03.01.2012 11:30 |

Entscheidung in Iowa

US-Republikaner starten Vorwahlen mit Anfeindungen

Es bläst ein eisiger Wind durch Iowa. Mitten im Niemandsland der USA ist es nicht nur meteorologisch bitterkalt geworden, sonder auch politisch. Wer dieser Tage das örtliche Fernsehen einschaltet oder eine Lokalzeitung liest, dem kann die härteste Wahlwerbung aller Zeiten nicht entgehen. Bevor der Bauernstaat am Dienstagabend mit seiner Vorwahl offiziell den Kampf um die republikanische Präsidentschaftskandidatur eröffnet, gehen die Bewerber mit Propaganda-Geschützen aufeinander los.

Da brandmarkt der sonst so nette Mitt Romney seinen derzeit schärfsten Rivalen Newt Gingrich als unwählbar, weil er doch mit Skandalen aus der Vergangenheit überladen sei. "Newt Gingrich trägt mehr Gepäck mit sich herum als Fluggesellschaften", lautet der Wahlslogan der Romney-Truppe. Doch auch Romney kriegt sein Fett weg: Er sei nicht mehr als ein wankelmütiger "Karriere-Politiker", heißt es.

Kein Kandidat ist sicher vor den Anfeindungen, die den ganzen Tag im Fernsehen rauf und runter laufen. Die "Washington Post" bezeichnet den Vorwahlkampf bereits jetzt als "wildestes republikanisches Rennen, an das sich überhaupt jemand erinnern kann".

Favoritenrolle wechselt ständig
Der Grund für den brutalen Vorwahlkampf ist einfach: Selbst so kurz vor der ersten Vorwahl ist völlig offen, wer mit dem Selbstbewusstsein des Gewinners in weitere Rennen gehen kann und für wen das "Unternehmen Präsidentschaft" mit einem schlechten Abschneiden quasi gescheitert ist.

Eine letzte Umfrage der Lokalzeitung "Des Moines Register" wirbelte das Kandidatenfeld gerade erneut durcheinander. Der Langzeit-Außenseiter Rick Santorum darf demnach plötzlich auf den Sieg hoffen, der Überraschungs-Favorit Gingrich dagegen verliert enorm. Andere wiederum sehen den soliden, aber unbeliebten Romney als klaren Favoriten.

Bis auf den chancenlosen Jon Huntsman kürten die Meinungsforscher schon jeden der bekannten Bewerber zum neuen Herausforderer von Amtsinhaber Barack Obama. Einmal Blut geleckt, glauben nun alle, dass Iowa für sie das Sprungbrett ins Weiße Haus sein könnte. Deshalb tingelten sie hier seit Monaten zwischen Kirchen, Gasthäusern und Kaufhäusern umher, selbst am Montag noch unermüdlich, und gaben Millionen von Dollar für lokale Werbung aus.

Wird der Vorwahl in Iowa zu viel Bedeutung beigemessen?
Experten meinen, die Vorwahl in Iowa habe längst nicht die Bedeutung für die republikanische Nominierung, die ihr von den Bewerbern und Medien zugesprochen werde. Der Staat stellt beim entscheidenden Parteitag der Republikaner Ende August nur ein Prozent der Delegierten. Auch repräsentativ für den Rest der USA kann man das etwas öde Fleckchen Erde im Mittleren Westen nicht nennen.

40 Prozent der rund drei Millionen Einwohner leben auf dem Land, anteilig mehr als doppelt so viele wie im Rest der Nation. 91 Prozent der Menschen in dem Maisstaat sind weiß, US-weit sind es 72 Prozent. Es gibt relativ viele streng gläubige Protestanten - und vergleichsweise sehr wenige Arbeitslose.

Gesucht wird hier also nicht der größte Wirtschaftsexperte, sondern der gläubigste Konservative mit den stärksten Familienwerten. So ist es zu erklären, dass Michele Bachmann seit Tagen fast nur noch in Kirchen auftritt und Gingrich bei einem Termin öffentlich um seine tote Mutter weint.

Lange Tradition des Vorwahlkampfes in Iowa
Seit 40 Jahren schon eröffnet Iowa die Vorwahlen - und mit dieser Tradition will niemand brechen. Dabei schafften es nur drei Sieger des Vorwahlkampfes in Iowa auch ins Weiße Haus. 2008 begann Obama hier seinen Siegeszug, 2000 war es George W. Bush und 1972 Jimmy Carter.

Die Menschen in dem bodenständigen Staat nehmen ihre Aufgabe, vielleicht den nächsten Präsidenten auszuwählen, jedenfalls sehr ernst. So werden sich auch am Dienstagabend bei eisigem Wind in gut 1.700 Wahlbezirken mehr als hunderttausend Republikaner auf den Weg machen, um mit ihren Nachbarn lang und breit über die Kandidaten zu diskutieren und gemeinsam einen auszuwählen. Dann haben sie für mindestens vier Jahre wieder Ruhe.

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