16.05.2005 13:51 |

Grauslich

Plastinator von Hagens reitet toten Elefanten

Beim internationalen Körperspendertreffen des Leichenplastinators Gunther von Hagens lieferte der Meister persönlich einen makabren Auftritt: Er ritt einen toten Elefanten, dessen Eingeweide sogar zu sehen waren...

Samba tropfte bei der Aktion am ganzen Leib, ihre Eingeweide waren zu sehen. Danach bestieg Gunther von Hagens die tote Elefantenkuh und bespritzte ihre Haut mit einem Gartenschlauch, damit sie nicht eintrocknet, während beide prozessionsartig vor das Firmengelände geschoben wurden. In den kommenden zwei Jahren soll der 3200 Kilogramm schwere indische Elefant zum größten bisher hergestellten Plastinat verarbeitet werden. Vor Ort zogen chinesische Plastinateure die Haut von Samba ab.

Treffen der künftigen Plastinationsobjekte
"Ich bin sensationslüstern", sagte von Hagens. Nur mit einem anatomischen Einblick könne er erreichen, dass die Elefanten besser geschützt werden. Für solche Aussagen erhielt von Hagens von den versammelten Plastinationsjüngern großen Beifall. Nach ihrem Tod darf von Hagens ihre Körper für "wissenschaftliche Zwecke" verwenden. "

Das Körperspendertreffen, zu dem sich rund 800 Menschen aus Deutschland und den europäischen Nachbarländern versammelt hatten, war nichts für sensible Zeitgenossen: Verschiedene menschliche Leichen wurden gezeigt, vor Publikum die toten Körper bearbeitet. Nur die Köpfe waren mit Tüchern abgedeckt. Ein Besucher merkte an, es handle sich hier vielmehr um einen "Tag der offenen Leiche". Es gab kostenlose Getränke und Würstchen. Beim Essen konnte man sich Videos anschauen - ebenfalls mit Leichen. Danach kauften sich viele der gestärkten Körperspender noch "Fanartikel" wie Regenschirme, DVDs und Baseballkappen.

Kritiker des Leichenplastinators von Hagens waren nicht viele anzutreffen. Vor allem einige mitgereiste Angehörige von Körperspendern waren von dessen Verhalten und seinen öffentlichkeitswirksamen Auftritten wenig angetan. Kirsten Bars etwa reiste mit ihrer gesamten Familie aus Karlsruhe an, ihr Schwiegervater ist überzeugter Körperspender. "Für mich kommt eine Plastination selbst aber nicht in Frage. Das ist eine sehr private Angelegenheit", sagt die 31-jährige Hausfrau.

Kritik am Medienspektakel
Andere Besucher hingegen waren enttäuscht. "Das war eine reine Selbstdarstellungs- und Marketingveranstaltung. Von Hagens hat überhaupt nichts über den Elefanten und seine Anatomie erklärt. Er ist lieber für die Medien auf dem toten Elefanten geritten", sagt eine aus Bayern angereiste Biologie-Lehrerin.

Dass von Hagens vor kurzem vom Heidelberger Amtsgericht wegen Titelmissbrauchs zu einer Geldstrafe von 108.000 Euro verurteilt wurde, störte keinen der Körperspender. Die ehemalige Krankenschwester Adelgunde Dick (79) hatte ein ganz anderes Problem. Sie wollte den von Kamerateams umlagerten Plastinator noch unbedingt ein selbstverfasstes Gedicht überreichen. Der lyrische Text beginnt mit der Zeile: "Mach etwas Schönes aus mir".

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