Fr, 20. Juli 2018

"Raus aus Holland"

02.09.2011 11:04

Niederländisches TV provoziert mit Abschiebungs-Show

Ein als Unterhaltungsshow inszeniertes TV-Quiz mit abgelehnten Asylwerbern sorgt in den Niederlanden für Wirbel. Mit der am Donnerstagabend im öffentlich-rechtlichen Fernsehprogramm Nederland 3 ausgestrahlten Sendung wollten die Verantwortlichen auf die Abschiebepraxis ihres Landes aufmerksam machen. Die Gewinnerin des Quiz erhielt 4.000 Euro - und muss bald nach Armenien ausreisen.

Nach der Ankündigung der Show hatte in den Niederlanden zunächst Verwirrung darüber geherrscht, ob es sich nur um eine Satire mit Schauspielern handeln würde. Doch Produzent Hans de Kleine bestätigte nach der Ausstrahlung von "Weg van Nederland" ("Raus aus den Niederlanden"), dass die Kandidaten allesamt von der Abschiebung bedroht sind. Sie leben bereits zwischen neun und 13 Jahren in den Niederlanden. Bald müssen sie ausreisen, weil die Behörden nach langwierigen Verfahren jetzt die noch von ihren Eltern gestellten Anträge abgelehnt haben. "Wir zeigen, um was für Menschen es dabei geht und was es für eine Sünde es ist, sie ziehen zu lassen", erklärte Frank Wiering, Chefredakteur der Produktionsfirma VPRO.

Fragen zu Geschichte, Politik, Kultur und Prominenten
In der ersten Folge von "Weg van Nederland" wurden insgesamt fünf Asylbewerbern Fragen zur Geschichte, Politik und Kultur sowie zu Prominenten des Königreichs gestellt. Den Hauptpreis in Höhe von 4.000 Euro gewann die junge Kurdin Gulistan. Sie lebte nach Angaben von VPRO seit elf Jahren in den Niederlanden und hat dort einen Bachelor-Abschluss in Rechtswissenschaften gemacht. Demnächst werde sie nach Armenien abgeschoben.

Die anderen Quiz-Teilnehmer müssen laut VPRO auf Weisung der Behörden nach Tschetschenien, Sri Lanka, Kamerun und Syrien zurückkehren. Wie Chefredakteur Wiering erläuterte, wurde die Show bewusst an das Format des beliebten Heimatkunde-Quiz "Ik hou van Holland" ("Ich liebe Holland") angelegt. In "Weg van Nederland" hätten junge abgelehnte Asylbewerber deutlich gemacht, "wie sehr niederländisch" sie in den letzten Jahren tatsächlich geworden seien.

Ausländische Sender zeigen Interesse
Viele Zuschauer lobten das Anliegen der Sendung und äußerten sich in Twitter-Botschaften sowie E-Mails kritisch zur Abschiebepraxis ihres Landes. Politiker in Den Haag reagierten zunächst nicht auf die Sendung, die nach Angaben der Produzenten auch bei der britischen BBC sowie bei Sendern in Frankreich, Deutschland und Belgien auf Interesse stieß.

In der bewusst mit Ironie und Sarkasmus inszenierten Quiz-Show konnten die jeweils ausscheidenden Kandidaten sich Trostpreise aussuchen - von holländischen Blumenzwiebeln "zur Verschönerung des Gartens daheim" bis zum "Survival Kit". Sie wurden dann von zwei "Stewardessen", die polizeiähnliche Uniformen trugen, in ein stilisiertes Flugzeug gen Heimat gesetzt. Ob es weitere Folgen von "Weg van Nederland" geben werde, sei unklar, sagte Produzent Hans de Kleine. An Kandidaten würde es allerdings nicht mangeln.

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