Mo, 17. Dezember 2018

"Letztes Puzzleteil"

07.03.2012 15:50

Komplettes Erbgut des Gorillas entziffert

Wissenschaftler des britischen Sanger-Instituts nahe Cambridge haben das komplette Genom des Gorillas entziffert. Der vom Aussterben bedrohte Affe ist nach dem Schimpansen und vor dem Orang-Utan der nächste Verwandte des Menschen. Damit ist auch das letzte Genom der vier großen Primaten entschlüsselt - mit überraschenden Ergebnissen.

"Unsere Daten sind das letzte genetische Teil, das wir für das Puzzle gebraucht haben", sagte Richard Durbin, einer der Autoren der Studie Entziffert wurde vor allem das Genom von Kamilah, einer Vertreterin der Unterart Westlicher Flachland-Gorilla. "Das Gorilla-Genom ist wichtig, denn es wirft ein Licht auf die Zeit, als sich unsere Vorfahren von unseren nächsten Verwandten in der Evolution absetzten", sagte Durbins Kollege Aylwyn Scally.

Bei Mensch und Schimpanse sei die Abspaltung den Daten zufolge vor rund sechs, beim Gorilla schon vor rund zehn Millionen Jahren passiert. Die Trennung von Westlichem und Östlichem Flachlandgorilla folgte demnach vor 1,75 Millionen Jahren. Die Studie wurde im Fachjournal "Nature" veröffentlicht.

Viel mit dem Menschen gemein
Heraus kam auch, dass Gorillas und Menschen näher verwandt sind als bisher angenommen. Die Tatsache, dass der Schimpanse der nächste Verwandte des Homo sapiens ist, bleibt aber auch nach der neuen Studie unumstößlich. "15 Prozent des menschlichen Genoms ist näher am Gorilla als am Schimpansen und 15 Prozent des Genoms des Schimpansen ist näher am Gorilla als am Menschen", teilten die Wissenschaftler mit. Gorillas leben ebenso wie Schimpansen im mittleren Afrika.

"Wir haben herausgefunden, dass Gorillas viele genetische Veränderungen mit dem Menschen gemein haben, darunter die Entwicklung des Gehörs", sagte Mitautor Chris Tyler-Smith vom Sanger Institute. Bisher war angenommen worden, dass die rasche Entwicklung des menschlichen Gehörs im Zusammenhang mit der Sprachentwicklung steht. Beim Gorilla hat sich das Gehör dem Genom-Vergleich zufolge jedoch ähnlich schnell entwickelt. "Sowohl bei Schimpansen als auch Gorillas und beim Menschen zeigten Gene, die in Verbindung zum Tastsinn, zum Gehör und zur Hirnentwicklung stehen, eine beschleunigte Entwicklung", hieß es in der Studie, "beim Gorilla und beim Menschen aber besonders".

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