"Motorenkiller"

ARBÖ warnt: Über 200.000 Autos vertragen E10 nicht

Österreich
25.10.2011 14:51
Die Debatte rund um die Einführung des umstrittenen Biosprits E10 heizt sich weiter auf. Während Umweltminister Niki Berlakovich am Verkauf des Treibstoffs ab Oktober 2012 an Österreichs Zapfsäulen festhält, hat der ARBÖ am Dienstag erneut vor dem "Motorenkiller" gewarnt. Der Autofahrerclub schätzt, dass mehr als 200.000 Autos den Biosprit nicht vertragen würden.

Insgesamt hätten 15 Prozent aller Benzinfahrzeuge, die in Österreich vor 2006 zugelassen wurden, mit dem Treibstoff, bei dem herkömmlichem Benzin zehn Prozent Bioethanol beigesetzt ist, Probleme, schätzte Erich Groiss, technischer Koordinator des ARBÖ.

Die technischen Probleme sind laut Groiss auf die korrosive Wirkung des Ethanols zurückzuführen. "Ventile und Ventilsitzringe rosten dadurch schneller, Gummi und Kunststoffteile werden porös und spröde. Dichtungen, Kunststoffe in Leitungen und Leichtmetalle wie Aluminium sind dabei ganz besonders anfällig", warnte er.

Berechnungen: Konsumenten zahlen drauf
Die Konsumenten würden jedenfalls auch dann draufzahlen, wenn an den Autos keine Schäden entstehen. Laut Berechnungen von ARBÖ und Arbeiterkammer würde die Beimengung des aus Mais, Getreide oder Zuckerrüben gewonnenen Kraftstoffzusatzes den Literpreis von Benzin um 2,5 bis vier Cent erhöhen. 

Benzin würde sich demnach also entweder um bis zu vier Cent pro Liter direkt oder über die von Berlakovich gewünschte besondere steuerliche Entlastung für E10 um 160 Millionen indirekt verteuern, gab AK-Direktor Werner Muhm bereits Ende September zu bedenken. Im Falle der Steuerzuckerln würden dann alle, also auch die, die über kein Auto verfügen, diese indirekte Agrarförderung mittragen, so Muhm. 

"Fekter kassiert automatisch mit"
ARBÖ-Generalsekretärin Lydia Ninz sparte bei ihrer Biosprit-Kritik auch Finanzministerin Maria Fekter nicht aus. Fekter werde bei E10 automatisch mitkassieren, so Ninz. Denn wenn sich der Grundpreis für E10 wegen der Beimischung und wegen der geringeren Ergiebigkeit - man braucht mehr Sprit, um dieselbe Strecke zu fahren - verteuert, steigen automatisch die Einnahmen an der Umsatzsteuer, gab die ARBÖ-Generalsekretärin zu bedenken. Die Finanzministerin könne laut Ninz dank E10 aufs Jahr hochgerechnet mit Mehreinnahmen von rund 16,8 Millionen Euro rechnen.

Sorgen um Preisanstieg bei Nahrungsmitteln
Aber nicht nur die Verträglichkeitsprobleme bei einer großen Zahl an Fahrzeugen und die höheren Kosten für die Autofahrer lassen die Wogen hochgehen. Auch die Preisspirale bei Nahrungsmitteln würde durch die Biospritproduktion weiter angeheizt werden, befürchten Kritiker. Von dem Preisanstieg seien Entwicklungsländer besonders stark betroffen, stellte zuletzt etwa die Ernährungs- und Landwirtschaftsorganisation der Vereinten Nationen in ihrem aktuellen Welternährungsbericht 2011 fest.

ARBÖ-Protestaktion: "Bio-Sprit mach dich vom Acker"
Um die Einführug des "Motorenkillers" noch zu verhindern, startete der ARBÖ Mitte Oktober eine Unterschriftenaktion. Wer sich diesem Protest anschließen will, kann online und in allen Dienststellen des ARBÖ gegen die Einführung von E10 seine Unterschrift abgeben. Bisher gaben 4.000 Österreicher ihre unterstützende Unterschrift ab, so Groiss am Dienstag.

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