05.01.2012 12:10 |

Schlaue Affen

Menschenaffen wägen Risiken ihrer Entscheidungen ab

Schimpansen, Orang-Utans, Gorillas und Bonobos treffen durchdachtere Entscheidungen als bisher angenommen. Das haben jetzt Wissenschaftler am Max-Planck-Institut für Psycholinguistik in Nijmegen sowie am Max-Planck-Institut für evolutionäre Anthropologie in Leipzig im Rahmen von Verhaltensexperimenten herausgefunden. Die zeigten, dass die Menschenaffen bei der Wahl zwischen zwei Alternativen durchdacht vorgehen.

Demnach wägen die Tiere detailliert ab, wenn sie zwischen einer gewinnträchtigen, aber riskanten Alternative wählen müssen oder einer, die zwar sicher ist, dafür aber weniger Gewinn verspricht, berichten die Forscher im Online-Fachjournal "PloS One". "Die Tiere schätzen nicht nur ab, wie hoch die Wahrscheinlichkeit ist, nichts zu bekommen, sondern berücksichtigen auch die Höhe der Belohnung im Erfolgsfall", so der Leiter des Expertenteams, Daniel Haun vom Max-Planck-Institut für Psycholinguistik.

In einer Reihe von Versuchen hatten die Wissenschaftler den Affen jeweils zwei unterschiedlich große Bananenstücke präsentiert und anschließend versteckt. Das kleinere legten sie zuverlässig immer an denselben Platz, während sie das größere unter einer von mehreren umgedrehten Schalen verbargen. Anschließend durften die Affen wählen. Deuteten sie auf ein Gefäß, unter dem sich nichts befand, hatten sie ihre Chance vertan.

Wahl abhängig von Aussicht auf Erfolg
Die Versuche ergaben, dass die Wahl davon abhängt, wie groß die Aussicht auf Erfolg ist: Je mehr mögliche Verstecke die Forscher ins Spiel brachten, desto häufiger gingen die Tiere auf Nummer sicher und gaben sich dafür mit dem kleineren Obststück zufrieden, dessen Platz sie kannten. Standen dagegen nur wenige Verstecke zur Auswahl, versuchten die Tiere eher, an den größeren Leckerbissen zu gelangen.

Auch die Größe der beiden Obststücke spielte eine Rolle. Je mehr sie sich unterschieden, desto häufiger versuchten die Probanden, das größere zu bekommen, und nahmen dabei die Gefahr in Kauf, leer auszugehen. Beim maximalen Größenunterschied wählten sie in 100 Prozent der Fälle die riskante Alternative. Aber auch bei einem geringen Unterschied waren sie risikofreudig und entschieden sich in mindestens der Hälfte der Fälle für die unsichere Variante.

Schimpansen und Orang-Utans risikofreudiger
In den Versuchen der Max-Planck-Forscher zeigten alle vier Menschenaffen-Arten ein ähnliches Entscheidungsverhalten. Schimpansen und Orang-Utans waren jedoch noch risikobereiter als Gorillas und Bonobos. Warum genau das so ist, ist noch unklar - möglicherweise spielen die unterschiedlichen Nahrungsgewohnheiten in freier Natur eine Rolle: Während Gorillas und Bonobos nämlich auf Blätternahrung ausweichen, sobald Früchte rar sind, suchen Schimpansen und Orang-Utans mit größerer Ausdauer nach der begehrten süßen Kost.

"Unsere Studie liefert ein weiteres wichtiges Indiz dafür, dass die Gedankenwelt von Menschenaffen komplexer ist als lange Zeit angenommen“, sagt Haun. Die Forscher hoffen, anhand ihrer Studie auch neue Erkenntnisse darüber zu erlangen, nach welchen Kriterien Menschen Entscheidungen treffen.

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