"Hier zeigen wir, dass der anormale Rückgang des winterlichen Meereises in der Barents-Kara-See extrem kalte Zeitenspannen bringen könnte, ähnlich wie die im Winter von 2005/2006", schreiben Vladimir Petoukhov vom Potsdam-Institut für Klimafolgenforschung und Vladimir Semenov vom Leibniz-Institut für Meereswissenschaften in Kiel in einer Studie. Ihr Computermodell ECHAM5 zeigt: Eine Erwärmung der Luft in der Barents-Kara-See nördlich von Skandinavien und Russland kann kalte Winterwinde nach Europa bringen.
Forscher am Alfred-Wegener-Institut im deutschen Bremerhaven kamen kürzlich zu ähnlichen Ergebnissen: "Die Wahrscheinlichkeit für kalte, schneereiche Winter in Mitteleuropa steigt, wenn die Arktis im Sommer von wenig Meereis bedeckt ist", schrieben die Wissenschaftler am 26. Jänner in einer Studie (Bericht in der Infobox), die im Journal "Tellus A" veröffentlicht wurde.
Erderwärmung wird nicht infrage gestellt
Sicher ist, dass die Thesen der Extremtemperaturen im europäischen Winter nicht die globale Erderwärmung oder den Weltklimareport infrage stellen. Sie beziehen sich vielmehr nur auf einen Teil der Winterzeit in einer Region der Erdoberfläche.
"Wir sagen, dass es in der Arktis wärmer und bei uns kälter wird", erläuterte Forscher Ralf Jaiser vom Alfred-Wegener-Institut. "Auf Spitzbergen ist es im Moment ungewöhnlich warm und es regnet." In der vergangenen Woche habe es auf dieser nördlich von Skandinavien liegenden Inselgruppe einen Regenrekord gegeben.
"Europa ist eine relativ kleine Region und die Winter sind nur eine von vier Jahreszeiten. Die anderen werden durchaus wärmer", betonte Jaiser. Das äußere sich bereits durch längere Vegetationszeiten. "Unsere Studie ist ein Puzzlestück im großen Klimageschehen."
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