Sa, 18. August 2018

Dürre in Ostafrika

29.09.2011 12:55

Kritik an "peinlicher Micky-Maus-Hilfe" Österreichs

Massive Kritik am geringen Ausmaß der staatlichen österreichischen Hilfe bei der Hungerkatastrophe in Ostafrika hat am Donnerstag Max Santner vom Roten Kreuz geübt. Die Summe von rund 1,3 Millionen Euro sei im internationalen Vergleich "nur mehr peinlich" und ein "Micky-Maus-Betrag", sagte Santner anlässlich der Veröffentlichung des "World Disaster Reports" am Donnerstag.

So zahlten laut Santner etwa Finnland 14 Millionen, das krisengeschüttelte Irland sechs Millionen und Dänemark überhaupt 41 Millionen Euro. Weniger als von Österreich wurde innerhalb der EU lediglich von Lettland und der Tschechischen Republik aufgebracht.

Im Gegensatz zum Staat haben aber die Österreicher die Arbeit der Organisationen mit bereits mehr als 14 Millionen Euro unterstützt, wie eine aktuelle Umfrage mit 19 heimischen Hilfsorganisationen des Fundraising Verbands Austria zeigte (siehe Infobox).

Neben der geringen staatlichen Summe kritisierte Santner, der den Bereich internationale Hilfe des Österreichischen Roten Kreuzes leitet, auch die starke Streuung der Zuständigkeiten bei Hilfsleistungen. Bei der Ostafrika-Hilfe sei etwa das Innenministerium, das Außenministerium und das Lebensministerium gleichzeitig eingebunden gewesen. Schon aufgrund besserer Effizienz sei es höchste Zeit, die Mittel zu bündeln.

Keine Entspannung erwartet
Das Rote Kreuz erwartet in den kommenden Jahren keine Entspannung bei den internationalen Katastrophen. Im Gegenteil: In Ostafrika ist davon auszugehen, dass die Dürre und die damit einhergehende schlechte Versorgung der Menschen mit Nahrungsmitteln anhalten werden. Der Grund dafür liegt laut Santner darin, dass die Betroffenen im Gegensatz zu früher aufgrund von politischen Grenzen nicht länger aus den Dürregebieten fliehen können. "Wir werden weiterhin nur Nahrung liefern können", sagte Santner.

13,3 Millionen Menschen in Ostafrika brauchen Hilfe
Insgesamt ist bei den Katastrophen der vergangenen Jahre ein Trend zu beobachten: So verschieden sie sind, gemeinsam ist ihnen, dass sie multikausale Ursachen haben. Das Erdbeben in Haiti hat etwa einen Staat getroffen, der ohnehin durch die politische Situation und durch Naturkatastrophen wie Hurrikans stark geschwächt war. In Japan hat mit Erdbeben, Tsunami und Nuklearunfall simultan eine dreifache Katastrophe stattgefunden.

"Gleiches gilt auch für die aktuelle Hungerkatastrophe in Ostafrika", so Santner. Eine Kombination aus Dürre, ungerechter globaler Agrarpolitik und bewaffneten Konflikten verschärften die ohnehin gespannte Situation. Noch immer sind 13,3 Millionen Menschen betroffen und auf humanitäre Hilfe angewiesen.

Immer mehr Klima-Katastrophen zu beobachten
Aus den Daten des jährlich herausgegebenen "World Disaster Reports" geht hervor, dass es in den vergangenen zehn Jahren zu einem signifikanten Anstieg von klimabezogenen Katastrophen gekommen ist. Um die Auswirkungen solcher Ereignisse einzudämmen, sollten die Staaten wesentlich mehr vorsorgen. Die Bewältigung einer Katastrophe würde bis zu 15-mal mehr kosten als entsprechende Maßnahmen wie etwa die Sicherung der Wasserversorgung oder Hangverbauungen.

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