Di, 21. August 2018

Untersuchung zeigt

26.09.2011 10:46

Übergewichtige speichern mehr Fett und dies länger

Übergewichtige speichern Fettsäuren in einem erhöhten Ausmaß im Gewebe - und vor allem deutlich länger als normalgewichtige Menschen. Das haben Physiker der Universität Wien in einem internationalen Forscherteam unter schwedischer Leitung herausgefunden. Die Ergebnisse erscheinen online in der renommierten Fachzeitschrift "Nature".

Das menschliche Fettgewebe dient quasi als "Sparkasse" für Fettsäuren, die es in Form von Triglyceriden speichert. Obwohl sich die Körperfettmasse aus der Bilanz von Aufnahme und Abbau ergibt, ist die Dynamik dieser Prozesse kaum bekannt. So war bisher nicht klar, wie lange menschliche Fettsäuren gespeichert werden. Mit einem neuen Verfahren ist es jetzt gelungen, diese Fragen zu beantworten, teilte die Universität Wien mit.

Untersuchung mittels C-14-Methode
Da alle organischen Stoffe auf unserem Planeten durch die oberirdischen Kernwaffentests in der Mitte des 20. Jahrhunderts quasi ein "Mascherl" bekommen haben, ist es möglich, ihren Entstehungszeitpunkt zu bestimmen. Die Konzentration des auch natürlich vorkommenden, radioaktiven Spurenisotopes Kohlenstoff-14 (kurz: C-14) in der Atmosphäre stieg infolge der Versuche kurzzeitig auf das Doppelte an, nahm seit 1963 aber wieder kontinuierlich ab, weil seither auf oberirdische Tests weitgehend verzichtet wird und das C-14 in den Ozean wandert.

Jedes Jahr seit 1963 hatte daher einen typischen C-14-Gehalt in der Atmosphäre, der sich über Photosynthese in Pflanzen und über die weitere Nahrungskette auch in Tieren und Menschen widerspiegelt. Die Messung des C-14-Gehalts in organischen Stoffen erlaubt somit, den Entstehungszeitpunkt zu bestimmen. Diese Art der Datierung ist der aus der Archäologie bekannten C-14-Methode ähnlich.

Alter von Triglyceriden bestimmt
Die Forschergruppe unter der Federführung des Karolinska Universitätsspitals und des Karolinska Instituts in Stockholm hat dieses Verfahren angewandt, um das Alter von Triglyceriden aus menschlichem Fettgewebe zu bestimmen. Die Untersuchungen ergaben, dass das durchschnittliche Alter von Triglyceriden bei Normalgewichtigen bei 1,3 Jahren liegt, womit frühere Vermutungen bestätigt wurden. Dieser Wert blieb bei Normalgewichtigen unabhängig von Geschlecht oder Alter gleich, auch verschieden große Fettzellen aus demselben Gewebe zeigten keine Unterschiede.

Deutliche Unterschiede bestanden jedoch zwischen normal- und übergewichtigen Personen. Letztere zeigten sowohl eine um circa 50 Prozent erhöhte Fettaufnahme als auch eine längere Speicherdauer von 2,1 Jahren. Beides trägt dazu bei, dass Übergewichtige ungefähr das doppelte Körperfett mit sich herumtragen. Um etwas über den biologischen Mechanismus herauszufinden, wurde Fettgewebe der Probanden auch im Labor untersucht. Fettzellen, die von Personen besonders lange gespeichert worden waren, ließen sich auch im Reagenzglas schwer zum Abbau stimulieren.

Speicherdauer auch bei Insulinresistenz erhöht
Untersucht wurde auch der Zusammenhang mit Insulinresistenz, also dem zu geringen Ansprechen auf das körpereigene Insulin. Dabei handelt es sich um eine Stoffwechselstörung, die mit Übergewicht und Diabetes einhergeht. Bei insulinresistenten Personen war die Fettaufnahme zwar unverändert, aber die Speicherdauer verlängert.

Auch Patienten, die an familiär kombinierter Hyperlipidämie leiden, wurden untersucht. Dabei handelt es sich um eine erbliche Fettstoffwechselkrankheit, an der circa jede 250. Person leidet und die zu erhöhten Cholesterinwerten inklusive eines Herzinfarktrisikos schon in mittleren Jahren führt. Diese Personen zeigten eine reduzierte Fettaufnahme und einen langsamen Abbau. Ihr Fettgewebe kann also seine biologische Aufgabe, Fett zu speichern und dieses in schlechten Zeiten wieder abzugeben, nicht erfüllen.

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