Stöbert Fotos auf

Neue Software im Kampf gegen Kinderpornografie

Digital
05.10.2011 10:14
Über 15 Millionen Aufnahmen missbrauchter Kinder kursieren Schätzungen von Ermittlern zufolge im Internet. Werden bei Verdächtigen Datenträger beschlagnahmt, müssen sich Kriminalbeamte oft durch Hunderttausende Dateien klicken, um die illegalen Abbildungen zu finden – ein bislang extrem zeitaufwendiger Prozess. Gemeinsam mit Fahndern des Landeskriminalamts Berlin haben Fraunhofer-Forscher nun jedoch eine Software entwickelt, die kinderpornografische Darstellungen selbst aus sehr großen Datenmengen herausfiltern und so die Arbeit der Strafverfolger erleichtern soll.

Getauft wurde das Tool von den Forschern rund um Dr. Bertram Nickolay vom Fraunhofer-Institut für Produktionsanlagen und Konstruktionstechnik IPK in Berlin auf den Namen "desCRY", was im Englischen "ausfindig machen" bedeutet. Herzstück der Software sind intelligente Mustererkennungsalgorithmen, die Bilder und Videosequenzen automatisch analysieren und klassifizieren. Damit, so Nickolay, könne desCRY auch dann noch versteckte illegale Inhalte in digitalen Fotos und Videos aufspüren, wenn diese etwa mitten in einen Hollywood-Streifen eingefügt seien.

Zehn Bilder pro Sekunde unter der Lupe
"Techniken wie Gesichts- und Hautfarberkennung kombiniert mit Kontext- und Szenenanalysen identifizieren verdächtige Inhalte", erläutert Projektleiter Raul Vicente-Garcia. Die Algorithmen nutzen bis zu mehrere 1.000 Merkmale, die Eigenschaften wie Farbe, Textur und Konturen beschreiben, um zu analysieren, ob ein Bild eine Missbrauchsszene zeigt. Läuft das System auf einem aktuellen Standard-PC, klassifiziert es bis zu zehn Bilder pro Sekunde, was die Recherche der Fahnder drastisch beschleunigt.

Vielfältige Suchoptionen für Ermittler
Die Software durchsucht sämtliche auf einem Datenträger vorhandene Dateien, auch Mail-Anhänge und Archive. Ein weiteres Plus: Die Dateien können unter anderem nach Größe und Typ gefiltert werden, um den Zeitaufwand beim Analysieren zu reduzieren. Und: desCRY bietet etliche Suchoptionen. So sei es unter anderem möglich, eine inhaltsbasierte Datensortierung und Filterung durchzuführen. Beispielsweise können Ermittler nach Personen, Objekten oder Orten sortieren.

Das Suchergebnis wird in einem Bildbetrachter dargestellt, in dem mehrere hundert Fotos als kleine Icons auf einen Blick erfasst werden können. Verdächtige Fotos erscheinen differenziert, zum Beispiel am Anfang der Ergebnisliste. Mit einem Klick kann der Anwender sie vergrößern und mit einem weiteren als Beweismaterial speichern. Das System macht den ermittelnden Beamten aber nicht überflüssig. Am Ende des Auswertungsprozesses muss ein Fahnder prüfen, ob die als illegal klassifizierten Fotos wirklich verbotene Inhalte enthalten.

Interesse unter Kriminalbehörden groß
Derzeit prüfen Kripobeamte unter realistischen Einsatzbedingungen die Tauglichkeit von desCRY. Ab Oktober könnte das System zum alltäglichen Werkzeug der Berliner Fahnder werden. Und nicht nur sie sollen davon profitieren. Integrations- und Vermarktungspartner ist der Softwarekonzern SAP. Gemeinsam mit dem Walldorfer Unternehmen ist das IPK bereits international mit weiteren Pilotanwendern im Gespräch. Kriminalbehörden in mehreren Ländern hätten bereits ihr Interesse signalisiert.

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