Di, 19. Juni 2018

krone.at-Interview

15.12.2011 10:08

Viveiros: 'Bald keine Spieler mehr für das Nationalteam'

Meistens ein entwaffnendes Lächeln, ein sympathisches Wesen und ein herzliches austro-kanadisches "Hällo" als Gruß – hinge das Wohl des heimischen Eishockeys allein vom Auftreten von Manny Viveiros ab, niemandem müsste angst und bange sein. Auch nicht vorm Abschneiden beim Austria Cup am Freitag und Samstag in Klagenfurt, wenn der ÖEHV seinen "100er" gegen die Slowakei, die Schweiz und Weißrussland feiert. Mit krone.at sprach Viveiros über den Zwist mit Salzburg, negative Stimmung und seine Angst, dass dem ÖEHV-Team bald die Spieler ausgehen könnten.

krone.at: Nach dem Vier-Nationen-Turnier von Miskolc, bei dem die ÖEHV-Auswahl mit einem Sieg und zwei Niederlagen Dritter geworden ist, steht beim Austria Cup in Klagenfurt Ihre Heimpremiere auf dem Programm. Wie schauen Ihre Ziele/Erwartungen angesichts der starken Gegner aus der Slowakei, der Schweiz und aus Weißrussland aus?
Manny Viveiros: Die Ergebnisse spielen keine Rolle, das war so in Ungarn, und das wird auch beim Austria Cup so sein. Unser Ziel ist, den Spielern die Chance auf Erfahrungen zu geben. Wir haben 14 Spieler – mit den Nachnominierten sogar 16 – dabei, die zum ersten Mal gegen A-Gruppen-Teams spielen werden. Daher noch einmal: Die Ergebnisse interessieren mich nicht, was zählt ist die Erfahrung – nur so lernt jeder einzelne Crack, was er tun muss, um in Zukunft auf dem Niveau zu spielen. Und das ist für mich viel wertvoller.

krone.at: Wie auch schon Ihre Teamchef-Vorgänger sind auch Sie als Klub-Trainer aktiv – eine Lösung, die in Fankreisen immer wieder für Diskussionen sorgt. Was denken Sie über diese Doppelfunktion, ist sie ein Problem?
Viveiros: Nein, das ist überhaupt kein Problem, weil ich ja ohnehin beide Ämter voneinander getrennt erledige. Die eine Aufgabe ist zwar beim KAC, aber wenn ich mit der Nationalmannschaft arbeite, you know, konzentriere ich mich eben vollkommen auf diese. Für mich ist wichtig, dass wir Leute haben, die mich bei beiden Aufgaben unterstützen. Beim KAC haben wir ein super Trainerteam installiert, das einen sehr guten Job macht, wenn ich nicht dabei bin. Da mache ich mir gar keine Sorgen. Und für die Nationalmannschaft gilt dasselbe. Im Prinzip ist mein Job gar nicht so schwierig, weil ich gute Leute um mich habe.

krone.at: In den vergangenen Tagen und Wochen wurde viel darüber gesprochen, dass die Terminkollision des Austria Cup mit dem Red Bulls Salute samt Einberufung von Salzburg-Spielern einem Affront gleichkommt. Besteht da nicht die Gefahr, dass der ÖEHV und Sie – noch dazu als KAC-Trainer – in einen Kleinkrieg mit den Salzburgern kommen?
Viveiros: Nein, das glaube ich nicht. So schlimm ist die Beziehung mit Salzburg ja auch wieder nicht (lacht). Ich habe immer wieder mit Pierre Pagé gesprochen, und er versteht meine Situation, so wie ich seine bzw. die der Salzburger verstehe. Aber das ist eben so. Das mit dem Zusammenfallen der Termine war ja auch keine Absicht, aber diese Länderspiel-Breaks werden halt vom Internationalen Eishockeyverband vier Jahre im Voraus geplant. Da können wir nichts ändern – und was die Salzburger Spieler anbelangt: Ganz einfach, wir brauchen diese Spieler.

krone.at: Tatsächlich einen Interessenskonflikt gibt es zwischen Nationalteam und EBEL-Klubs - Stichwort Punkteregelung. Wie kann es sein, dass etwa ein Markus Peintner, der immerhin bei der WM in der Slowakei dabei war, in Österreich wegen dieser Regelung beinahe keinen Job mehr bekommen hätte? Was läuft da falsch?
Viveiros: (seufzt) Es ist zwar einfach gesagt, "wir reduzieren die Zahl der Ausländer auf sechs oder sieben", aber im Moment fehlt uns in der Liga die Masse an heimischen Spielern, um das machen zu können. Fakt ist: Für die EBEL funktioniert das Punktesystem, weil wir eine relativ ausgeglichene Liga haben. Aber auf der anderen Seite darf man nicht vergessen, dass die EBEL eben die österreichische Liga ist – und die österreichischen Spieler müssen wir einfach mehr schützen. Wie es auch andere Länder machen. Wir müssen wirklich aufpassen, sonst haben wir bald keine Spieler mehr für die Nationalmannschaft.

krone.at: Die Nachwuchs-Nationalteams sind seit Jahren maximal zweitklassig, die U18 ist gerade erst wieder in die Zweitklassigkeit zurückgekehrt. Wie kann man erwarten, dass Spieler, die im Nachwuchs nicht mit den Top-Teams mithalten konnten, es dann bei den "Großen" schaffen können?
Viveiros: Das kann man auch nicht. Aber das hängt vor allem von den Klubs in unserer Liga in Österreich ab. Wir müssen eine bessere Liga haben für diese jungen Spieler, in der sie die Chance haben, zu spielen und sich zu entwickeln. Und wir brauchen mehr Trainer für die ganz Kleinen, um so die Basics zu vermitteln. Wir müssen das Eishockey einfach so attraktiv machen, dass es mehr Kinder spielen wollen. Einfach ist das aber nicht, das dauert fünf, sechs, sieben Jahre, da muss man langfristig denken und nicht von Jahr zu Jahr.

krone.at: Ihr Vertrag beim ÖEHV läuft drei Jahre lang – wie muss sich die rot-weiß-rote Nationalmannschaft nach Ablauf dieser Frist präsentieren, damit sie zufrieden sind?
Viveiros: Das kann man nicht so im Detail sagen. Ich hoffe, dass ich die Zukunft des österreichischen Eishockeys positiv beeinflussen kann. Da geht’s nicht um den Vertrag von Manny Viveiros, da geht’s um die Zukunft. Und da müssen wir alle ein gemeinsames Ziel, das Wohl des heimischen Eishockeys, haben – und nicht jeder seine eigenen. Ich werde natürlich nicht bis in alle Ewigkeit bleiben.

krone.at: Generell eine Frage zum Spielstil: Es gibt Nationen, die traditionell eher körperbetont spielen, andere, die den Fokus mehr auf Stocktechnik legen oder gar auf ihre hervorragenden Eislauffähigkeiten vertrauen. Wo sind wir Österreicher am ehesten einzuordnen, bzw. wohin wollen sie uns bringen?
Viveiros: Boahhh...Wenn man auf die Teams in der A-Gruppe schaut, dann ist das Allerwichtigste das Eisläuferische. Wir wollen für die Zukunft eine Mannschaft, in der alle glänzend eislaufen können, gute Fitness haben und deren Charakter in Ordnung ist. Vom Spielerischen her wollen wir einfach attraktiv und aggressiv spielen, nicht passiv.

krone.at: Ihr Vorgänger Bill Gilligan hat in den Augen nicht weniger Fans durch Österreichs Auftreten bei der WM in der Slowakei ziemlich an Ansehen eingebüßt – fürchten Sie sich nicht vor negativer Stimmung von außen, falls sich der Aufbau einer schlagkräftigen Mannschaft anfangs nicht in Siegen bzw. Erfolgen widerspiegelt?
Viveiros: Ich habe die Kritik an Bill immer als unfair empfunden. Weil die Wahrheit ist, dass wir keine Mannschaft hatten, die auf A-Niveau spielen kann. Bill hat von daher einen super Job gemacht. Ich habe übrigens auch mit ihm gesprochen, bevor ich den Teamchef-Posten übernommen habe. Und er hat sich über meine Chance gefreut. Außerdem steht er voll hinter dem, was wir in Zukunft machen.

krone.at: Beim Austria Cup warten mit der Schweiz, der Slowakei und Weißrussland enorm starke Gegner. Auch wenn Sie nicht explizit auf die Ergebnisse schauen wollen, haben Sie nicht ein wenig Angst davor, dass bei nicht unwahrscheinlichen Pleiten die Stimmung im Land trotz aller Konzentration auf die Zukunft extrem negativ werden könnte?
Viveiros: Schon, aber Change ist Change. Ich muss ja damit anfangen und kann mich nicht von Tag zu Tag weiter hangeln. Das dauert ein bisschen. Die Spieler brauchen jetzt einmal das Vertrauen vom Verband - aber sie müssen es sich auch verdienen.

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