26.07.2011 07:08 |

USA vor der Pleite

US-Schuldenstreit: Obama warnt vor 'gefährlichem Spiel'

Mit einem dramatischer Auftritt hat Präsident Barack Obama vor einem Scheitern im US-Finanzstreit gewarnt. In einer TV-Rede an die Nation wandte er sich an die Opposition und warnte vor einer "schwere wirtschaftlichen Krise", falls es nicht innerhalb der nächsten Tage eine Einigung über die Erhöhung des Schuldenlimits geben sollte.

In der Rede warnte Obama davor, eine Zahlungsunfähigkeit würde Millionen Amerikaner treffen. Falls internationale Ratingagenturen ihre Drohung wahr machten und die Kreditwürdigkeit der USA herabstufen, hätte dies schwere Folgen.

Außerdem warf Obama den Republikanern vor, mit ihrer kompromisslosen Haltung einen "politischen Krieg" zu führen. Dies sei ein "gefährliches Spiel, das wir nicht spielen dürfen". Eindringlich forderte er einen Kompromiss. Neben drastischen Einschnitten bei den Sozialausgaben müsse es auch Steuererhöhungen für Reiche geben. Eine andere Lösung "wäre nicht fair". Beide Seiten hätten Verantwortung, die Krise zu lösen. "Wir befinden uns in einer Pattsituation, beide Seiten müssen Opfer bringen", fügte Obama hinzu.

"Es wird keinen Blankoscheck geben"
Der Republikanerführer John Boehner reagierte auf Obamas Rede mit demonstrativer Kühle und wies die Kritik zurück. Obama "will einen Blankoscheck und den wird es nicht geben". Erneut betonte er die Forderungen der Republikaner nach massiven Einsparungen und Ablehnungen von Steuererhöhungen.

Keine Zustimmung für Entwürfe der Gegenseite
Zuvor hatte Boehner am Montag einen Plan vorgelegt, der eine Anhebung der Schuldengrenze verbunden mit Einsparungen in zwei Etappen vorsieht - was Obama aber bereits mehrfach abgelehnt hatte. Das Weiße Haus stellte sich dagegen hinter einen Entwurf, den der demokratische Senatsführer Harry Reid präsentierte. Danach soll das Schuldenlimit - ebenfalls verknüpft mit Ausgabenkürzungen - in einem einzelnen Schritt angehoben werden.

Beide Seiten machten aber bereits unmissverständlich klar, dass sie dem Entwurf der Gegenseite nicht zustimmen werden. Der Boehner-Plan sieht nach Medienberichten zunächst ein Paket von Einsparungen in Höhe von 1,2 Billionen Dollar binnen zehn Jahren und eine Erhöhung des Kreditrahmens um rund eine Billion vor. Anfang 2012 soll dann der Kongress weitere Kürzungen von mindestens 1,8 Billionen Dollar beschließen. Daran gekoppelt würde der Kreditrahmen um weitere 1,6 Billionen Dollar erhöht werden.

Reid schlägt dagegen Einsparungen von 2,7 Billionen Dollar und eine Anhebung des Schuldenlimits in einem Schritt über 2012 hinaus vor. Damit würde eine Wiederholung des Schuldenstreits im kommenden Jahr vermieden.

Experten fürchten Zahlungsunfähigkeit und ihre Folgen
Experten fürchten, dass für eine echte Einigung die Zeit nicht mehr ausreicht. Beiden Seiten bleibt nur noch gut eine Woche Zeit. Falls es bis zum 2. August keine Einigung über die Erhöhung des Schuldenlimits von derzeit 14,3 Billionen Dollar (zehn Billionen Euro) geben sollte, droht erstmals in der Geschichte der USA die Zahlungsunfähigkeit. Sollte dieser Fall eintreten, befürchten Experten katastrophale wirtschaftliche Folgen.

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