28.07.2011 12:20 |

Neu entdeckter Sinn

Deutsche Studie: Auch Delfine spüren elektrische Felder

Nicht nur Haie, sondern auch Delfine verfügen über ein Sinnesorgan für elektrische Reize. Das haben jetzt Rostocker Forscher an Guyana-Delfinen in einem Delfinarium im deutschen Münster nachweisen können. Diese Fähigkeit hilft den Meeressäugern offenbar bei der Jagd in trüben Gewässern, so die Wissenschaftler.

Entdeckt haben die Rostocker Forscher entsprechende Rezeptoren auf den Schnauzen der in südamerikanischen Gewässern beheimateten Guyana-Delfine. Bislang war die Elektrorezeption vor allem von Fischen und Amphibien bekannt, bei Säugern dagegen nur von den Schnabeltieren. Es sei nun zu vermuten, dass die Elektrorezeption noch bei weiteren, hauptsächlich im Wasser lebenden Säugern wie Delfinen oder Walen vorkomme, sagte Wolf Hanke vom Lehrstuhl für sensorische und kognitive Ökologie der Universität Rostock. Er ist Hauptautor der Delfin-Studie, die im Fachjournal "Proceedings of the Royal Society B" veröffentlicht wurde.

Für ihre Untersuchungen standen den Biologen zwei Guyana-Delfine im Delfinarium in Münster zur Verfügung. Als eines der Tiere im Alter von 29 Jahren starb, konnte der Aufbau der Rezeptoren untersucht werden. An dem Partnerdelfin wurde das Verhalten erforscht. Das Tier musste dabei seinen Kopf durch einen Ring legen und die Schnauze an einen Plastikball legen. Der elektrische Reiz wurde über zwei Elektroden abgegeben. Dem Delfin wurde beigebracht, auf ein extrem schwaches elektrisches Feld von knapp fünf Mikrovolt pro Zentimeter zu reagieren und dann den Ring zu verlassen. Das richtige Verhalten wurde mit Futter belohnt.

Rezeptoren bei Jagd wichtig
Es sei anzunehmen, dass die Guyana-Delfine die Rezeptoren zur Jagd benötigen, sagte Hanke. Sie leben und jagen viel im trüben Wasser. Es sei daher hilfreich, elektrische Felder zu erkennen, die von Fischen ausgesendet werden.

Wie Hanke weiter berichtete, haben sich im Laufe der Evolution die Elektrorezeptoren beim Guyana-Delfin aus den Follikeln der Barthaare entwickelt. Da es sich dabei um einen anderen Entwicklungsweg als bei dem in Australien und Neuseeland lebenden Schnabeltier handelt, gehen die Rostocker davon aus, dass Elektrorezeptoren in der Evolution mehrmals entwickelt wurden.

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