02.01.2012 11:11 |

Unter US-Highways

Tiere nutzen Abwasserkanäle als "Schleichwege"

Wie überqueren Hirsch, Waschbär und Co. einen der gefährlichsten Highways, ohne dabei Leib und Leben zu riskieren? Dieser Frage sind Wissenschaftler im US-Bundesstaat Maryland auf den Grund gegangen und haben eine interessante Entdeckung gemacht: Die Tiere benützen einen Kanal unter dem Highway. Mit bewegungsgesteuerten Infrarot-Kameras konnten die Streifzüge der Wildtiere nun dokumentiert werden (Bilder).

Jedes Jahr werden auf den US-Straßen mehr als 200 Menschen durch Unfälle mit Wildtieren getötet. Die Anzahl der tierischen Opfer auf den Highways dürfte "in die Millionen gehen", heißt es vom Verkehrsdepartment gegenüber der Nachrichtenagentur AFP. Alleine die Schadenskosten der Unfälle in den USA mit Hirschen beliefen sich jedes Jahr auf 4,6 Milliarden Dollar, so die Behörde.

Eine der meistbefahrenen Autobahnen ist der Superhighway Interstate 95 in Maryland. Die Straßenverwaltung des Bundesstaates startete ein Projekt, um das Risiko von Unfällen durch Wildwechsel zu verringern, und beauftragte J. Edward Gates von der Universität Maryland damit, Möglichkeiten zu finden, um die Wildtiere von den gefährlichen Straßen wegzubringen.

Um herauszufinden, ob und wie die Tiere die Abwasserrohre zum Unterqueren der Straßen nutzen, installierte Gates' Team mehrere Infrarot-Kameras in 300 Kanälen im ganzen Bundesstaat. Über zwei Jahre hinweg beobachteten die Forscher das Wanderverhalten der Wildtiere und werteten die Aufzeichnungen aus. Der Wildtier-Experte hatte schon zuvor beobachtet, dass unterirdische Kanäle immer wieder von den Tieren als "Schleichwege" benutzt worden waren. "Die Anzahl der Tiere, die diese Abwasserrohre benutzen, hat mich allerdings wirklich überrascht", so Gates gegenüber der AFP.

Waschbär häufigster Kanal-Gast
Am häufigsten waren es Waschbären, die Straßen per Kanal unterquerten, insgesamt 24.800 Mal tauchten sie in 246 Kanälen auf. Opossums wurden 2.169 Mal in 103 Kanälen von den Kameras eingefangen, Murmeltiere 822 Mal in 97 Kanälen und Füchse 928 Mal in 66 Abwasserrohren. Eine echte Überraschung für die Wissenschaftler war allerdings die hohe Anzahl an Weißwedelhirschen, die Kanäle durchquerten. Die Weißwedelhirsche – bekannt aus dem Disney-Klassiker "Bambi" - hatten sich in den letzten Jahren derart vermehrt, dass mittlerweile mehr Tiere auf der Straße sterben als durch die Jagd.

"Die Hirsche benützen fast alle Größen von Rohren, einfach außergewöhnlich", so Gates über die 1.093 Sichtungen in 63 Kanälen. Bei älteren Studien hätte man die Hirsche nur beim Durchqueren größerer und offener Kanäle dokumentiert. "Aber wir haben gezeigt, dass sie, wenn sie müssen, auch geschlossene, kleinere Rohre benutzen, um auf die andere Straßenseite zu gelangen", erklärte der Experte. Somit könnten auch kleinere Kanäle und Unterführungen bereits eine Verbesserung der Unfallzahlen bringen.

Blaureiher nur in größeren Kanälen
Ebenso überrascht waren die Wissenschaftler über die hohe Anzahl von Blaureihern in den Kanälen. Insgesamt 545 Mal in 77 Kanälen wurden sie abgelichtet, allerdings nur in größeren Rohren mit einem hohen Wasserstand. "Möglicherweise sind einige von ihnen auf der Suche nach Futter in die Kanäle gelangt", so Gates. Weiters konnten die Wissenschaftler Eichhörnchen, Enten, Streifenhörnchen, Biber und Otter sowie Gänse und Stinktiere beim Durchqueren der Kanäle beobachten.

Seltene Gäste waren außerdem Wasserschlangen, Mäuse und Schnappschildkröten und – sehr zum Erstaunen der Forscher – auch Haustiere wie Hunde und Katzen sowie Rinder. Skurriles Detail am Rande: Es gab auch 399 Sichtungen von Menschen in 66 Kanälen, die ebenso wie die Tiere offenbar den schnellsten und scheinbar unbeobachteten Weg von einer Straßenseite zur anderen suchten.

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