieb den einen oder anderen Schlag aus. Geschichte. Der 1200er-V4 beschleunigt jetzt schon ab 1.500/min. seidig hoch, die Schwelle bei ca. 4.000/min., wo sich die zweite Hälfte der 16 Ventile zuschaltet, ist kaum spürbar, so gleichmäßig baut sich die Kraft auf. Bei 5.500 kommt dann nochmal ein Extraschub. Auch im Antriebsstrang ist jetzt Ruhe, sogar im Schiebebetrieb bei geringsten Drehzahlen.

Von Stöckeln auf Boots
Angesichts der durchaus heftigen Leistung von 173 PS und des beachtlichen Drehmoments von 129 Nm bei 8.750/min. hörte man in Tokio die Rufe nach einer Traktionskontrolle – und ecco, mira und voilá, da ist sie, und zwar serienmäßig. Jetzt kann man etwas beruhigter am Gasgriff drehen, selbst wenn der Untergrund für Unsicherheit sorgt. Ein wenig, wie wenn man von Stöckelschuhen auf Boots umsteigt. Allerdings ohne das Unelegante in der Optik in Kauf nehmen zu müssen. Ebenso serienmäßig ist das ABS.

Leider ist die gute VFR durchaus trinkfest. 6,5 Liter flossen – freilich ohne exzessive Fahrweise – durch die Leitungen. Immerhin passt in den Tank jetzt ein halber Liter mehr hinein, es sind jetzt 19. Sehr angenehm ist, dass dir der Bordcomputer anzeigt, wie weit du noch kommst, sobald die Tankreserve erreicht ist. Irgendwann (ich glaube, es war ungefähr bei 20 km) erlischt die Anzeige aber.

Schalten lassen?
Optional (1.500 Euro) ist weiterhin ein Doppelkupplungsgetriebe erhältlich, das auch überarbeitet wurde. Mehr darüber hier im Bericht über die Honda VFR1200X Crosstourer. Meine Testmaschine ist allerdings klassisch zu schalten, wobei dem Getriebe etwas Feinschliff guttäte, jedenfalls rund um die Neutral-Stellung. Sonst gibt's diesbezüglich aber keine Klagen.

Die sonstigen Qualitäten, die ich bereits früher beschrieben habe, blieben zum Glück unangetastet. Um 17.990 Euro bekommt man hier einen Sporttourer, der für sein Geld wirklich eine Menge bietet. Und mit den Änderungen kann sich Mona Lisa erst recht wieder vor den Spiegel wagen …

Warum?

Sehr gelungener Feinschliff für einen tollen Sporttourer

Warum nicht?

Mit der VFR schauen mir vor allem Menschen 50+ nach.

Oder vielleicht …

… einfach drüber stehen, wer einem nachschaut.

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