03.08.2011 19:33 |

Drogen & Korruption

Ex-Chef: Königliche Tower-Wache führt ein Lotterleben

Mobbing, Korruption und Drogen: Mit schmutzigen Vorwürfen werden derzeit die königlichen Wächter des Londoner Towers konfrontiert. Bereits 2009 waren zwei der Beefeaters wegen Mobbings an ihrer ersten und auch einzigen weiblichen Kollegin entlassen worden. Aber auch ansonsten sollen die Zustände in der Garde-Truppe von Zucht und Ordnung weit entfernt gewesen sein, wie der ehemalige Chef der erlesenen Truppe, Keith Cima, jetzt vor Gericht erzählt.

So sollen junge Touristinnen nicht nur Gratisführungen durch die Juwelenkammer, sondern sogar Übernachtungen in den Wohnungen der Gardisten erhalten haben. Mitten im Allerheiligsten der britischen Krone sollen nicht nur Cannabis-Pflanzen gediehen sein, sondern auch der Schwarzmarkt mit Eintrittskarten. In der Krypta der königlichen Kapelle soll es "nicht genehmigte Empfänge" gegeben haben.

Vorgesetzter weist Cimas Vorwürfe zurück
Der Tower habe sich "prostituiert", so 2009 dann die öffentliche Kritik des ehemaligen Garde-Chefs Cima zu den unrühmlichen Vorgängen hinter den Mauern des Towers. Sehr zum Missfallen seines Vorgesetzten, der dies unpassend für einen Soldaten seines Dienstgrades empfand. Cima musste gehen.

Der frühere Generalmajor der britischen Streitkräfte klagt jetzt auf Wiedereinstellung - und nutzte die Gelegenheit seines Auftrittes vor dem Arbeitsgericht in London zur Abrechnung. Cimas früherer Vorgesetzter, Michael Day, hält dieses Ansinnen für "undenkbar". Cima habe sich bereits bei seiner Entlassung wie ein trotziges Kind verhalten, so Day, der die Vorwürfe seines Ex-Mitarbeiters aufs Strikteste zurückweist.

Weibliche Kollegin gemobbt
Alles fing 2007 an, als sich mit der Schottin Moira Cameron erstmals eine Frau den blauroten Uniformrock mit der Krone auf der Brust überzog. 500 Jahre lang war die Bewachung des Towers und seiner Kronjuwelen Männersache. Mindestens 22 Jahre müssen sie in der Armee Ihrer Majestät vorzüglich gedient haben, ehe sie sich zum erlauchten Kreis der Tower-Wachen überhaupt nur bewerben dürfen.

Das blieb bis heute so, obwohl die Wachen inzwischen überwiegend Staffage und vor allem für das Herumführen von Touristen zuständig sind. Erhalten blieben auch viele Privilegien. So haben die "Beefeater" exklusiven Zugang zu einem eigenen Pub im Tower und dürfen innerhalb der Festung in Londoner 1-A-Lage in schmucken Dienstwohnungen residieren. Nur die früher übliche Rindfleischration als Teil des Soldes, die der Garde ihren Spitznamen einbrachte, gibt es nicht mehr.

Schon seit 1598 Trunksucht, Unordnung und Zank
Die Schottin beschwerte sich schnell über Mobbing einiger ihrer 36 männlichen Kollegen. Zwei der ehrwürdigen Yeomen Warders, wie die Tower-Wache offiziell heißt, mussten ihre imposanten Hüte nehmen - später wurde einer von ihnen mit 60.000 Pfund (rund 68.000 Euro) entschädigt.

Doch Ruhe wollte hinter den dicken Mauern der Festung an der Themse, wo ein Wachoffizier schon im Jahr 1598 "Trunksucht, Unordnung und Zank" in der Truppe diagnostiziert hatte, dennoch nicht einkehren. Im Gegenteil, wie die aktuellen Vorwürfe beweisen.

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