27.05.2022 06:00 |

„Krone“-Kolumne

Fairplay beim Dominanzspiel statt Erniedrigung

Soziologin und Sexualpädagogin Barbara Rothmüller diesmal dazu, wie junge Männer die BDSM-Kultur missverstehen.

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Was kommt dabei heraus, wenn eine Gruppe junger Männer gemeinsam Fifty Shades of Grey schaut? Wenig Gutes. Für Matteo und Omar beispielsweise bleibt nach dem Film der Eindruck zurück, dass „Frauen irgendwie darauf stehen“, wenn sie erniedrigt und dominiert werden. Die Darstellung der toxischen Beziehung zwischen Anastasia und Christian schadet dem Verständnis von Sexualität mindestens genauso viel wie sie anturnt: Sie erotisiert Erniedrigung und verwischt den schmalen Grad zwischen einvernehmlichen Dominanzspielen und sexueller Gewalt. Seit das Erotikdrama 2015 veröffentlicht wurde, haben sich die Mythen zu Sadomasochismus kaum verringert. Während Fifty Shades of Grey trotz schlechter Kritiken ein unfassbarer kommerzieller Erfolg war, floppten Folgeprojekte wie etwa die Netflix-Serie Bonding, die bereits nach zwei Staffeln abgedreht wurde.

Noch bis vor 10 Jahren wusste man wenig über BDSM-Praktiken. Die Abkürzung steht für eine Gruppe sexueller Aktivitäten, bei denen Partner einvernehmlich Fesselung, Lustschmerz, Unterwerfung oder Dominanz ausüben. Solange niemand geschädigt wird und alle Beteiligten Spaß daran haben, gilt BDSM als eine sexuelle Präferenz unter anderen. Die aktuelle Forschung zeigt, dass BDSM allerdings weniger als privater kinky Sex im Schlafzimmer zu sehen ist, sondern mehr wie Kayaking oder Bergklettern: eine ernsthafte Freizeitaktivität, die häufig viel Übung, Zeit und Geld sowie soziale Netzwerke erfordert. BDSM ist eine eigene Kultur. Es gibt Ausbildungsseminare, bei denen BDSM-Techniken und die Kommunikation bei Dominanzspielen vermittelt werden. BDSM-Communities teilen außerdem einen eigenen Verhaltensethos, bei dem Konsens im Zentrum steht. Das kann man von den meisten medialen Darstellungen nicht behaupten.

Es sind besonders häufig junge Männer, die versuchen, ihre Unsicherheit mit übertriebener Dominanz auszugleichen. Das ist ein Problem. Junge Frauen berichten davon, dass Männer ihr Nein regelmäßig nicht akzeptieren. Sexuelle Belästigung hat mit einvernehmlichen Dominanzspielen nichts zu tun. Hier für mehr Klarheit zu sorgen wäre wichtig, damit auch für junge Zuseher wie Matteo, Omar und ihre Freunde kein Zweifel daran bleibt, dass Frauen Erniedrigung und Dominanz ohne Einverständnis nicht geil finden.

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Barbara Rothmüller
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