Junge Oper

Carmen in einer Arena der Leidenschaften

Oberösterreich
27.09.2022 16:00
Leidenschaftlich, jung, sängerisch exzellent! Das erreicht „La Tragédie de Carmen“, eine Österreichischen Erstaufführung im Musiktheater. Claudio Novati dirigiert präzise eine kleine Besetzung des Bruckner Orchesters.

Schon 1981 hatte der heuer verstorbene Regisseur Peter Brook die Bizet-Oper „Carmen“ verdichtet, um die Tragödie um Liebe und Tod schnörkellos freizulegen. Aber erst am Sonntag erlebte „La Tragédie de Carmen“ eine hervorragende Österreichische Erstaufführung durch das Opernstudio.

Zeitgeist ist erlaubt
Die Inszenierung liegt in den versierten Händen von Gregor Horres, der die jungen Sängerinnen und Sänger zu Hochleistungen führt. Die Bühne (Jan Bammes) lässt für diese „Arena der Leidenschaften“ viel Raum, ganz nach Brooks Konzept. Auch der Zeitgeist der Gegenwart tut dieser Tragödie gut.

Verdichtete Handlung
Sophie Kidwell ist eine freiheitsliebende Carmen, die zwischen Unteroffizier und Stierkämpfer hin- und hergerissen ist. Schauspielerisch überzeugend beweist sie besonders bei der Arie „Habanera“ brillante Stimmführung. Die beginnende Liebelei mit Don José, gesungen von Ángel Vargas, macht ihr Spaß - und ist von kurzer Dauer. Sopranistin Tina Josephine Jaeger sucht als Micaela nach ihrem Verlobten und wird von Eifersucht eingeholt.

Navid Taheri Derakhsh ist ein mutiger Torero, der sich in den Kampf um Carmen begibt. Doch diese liest aus den Karten ihren eigenen Tod voraus. Claudio Novati dirigiert 15 Musiker des Bruckner Orchesters. Er sieht die kleinere Besetzung als Gelegenheit, das Stück neu zu paraphrasieren und betont im präzisen Dirigat Solistisches. Ein beachtliches Ergebnis!

Fred Dorfer

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