Hilfe um jeden Preis
Syrien: Ärzte riskieren ihr Leben für ihre Patienten
"Unser ganzes Leben wurden wir an unseren Eid erinnert, alle Menschen zu behandeln - egal welcher Religion oder Ethnie sie angehören oder welche politische Einstellung sie haben", sagt Mohammed Ahmad. "Doch auf einmal wurden wir angewiesen zuzusehen, wie die Menschen vor unseren Augen sterben." Der Arzt musste nach Jordanien fliehen, nachdem er einen Demonstranten behandelt hatte. Dafür war er verhaftet und gefoltert worden.
Gitarrensaiten zum Nähen
Syriens Hinterhofkliniken waren zunächst nur als Erste Hilfe für verletzte Demonstranten gedacht. Doch die brutale Unterdrückung der Proteste hat ganze Provinzen von medizinischem Personal entvölkert. Die Garagenhospitäler bieten oft die einzige Behandlungsmöglichkeit. Die Rebellenärzte müssen kreativ sein, denn es mangelt an allem. So verwenden sie Kartoffelsäcke statt Verbänden, Wunden werden mit Gitarrensaiten genäht und statt Narkosemitteln gibt es in Whisky getränkte T-Shirts.
Nun haben die Untergrundmediziner auch Menschenschmuggel zu ihren Aufgaben hinzugefügt. In den vergangenen Monaten haben sie ein gut organisiertes Netzwerk aufgezogen, um Verletzte nach Jordanien zu bringen, wo die Regierung Flüchtlingen medizinische Hilfe anbietet. Mit Unterstützung der Kämpfer der oppositionellen Freien Syrischen Armee werden sie über existierende Schmuggelrouten über die Grenze gebracht. Nach Schätzungen der jordanischen Behörden sollen es bis zu 500 im Monat sein.
Lebensgefährliche Krankentransporte
Ahmed Youssef ist der lebende Beweis für die Kunst der syrischen Ärzte. Bei Protesten in seiner Heimatstadt Daraa hatte eine Granate sein Bein beinahe abgetrennt, nur eine Notoperation rettete den 23-Jährigen vor dem Verbluten. Nun liegt er in einem jordanischen Krankenhaus. "Die Ärzte hier beglückwünschen mich zu der gelungenen Operation", erzählt er und zeigt die lange Narbe, die am Oberschenkel unter seinem Krankenhauskittel hervorlugt. "Sie können nicht glauben, dass ich in einem fahrenden Bus operiert wurde."
Nicht alle haben so viel Glück. Schlechte hygienische Bedingungen in den Untergrundkliniken führen zu gefährlichen Infektionen und Amputationen von Gliedmaßen, die Ärzte normalerweise retten könnten. Schwerverletzte überleben oft den gefährlichen Transport über die Grenze nicht. Vor allem jetzt, da das Regime die Grenzkontrollen im Süden des Landes verstärkt. Transporte, die sonst zwei Stunden dauern, werden zu zwei Tage langen Torturen. "Es ist egal, wie viele wir retten. Jedes Mal, wenn ein Patient stirbt, ist es, als ob ein Teil von mir mit ihm stirbt", sagt der syrische Krankenpfleger Mohammed Shanaa.
Menschen lassen sich nicht unterkriegen
Sobald die Patienten wieder gesund sind, wollen viele Patienten den Kampf gegen das Regime wieder fortsetzen. Die freiwilligen Helfer haben dafür Verständnis - trotz der Gefahren. "Wir arbeiten Tag und Nacht, um die Blutungen zu stoppen", sagt Shanaa. "Aber wir wissen alle, dass ein Regimewechsel die einzig wahre Medizin ist."







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