Mi, 24. Oktober 2018

Satelliten-Posse

16.03.2012 13:43

Zu Kims Ehren: Nordkorea lügt sich ins Weltall

Das Buch mit skurrilen Geschichten aus Nordkorea ist um ein Kapitel reicher. Am Freitag kündigte das Regime in Pjöngjang an, einen Satelliten ins All zu schießen - zu Ehren des Staatsgründers Kim Il Sung, der heuer 100 Jahre alt geworden wäre. Doch westliche Beobachter halten den Plan für eine glatte Propaganda-Lüge. Sie vermuten, dass Nordkorea zwar eine Rakete starten wird, damit aber ganz andere Zwecke verfolgt.

Laut nordkoreanischen Angaben soll die Trägerrakete zwischen dem 12. und 16. April in den Weltraum geschossen werden. Mit an Bord ist angeblich der künstliche Himmelskörper Kwangmyongsong.

Angeblich bereits zwei Satelliten im All
Es ist nicht das erste Mal, dass das stalinistisch geführte Land einen solchen Start ankündigt. Bereits 1998 und 2009 wurden angeblich Satelliten ins All geschossen. Seitdem senden sie permanent Signale aus dem Weltraum - so versichert es zumindest Nordkorea. Westliche Staaten und Russland haben hingegen eine andere Sichtweise: "Sie sind einfach nicht da", berichtete unlängst die russische Raumfahrtagentur. Die USA wissen auch, woran das liegen könnte: Beide Trägerraketen seien nach dem Start samt Ladung ins Meer gestürzt.

Doch hinter dem vermeintlichen Satellitenstart steckt möglicherweise nicht nur hohle Propaganda, sondern auch ein handfestes militärisches Interesse. Westliche Experten vermuten, dass das Manöver nur als "Feigenblatt" dient, um eine Rakete mit hoher Reichweite abfeuern zu können - dass es sich also in Wirklichkeit um einen Waffentest handelt. Die verwendete Unha-3-Rakete soll angeblich bis in die USA reichen.

Westen ist alarmiert
Südkorea, Japan und die USA kritisieren den geplanten Start dementsprechend schon jetzt als Provokation und als Bruch der Resolution 1874 des UN-Sicherheitsrats, die jeglichen Einsatz ballistischer Raketentechnologie verbietet.

Pjöngjang hatte damals aus Protest die Gespräche zu seinem umstrittenen Atomprogramm abgebrochen und - angeblich - zum zweiten Mal eine Atombombe getestet. Nachdem der Dialog über Jahre auf Eis gelegen hatte, lenkte Pjöngjang erst Ende Februar dieses Jahres ein. Im Gegenzug für die Lieferung von 240.000 Tonnen Nahrungsmitteln aus den USA verpflichtete sich Nordkorea unter anderem zum Verzicht auf Tests weiterer Langstreckenraketen. Nach Ansicht von Beobachtern würde der nun geplante Raketenstart jede Entspannung mit den USA verhindern.

Nordkorea: "Start notwendig für wirtschaftliche Entwicklung"
Nordkorea hingegen wischte derartige Bedenken am Freitag beiseite. "Der Start des Beobachtungssatelliten ist notwendig für die wirtschaftliche Entwicklung und konform mit der friedlichen Nutzung des Weltraums", hieß es schlicht und ergreifend aus Pjöngjang.

Kommentare

Eingeloggt als 
Nicht der richtige User? Logout

Willkommen in unserer Community! Eingehende Beiträge werden geprüft und anschließend veröffentlicht. Bitte achten Sie auf Einhaltung unserer Netiquette und AGB. Für ausführliche Diskussionen steht Ihnen ebenso das krone.at-Forum zur Verfügung.

User-Beiträge geben nicht notwendigerweise die Meinung des Betreibers/der Redaktion bzw. von Krone Multimedia (KMM) wieder. In diesem Sinne distanziert sich die Redaktion/der Betreiber von den Inhalten in diesem Diskussionsforum. KMM behält sich insbesondere vor, gegen geltendes Recht verstoßende, den guten Sitten oder der Netiquette widersprechende bzw. dem Ansehen von KMM zuwiderlaufende Beiträge zu löschen, diesbezüglichen Schadenersatz gegenüber dem betreffenden User geltend zu machen, die Nutzer-Daten zu Zwecken der Rechtsverfolgung zu verwenden und strafrechtlich relevante Beiträge zur Anzeige zu bringen (siehe auch AGB).

Newsletter

Melden Sie sich hier mit Ihrer E-Mail-Adresse an, um täglich den "Krone"-Newsletter zu erhalten.