Di, 14. August 2018

Mutter 'überfordert'

23.08.2011 13:11

Wienerin schüttelte ihr Baby zu Tode - 18 Monate Haft

Zu eineinhalb Jahren Haft – davon drei Monate unbedingt – ist eine 25-jährige Krankenschwester am Dienstag im Wiener Straflandesgericht verurteilt worden, weil sie ihre viereinhalb Monate alte Tochter im Vorjahr derart heftig geschüttelt hatte, dass das Baby vier Tage später an einem Schädel-Hirn-Trauma gestorben war. Das Urteil wegen Körperverletzung mit tödlichem Ausgang ist bereits rechtskräftig.

Laut Anklageschrift war die verheiratete Frau mit der Betreuung ihrer Zwillinge überfordert. Mit der einen Tochter wäre an dem Unglückstag ein Arztbesuch angestanden. Während die zweite im Gitterbett vor sich hin weinte, ließ sich das quirligere Mädchen nicht umziehen, "sodass die Angeklagte die Nerven verlor und sich nicht mehr anders zu helfen wusste, als sie am Körper zu packen und heftig zu schütteln", hieß es in der Anklageschrift.

Baby "durch Schütteln zum Leben erwecken wollen"
Die Mutter stellte das vor Gericht aber in Abrede und behauptete, das Mädchen wäre ihr vom Wickeltisch gefallen, weil sie durch das Weinen des zweiten Kindes abgelenkt gewesen sei. "Vielleicht habe ich zu lange weggeschaut und sie ist runtergefallen. Sie ist leblos dagelegen", schluchzte die 25-Jährige. Sie habe "Panik bekommen, sie in die Höhe gerissen und geschüttelt und angeschrien", erklärte die Krankenschwester. Seine Mandantin habe das Kind "durch das Schütteln zum Leben erwecken wollen", bemerkte Verteidiger Roland Friis.

Die Sachverständigengutachten erschütterten die Verantwortung der Angeklagten allerdings nachhaltig. Der Gerichtsmediziner Johann Missliwetz und der Neuropathologe Herbert Budka, der das Hirn des ums Leben gekommenen Säuglings untersucht hatte, fanden keinen Hinweis auf den behaupteten Sturz. "Es konnten weder am Schädel noch am Rumpf irgendwelche Verletzungsspuren objektiviert werden. Keine Kratzer, keine Abschürfungen", sagte Missliwetz.

Gutachter ging von Schütteltrauma aus
Der Atemstillstand, den die schließlich von der Mutter alarmierten Rettungskräfte festgestellt hatten, sei mit einem Sturz nicht erklärbar. Die bei der Obduktion festgestellte Hirnverletzung mit Blutungen sowie Blutungen in der Netzhaut würden bei völligem Fehlen äußerer Verletzungen vielmehr darauf hindeuten, "dass ein Schütteltrauma todesursächlich war", gab Missliwetz zu Protokoll.

Für den Schöffensenat unter dem Vorsitz von Karin Beber stand daraufhin fest, dass es sich bei der Version der Angeklagten um eine Schutzbehauptung handelte. "Wir gehen davon aus, dass ein Schütteln ohne Sturz vom Wickeltisch stattgefunden hat. Sie haben - aus welchen Gründen auch immer - das Kind heftig geschüttelt, das dadurch zu Tode gekommen ist", hieß es in der Urteilsbegründung. Das Gericht ortete ein "massives Fehlverhalten", die Mutter habe "mit Misshandlungsvorsatz auf das Kind eingewirkt".

Die 25-Jährige erklärte sich mit der verhängten Strafe einverstanden. Die Staatsanwältin verzichtete ebenfalls auf Rechtsmittel.

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