Sa, 18. August 2018

Alarmierende Zahlen

15.09.2011 18:21

Nachwuchs an Hausärzten fehlt - Beruf vor dem Aus?

Die Situation ist alarmierend: Die Zahl an jungen Hausärzten in Österreich nimmt seit einigen Jahren rapide ab, zudem steht eine massive Pensionierungswelle in den nächsten Jahren bevor. Zahlreiche Hausarztpraxen könnten so künftig leer stehen. Speziell in ländlichen Regionen würde so die ärztliche Erstversorgung in ernste Gefahr geraten.

"Kein Wunder", meint Dr. Christian Euler, Präsident des Österreichischen Hausärzteverbandes. "Wenn Politiker von der Aufwertung des Hausarztes sprechen, meinen sie dessen Rolle als Krankheitsverwalter bei abnehmendem Honorar." Ein gut ausgebildeter spezialisierter Allgemeinmediziner stehe dem datenhörigen, rein ökonomisch orientierten Steuerungssystem, wie es die Gesundheitsreform vorsieht, lediglich als Hindernis im Wege. Wie sich das auf die medizinische Versorgung der Menschen auswirke, sei den Reformern dabei letztlich gleichgültig, fürchtet der Hausärzte-Präsident.

Nachwuchs bei Hausärzten ist Mangelware
Eine flächendeckende, wohnortnahe, persönliche und vertrauensvolle Behandlung durch den Hausarzt könnte somit demnächst Geschichte sein. "Der sicherste Weg, eine Berufsgruppe auszulöschen, ist, dafür zu sorgen, dass ihr Nachwuchs ausbleibt", so Euler. Und genau das passiere an Österreichs Hochschulen. Das Fach Allgemeinmedizin werde an den öffentlichen Universitäten noch immer nicht zu einem festen Bestandteil gemacht, der Hausarztberuf verschwinde damit aus dem Blickfeld des medizinischen Nachwuchses.

Neues Besoldungssystem als weitere Hürde
Auch die praktische Berufsausbildung werde neuerdings mit kaum überwindbaren Hürden belegt, wie der Allgemeinmediziner und langjährige Lehrpraxisleiter Dr. Michael Wendler berichtet.

Bislang habe das Lehrpraxis-System mit viel persönlichem Einsatz lange Zeit funktioniert und das "trotz widriger Rahmenbedingungen und fehlender Strukturen" - grundlegende Bereiche wie Finanzierung, Qualitätssicherung oder Ergebnisevaluation seien unzureichend geregelt, so die Kritik. Durch ein neuartiges, "beispielloses" Besoldungssystem, das kürzlich unter Zustimmung der eigenen Standesvertretung beschlossen wurde, sei nun aber auch dieser Ausbildungsweg dem Ende nahe.

Dabei wird die Rolle des Hausarztes als medizinischer Experte und Vertrauensperson von Patientenseite immens geschätzt, wie aktuelle Umfragen beweisen.

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