Mo, 20. August 2018

Taten gewürdigt

24.03.2012 20:20

Bruder ist "stolz" auf Attentäter von Toulouse

Der ältere Bruder des Attentäters von Toulouse, Abdelkader Merah, hat nach Informationen aus Polizeikreisen während seiner Vernehmung gesagt, er sei "stolz" auf die Taten Mohammeds (Bild re.). Der 29-Jährige soll außerdem zugegeben haben, während des Diebstahls des Motorrollers, mit dem sein Bruder (23) unterwegs war, als er in Toulouse und Montauban sieben Menschen erschoss, dabei gewesen zu sein. Unterdessen kämpft die Mutter der Männer mit Schuldgefühlen.

Auch wenn ihn die Taten seines jüngeren Bruders laut den Behörden mit Stolz erfüllten, beteuere Abdelkader Merah nach wie vor, nichts von den Anschlagsplänen von Mohammed gewusst zu haben.

Dies wird von den Ermittlungsbehörden mittlerweile jedoch angezweifelt. Denn wie am Samstagabend bekannt wurde, soll das Mobiltelefon von Abdelkader Merah in der Nähe der jüdischen Schule gefunden worden sein, wo Mohammed einen Lehrer und drei Schüler erschossen hatte. Das berichtete die Zeitung "Le Parisien". Demnach hätten sich die Brüder am Vorabend der Bluttat getroffen und gemeinsam zu Abend gegessen. Die Polizei vermute nun laut "Le Parisien", dass der ältere Merah-Bruder, ein islamischer Fundamentalist, den jüngeren indoktriniert haben könnte.

Der 29-jährige Abdelkader und seine Lebensgefährtin wurden am Samstag aus Toulouse in die für den Anti-Terror-Kampf zuständige Unterdirektion der Polizei am Rande von Paris gebracht (Bild li.). Dort sollten sie noch bis Sonntag in Polizeigewahrsam bleiben. Dann endet die 96-stündige Frist, nach der Verdächtige in Terror-Fällen angeklagt oder freigelassen werden müssen.

Mutter von Schuldgefühlen geplagt
Die Mutter Merahs wurde dagegen bereits am Freitagabend wieder auf freien Fuß gesetzt. Nach Angaben ihres Anwalts Jean-Yves Gougnaud seien die drei Tage in Polizeigewahrsam sehr schwer für die Frau gewesen. Zoulhika Aziri habe jedoch mit der Polizei kooperiert, versicherte der Rechtsvertreter.

Doch die Taten ihres Sohnes würden der Frau sehr zusetzen: Sie kämpfe mit Schuldgefühlen, so Gougnaud. Zoulhika Aziri frage sich, ob sie die Taten ihres 23-jährigen Sohnes hätte verhindern können. Seine Klientin sei außerdem wütend auf ihren Sohn und frage sich, warum er ihr dies angetan habe. Sie habe zudem Angst vor Racheakten und wolle deshalb im Moment nicht nach Hause zurückkehren, berichtete der Anwalt.

Onkel: "Er war instabiler Charakter"
Indes meldete sich auch der Onkel der Merah-Brüder zu Wort. Gegenüber dem französischen Nachrichtenmagazin "Le Point" erklärte er, dass Mohammed schon immer ein "instabiler Charakter" gewesen war.

Er habe sich nicht vorstellen können, dass sein Neffe für diese "barbarischen" Angriffe verantwortlich sei, so Ahmet A. Seiner Ansicht nach habe Religion mit den Attacken allerdings nichts zu tun gehabt, Merah habe sich da ganz allein hineingesteigert.

Hatte Attentäter auch Unterstützer?
Mohammed Merah hat zwischen 11. und 19. März in Toulouse und Montauban drei Soldaten sowie einen Rabbiner und drei jüdische Kinder erschossen. Er wurde am Donnerstag nach 32-stündiger Belagerung seiner Wohnung von der Polizei mit einem Kopfschuss getötet (siehe Infobox). Angesichts der Kritik an der Arbeit der Polizei berief Präsident Nicolas Sarkozy für Samstag ein Treffen ein, um Fragen der Sicherheit zu besprechen.

Die Ermittlungen zu den Attentaten laufen nach wie vor auf Hochtouren. Die Polizei bemüht sich derzeit herauszufinden, ob der 23-jährige Attentäter, der während seiner Taten alleine war, tatsächlich keine Unterstützung von anderen Personen, hier vor allem von seinem Bruder, erhielt.

Kritik an Polizeieinsatz zurückgewiesen
Innenminister Claude Gueant wies unterdessen erneut Kritik an den Sicherheitskräften und ihrem Vorgehen zurück. Die Arbeit der Polizei infrage zu stellen sei "inakzeptabel" und "politisch motiviert", sagte er der Zeitung "Figaro". Es sei das erste Mal, dass Frankreich mit einer derartigen Tat konfrontiert sei, "die sehr schwierig vorherzusehen ist, da sie individuell ist". Seit 1996 habe es in Frankreich kein Attentat mehr gegeben, sagte Gueant.

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