Sa, 15. Dezember 2018

Liebe gegen Pflicht

14.03.2012 13:52

Vertrauen in Zeiten des Spitzelstaats DDR: "Barbara"

DDR-Filme malen leicht schwarz-weiß. Oder sie versuchen, den Schikanen des Spitzelstaats im Nachhinein mit Ironie beizukommen. Christian Petzold schlägt andere Töne an: Sein preisgekröntes DDR-Drama "Barbara" (Kinostart: 16. März) ist eine hoch spannende, dicht erzählte Liebesgeschichte, die wie nebenher die Atmosphäre im einstigen Arbeiter- und Bauernstaat grandios einfängt. Angst und Argwohn beherrschen die Beziehungen, selbst Liebe ist von Misstrauen bedroht.

Inspiriert ist das Drama von der gleichnamigen Novelle des österreichischen Schriftstellers Hermann Broch, die es Petzold schon lange angetan hatte, doch eine Verfilmung der eigentlich in den 20-Jahren angesiedelten Geschichte einer kommunistischen Widerstandskämpferin konnte er sich lange nicht vorstellen. Erst vor einigen Jahren kam ihm das Werk zufällig bei Dreharbeiten wieder in Erinnerung, erzählt er, nachdem ihm von der Praxis berichtet wurde, wonach DDR-Ärztinnen in Provinzkrankenhäuser versetzt wurden, wenn sie Ausreiseanträge gestellt hatten. "Es herrschte ein großer Ärztemangel, die konnte man nicht einfach ziehen lassen." Mit dieser Ausgangsposition sieht sich auch Barbara konfrontiert, die im Spital in der Pampa auf den Kinderarzt Andre Reiser (Ronald Zehrfeld) trifft.

Andre schreibt Berichte über Barbara, über ihr Verhalten, ihre Moral. Dazu wurde er von der Stasi verpflichtet, landete er doch selbst nur zwangsversetzt in dem Kaff an der Ostsee, um einen Fehler an seiner früheren Wirkungsstätte zu vertuschen. Barbaras Alltag ist geprägt von Misstrauen, trotzdem beginnt sie langsam Vertrauen zu fassen. Es ist fast ein Ringen um ein gegenseitiges Vertrauen, ein Ringen mit Verpflichtungen und Gefühlen. Petzold begegnet der DDR mit einer unaufgeregten Selbstverständlichkeit, ohne Verzerrungen, ohne Beschönigungen. Und dennoch könnte dieses Streben nach individueller Freiheit, nach Unabhängigkeit auch in jedem anderen System Thema sein. Im Überwachungsstaat wird schlicht die Fallhöhe größer, werden die Konsequenzen härter.

Das sagt "Krone"-Kinoexpertin Christina Krisch zum Film: Es ist dies in Folge der vierte gemeinsame Spielfilm von Regisseur Christian Petzold und Nina Hoss - nach "Wolfsburg", "Yella" und "Jerichow". Und wieder erzählt der sensible Filmemacher hier die Geschichte einer Frau, deren Wesen sich erst langsam entschlüsselt und die zwischen Befreiungsschlag und neuer Liebe steht. Es ist dies ein leiser Film, der durch Blicke und Gesten wirkt und der erahnen lässt, wie sehr ein Spitzelstaat Träume, Hoffnungen und Ideologien gängelte, ja zerstörte.

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