Do, 16. August 2018

Pleite-Diskussion

13.09.2011 11:02

Griechenland streicht mindestens 20.000 Staatsjobs

Die schwere Finanzkrise und die Angst vor einer Staatspleite führt in Griechenland erstmals in der jüngeren Geschichte des Landes zu Entlassungen in staatlichen Unternehmen. Die Verschlankung soll laut Berechnungen griechischer Medien mindestens 20.000 Bedienstete treffen. Angesichts der Pleite-Debatte warnt die deutsche Bundeskanzlerin Angela Merkel vor einer unkontrollierten Zahlungsunfähigkeit Athens.

Von der Verschlankung betroffen sind laut dem Finanzministerium in Athen Bedienstete von 151 Firmen, darunter Angestellte des staatlichen Fernsehens ERT, der halbamtlichen griechischen Nachrichtenagentur AMNA, der U-Bahn von Athen und der staatlichen Eisenbahnen.

"Arbeitsreserve" und dann Entlassung
Wie es in einem Schreiben heißt, müssen binnen zwei Wochen die Vorstände der betroffenen Unternehmen Listen von Angestellten präsentieren, die zunächst in eine sogenannte Arbeitsreserve geschickt werden sollen. Andere Angestellte müssten in die Frührente gehen. Der Schwerpunkt soll dabei im Bereich der Verwaltung der Unternehmen liegen. "Arbeitsreserve" bedeutet, die Angestellten werden für ein Jahr lang 60 Prozent ihres Lohnes erhalten und dann entlassen.

Griechische Medien berechneten, dass in den staatlichen Betrieben etwa 200.000 Menschen arbeiten. Demnach könnte die Entlassungswelle mindestens 20.000 Angestellte treffen. Das Programm ist eine der Maßnahmen, die die Experten der Europäischen Union, des Internationalen Währungsfonds und der Europäischen Zentralbank zur Verschlankung des Staates fordern.

Die sogenannte Troika - eben EU, IWF und EZB - ist der eigentliche Lenker der griechischen Finanzen. Vertreter der Troika wollen in den kommenden Tagen die Bücher in Athen prüfen. Von ihnen hängt ab, ob Griechenland die nächste Tranche der Finanzhilfe in Höhe von acht Milliarden Euro bekommt. Kommt das Geld nicht, könnte Griechenland bis Mitte Oktober pleite sein.

Warnung vor unkontrollierter Insolvenz
Zur jüngsten Debatte um eine mögliche Griechenland-Pleite meldete sich am Dienstag auch die deutsche Bundeskanzlerin Angela Merkel zu Wort. Eine unkontrollierte Zahlungsunfähigkeit Athens müsse um jeden Preis verhindert werden. Diese würde nicht nur Griechenland treffen, sondern die Gefahr sei sehr groß, dass es auch etliche andere Länder treffen könnte.

Eine geordnete Insolvenz eines Euro-Landes sei erst 2013 möglich, sagte Merkel. Gerade weil es derzeit kein geordnetes Verfahren für einen Staatsbankrott gebe, habe man die Gründung des dauerhaften Euro-Rettungsmechanismus ESM beschlossen. Erst dann würden Anleihen ausgegeben, die eine geordnete Insolvenz erlauben.

Merkel schließt Verkleinerung der Euro-Zone weiter aus
Zuletzt war spekuliert worden, dass eine griechische Pleite zumindest so lange hinausgezögert werden sollte, bis der vorläufige Rettungsschirm EFSF ab Oktober zur Verfügung steht. Dieser könnte dann, so die Befürworter eines griechischen Schuldenschnitts, angeschlagene Banken und Euro-Staaten unter die Arme zu greifen, um eine Ansteckung zu vermeiden.

Eine Verkleinerung der Euro-Zone schloss die Kanzlerin erneut klar aus. Es müsse alles getan werden, den Euroraum politisch zusammenzuhalten, "weil wir sehr schnell zu Domino-Effekten kommen würden".

Deutsch-griechische Telefonkonferenz
Der deutsche Finanzminister Wolfgang Schäuble und sein griechischer Amtskollege Evangelos Venizelos haben indessen am Montagabend telefonisch über die griechische Schuldenkrise gesprochen.

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