So, 19. August 2018

Offener Brief

06.09.2011 11:44

Google+: Kritik an Klarnamenzwang wird lauter

Der Klarnamenzwang in Googles sozialen Netzwerk Google+ sorgt weiter für Gesprächsstoff. In einem Brief an Philip Schindler, den Vize-Präsidenten von Google Nord- und Zentraleuropa, kritisieren Netzaktivisten und Politiker aus Deutschland nun offen die Politik des Internetgiganten und plädieren für anonyme Profile in dem Netzwerk-Neuling.

In ihrem offenen Brief begrüßen die Aktivisten zwar Googles Bestreben, durch den Klarnamenzwang das Kommunikationsniveau im hauseigenen sozialen Netzwerk heben zu wollen, kritisieren aber zugleich, dass dieses Ziel durch die von Google gewählte Maßnahme kaum erreicht werden könne, "da jedermann versuchen kann, unter einer Anscheins-Identität aufzutreten, deren Echtheit Sie mit gängigen Online-Verfahren schwer überprüfen können", wie es in dem Schreiben heißt. Auch das von Google vorgebrachte Argument, dem Spam mittels Klarnamenzwang Einhalt zu gebieten, erscheint den Verfassern des Brief als "sehr schwach", da jeder Spammer versuchen werde, "sich einen glaubwürdigen Echtnamen zu geben."

Als Gegenargument führen die Aktivisten die wichtige Schutzfunktion der "Pseudonymität" im Internet an. Die Anonymität erlaube es Menschen mit privaten Problemen aller Art, die diese nicht unter ihrem gesetzlichen Namen schriftlich besprechen könnten, sowie Minderheiten und politisch Andersdenkenden, sich frei zu artikulieren, "ohne Ächtung und Nachteile befürchten zu müssen".

Dies sei essentiell für die freie Meinungsbildung in einer Demokratie. Ein Missbrauch sei zwar möglich, etwa durch Schmähungen und Beleidigungen, wie die Aktivisten einräumen. Dem könnten aber durch Systemmaßnahmen wie etwa Meldeverfahren Grenzen gesetzt werden. Außerdem, führen die Verfasser weiter an, sei ein Missbrauch auch bei anderen Kommunikationsmitteln von Briefen bis zu Telefon und E-Mail nicht ausgeschlossen.

"Insbesondere soziale Netzwerke sollten hier nicht hinter herkömmliche Kommunikationsmittel zurückfallen", fordern die Aktivisten und berufen sich überdies darauf, dass in den Nutzungsbestimmungen für ein Google-Konto auch Pseudonyme erlaubt sind. Außerdem lege das deutsche Telemediengesetz fest, dass ein Anbieter die Nutzung der Telemedien anonym oder unter Pseudonym zu ermöglichen habe, so ein weiteres Argument der Aktivisten für die Abschaffung des Klarnamenzwangs.

Forderung nach offizieller Stellungnahme
Die Verfasser pochen nun auf eine offizielle Stellungnahme von Google und bitten darum, plausible Gründe für den Klarnamenzwang zu nennen. "Sollten Sie sich schon entschieden haben, Ihre bisherige Linie nicht zu ändern, bitten wir Sie darum, uns die Gründe zu nennen", heißt es in dem an Schindler gerichteten Brief. "Wir möchten uns rational entscheiden können, ob wir Ihren Dienst weiter nutzen und wie weit wir ihn in unserem Kommunikationsverhalten im digitalen Raum berücksichtigen wollen. Diese Erwartung haben wir im Übrigen auch an andere Netzwerke, insbesondere Facebook", so die Aktivisten weiter.

Schmidt verteidigte Klarnamenzwang
Ob der Brief Wirkung zeigen wird, bleibt abzuwarten. Eric Schmidt, einstiger Chef und nun Aufsichtsratvorsitzender von Google, hatte den Klarnamenzwang jedoch erst kürzlich bei einer Veranstaltung im schottischen Edinburgh verteidigt und Personen, für die es gefährlich sein könnte, ihren echten Namen im Internet zu veröffentlichen, davon abgeraten, Google+ zu nutzen.

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