So, 19. August 2018

Streuschicht schuld

18.08.2011 15:25

Tropische Wälder geben immer mehr CO2 in die Luft ab

Der Klimawandel fördert das Wachstum der tropischen Wälder. Eigentlich eine positive Entwicklung, doch wie britische Forscher herausgefunden haben, gibt es dabei auch einen negativen Effekt. Schuld daran ist die immer dicker werdende Streuschicht am Waldboden, in der Mikroben Kohlenstoff erzeugen. Dieses wird dann als klimaschädliches CO2 in die Luft abgegeben.

Durch das zunehmende Wachstum landen auch immer mehr tote Pflanzenreste am Waldboden, welche dann von den Mikroorganismen abgebaut werden. Die klimaschützende Wirkung der Wälder könnte daher durch den "Appetit" der Bakterien massiv eingeschränkt werden oder sogar ins Gegenteil kippen, berichten Wissenschaftler im Fachmagazin "Nature Climat Change".

Für ihre Studie hatte das Forscherteam sechs Jahre lang das Wachstum der Bäume und die Entwicklung der Streuschicht in den Regenwäldern Panamas beobachtet und dokumentiert. Aus ihren Ergebnissen konnten die Wissenschaftler eine konkrete Vorhersage für zukünftige Entwicklungen ableiten. "Wir prognostizieren, dass bei einer zukünftigen Zunahme der Streu von 30 Prozent rund 0,6 Tonnen Kohlenstoff pro Hektar und Jahr freigesetzt werden könnten", so die Forscher.

Natürliche Kohlenstoff-Filter
Tropische Wälder gelten als wichtige Filter im Kohlenstoffkreislauf der Erde. Die wachsenden Bäume nehmen Kohlendioxid aus der Luft auf und bauen es über Jahrzehnte oder sogar Jahrhunderte in ihr Gewebe ein. Dadurch wirken sie wie natürliche Filter und entziehen der Atmosphäre einen beträchtlichen Teil des Treibhausgases.

Sterben die Pflanzen ab, gelangt der Kohlenstoff als Humus in den Waldboden und bleibt dort einige Zeit gespeichert. Erst im letzten Jahr hatte ein internationales Forscherteam nachgewiesen, dass Böden von Mangrovenwäldern deutlich mehr Kohlenstoff aufnehmen können als angenommen. Weil ein steigender Kohlendioxidgehalt der Luft das Pflanzenwachstum fördert, ging man davon aus, dass der Klimawandel die Speicherfunktion der Wälder und Waldböden eher erhöht. Dass Prozesse in der Streuschicht diese Wirkung jedoch teilweise wieder aufheben können, belegt jetzt die aktuelle Studie.

In Form von CO2 in der Luft
Der Kohlenstoff bleibt demnach nicht im Boden, sondern wird in Form von CO2 in die Luft abgegeben. Diese Menge an Kohlenstoff könnte größer sein als jene, die in den letzten Jahrzehnten im Amazonas-Regenwald durch steigendes Pflanzenwachstum gebunden werden konnte. Angesichts der großen Landfläche, die tropische Wälder ausmachen, könnte sich das schwerwiegend auf den globalen CO2-Haushalt auswirken.

"Unsere Studie zeigt, dass Wechselwirkungen zwischen Pflanzen und dem Boden einen massiven Einfluss auf die Verarbeitung des Kohlenstoffs haben", sagt Emma Sayer vom Centre for Ecology & Hydrology an der University of Cambridge gegenüber dem Magazin "National Geographic". Klimamodelle müssten daher auch die Rückkopplungen in Streu und Boden berücksichtigen, um zukünftige Konzentrationen des Treibhausgases Kohlendioxid in der Atmosphäre korrekt zu prognostizieren.

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