Schüssel zu Buwog:

“Das, was ich beurteilen kann, ist ordentlich gelaufen”

Österreich
14.06.2012 22:48
Ex-Bundeskanzler Wolfgang Schüssel hat sich am Donnerstagabend im Zuge einer Diskussionsrunde in Salzburg zu den Vorwürfen um den Buwog-Verkauf geäußert: "Das, was ich beurteilen kann, ist ordentlich gelaufen. Der Verkauf musste ausgeschrieben werden. Der erzielte Preis lag 500 Millionen über dem, was der Rechnungshof geschätzt hat. Die Kuverts sind vor Kameras geöffnet worden. Was sollte da passieren?"

Als Bundeskanzler habe man nur Einblick in die Dinge, die im Ministerrat vorgelegt werden, so Schüssel im "Zeitgespräch" der Dr.-Wilfried-Haslauer-Bibliothek. Viele der Privatisierungen wären gar nicht im Ministerrat gewesen. Er sei jedenfalls gespannt, was die Justiz herausbringe. In einem Rechtsstaat sollte es so sein, dass das Urteil nicht von den Medien oder durch Vorverurteilungen getroffen werde, sondern eben durch die Justiz.

Außerhalb seiner damaligen Regierung sieht er hingegen nicht alles so sauber: Der derzeit laufende Korruptions-U-Ausschuss zeige, dass sich manche Leute, die nicht der Regierung angehört haben - "Meischberger & Co" - in einer unglaublichen Art und Weise bedient hätten. "Ich bin tief davon überzeugt, dass da schiefe Dinge gelaufen sind", meinte Schüssel.

"Warte das Urteil der Geschichte mit großer Gelassenheit ab"
Seine Regierungsmannschaft nahm er aber in Schutz. "Was mein Team betrifft, werde ich das Urteil der Geschichte mit großer Gelassenheit abwarten", meinte der Ex-Kanzler auf die Frage, ob die Gefahr bestehe, dass in einer historischen Perspektive seiner Regierungszeit Korruptionsvorwürfe anhaften könnten. "Ich glaube, dass wir nach bestem Wissen und Gewissen gearbeitet haben."

In die Zusammenarbeit mit der FPÖ sei er damals "illusionslos hineingegangen". Mit Schwierigkeiten habe er gerechnet. Lob gab es von Schüssel für das Regierungsteam, das Jörg Haider damals für die Freiheitlichen zusammengestellt hat: "Die waren erstklassig."

"Die FPÖ ist von innen implodiert"
Die Probleme in der Zusammenarbeit zwischen ÖVP und FPÖ seien von außen gekommen. "Haider hat gewusst, wenn er in der Regierung ist, dann verliert er ein Drittel seiner Wähler", sagte Schüssel. Haider habe es aber dann nicht ausgehalten, dass er nicht im Zentrum stehe. "Die FPÖ ist von innen implodiert, nicht wegen des Populismus, sondern wegen psychologischer Dinge."

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