25.01.2012 13:15 |

Thriller im 80er-Stil

Ryan Gosling kurvt durch L.A.s Straßen: "Drive" jetzt im Kino

Einen Thriller im Stile der 80er-Jahre mit kernigen Brutalo-Szenen: Das bietet der neue Film des Regisseurs Nicolas Winding Refn, der in seiner Heimat Dänemark bereits Kultstatus erlangt hat. Wer sich bei "Drive" (Kinostart: 26. Jänner) einen Streifen à la "Fast and Furious" erwartet, wird enttäuscht sein - doch dazu später mehr.

Refn wurde beim Filmfestival in Cannes 2011 mit dem Regiepreis ausgezeichnet und krönte damit seinen unaufhaltsamen Aufstieg in den Filmolymp. Mit der "Pusher"-Trilogie, einem Mix aus schwarzer Komödie, Tragödie und Action, wurde der Filmemacher in Dänemark zum Star. Nach "Bronson" (2008) und "Walhalla Rising" (2009) hat sich Refn nun mit "Drive" auf der ganzen Welt einen Namen gemacht.

Einsamer Wolf auf L.A.s Straßen
Zum Inhalt: Driver (Ryan Gosling) ist untertags Automechaniker und Stuntfahrer für Hollywood-Produktionen. Nachts, wenn die Straßen in Los Angeles nur ihm gehören, stellt er sein Können in den Dienst gut zahlender Auftraggeber, die einen Fahrer für ihre Raubzüge brauchen. Der Kleinkriminelle Shannon ("Breaking Bad"-Star Bryan Cranston), Drivers Chef, ist auf der Suche nach Geldgebern für ein Rennauto, das Driver lenken soll. Shannon erhofft sich davon, den Job als Mechaniker aufgeben und bald als Rennstall-Manager viel Geld verdienen zu können. Die Mafiosi Bernie (Albert Brooks) und Nino (Ron Perlman) steigen bei seinem Projekt ein.

Doch Driver beschäftigt sich lieber mit seiner neuen Nachbarin Irene (Carey Mulligan) als mit den Rennstall-Plänen von Shannon. Für Irenes Sohn Benicio wird Driver mehr und mehr eine Art Ersatz-Daddy, denn sein leiblicher Vater sitzt im Gefängnis. Die Welt des Einzelgängers gerät völlig aus den Fugen, als Irenes Mann Standard (Oscar Isaac) vorzeitig entlassen wird und Driver nun wieder "nur" der Nachbar von nebenan ist.

Obwohl Standard Driver verachtet, weil der kurzzeitig seinen Platz eingenommen hat, nimmt er seine Hilfe bei einem kriminellen Geschäft in Anspruch. Weil er üblen Gangstern Geld schuldet, wird Standard zu einem Überfall auf eine Pfandleihe gezwungen. Wenn er sich weigert, stehen Irene und Benicio auf der Abschussliste. Der eigentlich todsichere Coup wird zum Albtraum. Jetzt gilt für Driver nur eine Mission: das Leben seiner großen Liebe und ihres Sohnes retten. Dafür muss der Eigenbrötler in die Offensive gehen - und sich mit den brutalsten Mafiosi von Los Angeles anlegen...

Klage gegen Filmemacher
In den USA hat eine Kinobesucherin übrigens eine Klage gegen die Filmemacher eingebracht, weil sie sich einen Action-Thriller im Stile von "Fast and Furious" erwartete und bitter enttäuscht wurde, weil sie statt Verfolgungsjagden, Muckis und Prolo-Visagen einen künstlerisch hochwertigen Hollywood-Streifen serviert bekam. Sie fühlte sich vom Titel "Drive" in die Irre geführt, frei nach dem Motto: Wo "Drive" draufsteht, müssen lärmende Motoren und halsbrecherische Manöver drin sein.

Ryan Gosling in Bestform
Das Beste an "Drive" ist der Driver. Ryan Gosling stellt erneut unter Beweis, dass er zu den Talentiertesten seiner Zunft gehört. Weil er sich des Öfteren an Independent-Produktionen heranwagt ("Half Nelson", "Blue Valentine") und seltener in Blockbustern zu sehen ist, wird der 30-Jährige - völlig zu Unrecht - unterschätzt. Als einsamer Wolf auf den Straßen L.A.s und Mann der wenigen Emotionen glänzt Gosling in Refns Thriller-Drama und läuft zur Bestform auf.

Bis in die Nebenrollen hat der dänische Regisseur einen tollen Cast auf die Beine gestellt, einzig Carey Mulligan sitzt und steht - wie schon in "Wall Street 2" - fad in der Gegend herum und ist gerade mal so ausdrucksstark wie ein Daily-Soap-Sternchen.

Blutiges Gemetzel in der zweiten Hälfte
Viel ausdrucksstärker sind da schon die Bilder, die uns Refn kredenzt. Wenn Gosling - mit zwei Gangstern auf der Rückbank - durch Los Angeles kurvt und die Polizei so locker abhängt, als würde er sich im Diner Kaffee holen, ist die Spannung auch ohne Verfolgungsjagd mit 200 km/h in jeder Einstellung spürbar. Leider artet der Film in der zweiten Hälfte teilweise zu einem blutigen Gemetzel aus, als Driver bei seinem Feldzug vor nichts und niemandem haltmacht. Da wäre doch weniger (Blut) mehr gewesen.

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