Fatale Weblinks

Kinderporno-Panne setzt deutscher Piratenpartei zu

Web
28.11.2011 10:18
In Deutschland haben die "Piraten" ihre zentrale Internetplattform vorerst vom Netz genommen. Der Grund: Auf dem sogenannten Piratenpad, dem Herzstück ihrer Kommunikation, wurden mehrere Kinderporno-Links platziert.

Nachdem der Berliner "Tagesspiegel" am Donnerstag darüber berichtet hatte, ließ der Bundesvorstand die Piratenpad-Server noch am Abend abschalten. Vizechef Bernd Schlömer stellte bei der Berliner Polizei Strafanzeige gegen unbekannt. Der Tatvorwurf: Verbreitung, Erwerb und Besitz kinderpornografischer Schriften.

Die Führungsriege ließ die entsprechenden Links entfernen und gab noch in der Nacht eine Erklärung heraus. Die Server waren am Wochenende wieder erreichbar. Doch das Problem bleibt: Die Links tauchten unter dem Label der Piratenpartei auf - und könnten es jederzeit wieder.

Jeder hat Zugriff aufs Piratenpad
Denn die Plattform ist für alle nutzbar. Jeder beliebige Nutzer, ob Piraten-Anhänger oder nicht, kann Beiträge einstellen, korrigieren oder löschen. Der Dienst gilt als praktisch und beliebt, er wurde unter anderem genutzt, um die Jugendproteste in Spanien zu organisieren. Auch der Deutsche Evangelische Kirchentag verwendete ihn nach Angaben der Partei für Veranstaltungen.

Aber das Tool ist mehr als ein Dienst für die kollektive Erstellung von Texten, Briefen oder Sitzungsprotokollen. Es ist das Herzstück der Parteikommunikation, die Infrastruktur für die propagierte grenzenlose Transparenz. Derzeit sind über 100.000 verschiedene Pads, also Unterforen und Notizen, angelegt.

Kontrolle nicht möglich und unerwünscht
Rein technisch sei eine Kontrolle der Inhalte nicht möglich, erklären die Piraten - und auch gar nicht gewünscht. "Das würde unseren eigenen Idealen widersprechen", sagte Vizechef Schlömer. "Wir wollen keine Informationen über unsere Nutzer."

Genau das erschwert die Ursachenforschung allerdings erheblich. Gemeinsam mit dem Landeskriminalamt und der Polizei arbeite man daran, herauszufinden, wer die Adressen auf der Plattform verbreitet habe, so Piratenchef Sebastian Nerz. Das dürfte kaum möglich sein, da die Piraten - im Sinne der Netzfreiheit - bewusst keine IP-Adressen speichern.

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