Do, 16. August 2018

Trotz fehlenden Fells

15.12.2011 15:04

Nacktmulle spüren bei Säurekontakt keinen Schmerz

Nacktmulle empfinden beim Kontakt mit Säure keinen Schmerz, wie Berliner Forscher herausgefunden haben. Die Tiere besäßen Schmerzrezeptoren mit einem speziellen Natriumkanal, erläutert das Team des Max-Delbrück-Centrums für Molekulare Medizin (MDC) in Berlin im Fachblatt "Science". Dieser verhindere die Weiterleitung des Schmerzreizes.

Der Rezeptor werde von elektrisch positiv geladenen Teilchen blockiert, die von Säuren abgegeben werden. In der Folge werde kein sogenanntes Aktionspotenzial ausgelöst, so die Wissenschaftler. Das bedeutet: Die Nervenzelle "feuert" nicht, sie leitet kein Schmerzsignal weiter.

Doch warum verzichten die Tiere auf den wertvollen Warnreiz? Nacktmulle (Heterocephalus glaber) leben in großen Gruppen in engen unterirdischen Bauten. In den Tunneln und Höhlen ist der Sauerstoffgehalt gering, der Kohlendioxidgehalt hingegen hoch.

Dies könne zu einer Übersäuerung des Gewebes führen, schreiben die Forscher um Ewan St. John Smith. Vermutlich hätten die Nacktmulle die Säuretoleranz entwickelt, um unter diesen Umständen überleben zu können. Die Ergebnisse der Untersuchung könnten auch beitragen, das Verständnis chronischer Schmerzen beim Menschen zu vertiefen, die durch Übersäuerung von Gewebe entstehen.

Säuregehalt aktiviert Schmerzfühler
Hohe Kohlendioxid-Konzentrationen und Säure verursachen normalerweise bei Säugetieren - auch beim Menschen - sehr schmerzhafte Verätzungen und lösen Entzündungen aus, heißt es in einer MDC-Mitteilung. So sei das Gewebe von Patienten mit entzündlichen Gelenkerkrankungen wie Rheuma stark mit Säure angereichert.

Der Säuregehalt des Gewebes aktiviere die Schmerzfühler. Substanzen, die den Kanal blockieren, werden in der Medizin eingesetzt - zum Beispiel zur lokalen Betäubung beim Zahnarzt. Menschen, bei denen der Kanal wegen genetischer Veränderungen beschädigt ist, fühlen keinen Schmerz.

Nacktmull: Fast blind und unbehaart
Nacktmulle sind fast blinde, kaum behaarte Nagetiere, die unterirdisch in den Halbwüstenregionen Ostafrikas leben. Die kleinen Säugetiere mit der faltigen, rosabraunen Haut leben dicht gedrängt in großen Kolonien mit bis zu 300 Individuen, die von einem Weibchen angeführt werden. Ihr Sozialsystem ähnelt dem von Bienen. Ihre großen Nagezähne nutzen Nacktmulle, die bis zu 30 Jahre alt werden können, auch zum Graben.

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