Do, 20. September 2018

Von Straße verbannt

16.09.2011 21:09

Franko-Muslime "dürfen" zum Beten in alte Kaserne

Am Freitag haben sich etwa 2.000 Muslime in einer ehemaligen Kaserne am Pariser Stadtrand zum mittäglichen Gebet zusammengefunden. Die französischen Behörden hatten das behelfsmäßige Gebäude vorübergehend zur Verfügung gestellt. Hintergrund: Die Regierung der Grande Nation will muslimische Gebete künftig komplett von den Straßen verbannen - und in den Moscheen ist schlicht kein Platz mehr.

Der Rektor der Großen Moschee von Paris, Dalil Boubakeur, hatte am Freitagabend eine Vereinbarung zwischen Staat und Vertretern der muslimischen Gemeinde bekannt gegeben, wonach die Kaserne zumindest vorerst als "Ersatzmoschee" diene. Auch in Marseille schafften Behörden entsprechend Abhilfe. Besser als nichts, so scheint's - denn gemeinsam auf der Straße zu beten, ist künftig wohl keine gute Idee mehr.

Minister: "Gegen Ausreißer vorgehen"
Innenminister Claude Guéant betonte, dass mit der Eröffnung der Behelfsmoschee die Gebete auf der Straße nicht mehr toleriert würden. "Wenn es dennoch einige versuchen, werden wir dagegen vorgehen", stellte er kürzlich in einem Interview klar.

Die rechtsextreme Parteichefin Marine Le Pen ("Front National") etwa, die muslimische Straßengebete bereits mit der Besatzung im Zweiten Weltkrieg verglichen hatte, ist mit der aktuellen Regelung allerdings alles andere als zufrieden. Sie sprach von einer Verletzung der Trennung zwischen Staat und Religion: "Der Staat lässt sich auf einen Kuhhandel ein." Es sei nicht akzeptabel, dass Frankreich den Muslimen ein Gebäude zur Verfügung stelle.

Größte muslimische Gemeinschaft in der EU
Rund 5,5 Millionen der 60,5 Millionen Einwohner Frankreichs sind Muslime - die größte islamische Gemeinschaft innerhalb der EU. Es gibt in Frankreich gut 2.000 Moscheen - zumeist allerdings eher schäbige Gebetshäuser. Um jedem Moslem in Frankreich Platz zum Beten zu verschaffen, bräuchte es, so schätzt Boubakeur, zumindest doppelt so viele Gotteshäuser. Oder eben Kasernen.

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