Australian Open

Safin gewinnt erstmals Australian Open

Sport
30.01.2005 16:23
Erst Wahnsinn, dann Genie: Marat Safin hat die riesigen Hoffnungen auf den ersten einheimischen Tennis-Triumph bei den Australian Open seit 1976 zerstört und sich im dritten Anlauf den Titel in Melbourne gesichert.
Mit dem 1:6, 6:3, 6:4, 6:4.über LokalmatadorLleyton Hewitt entschädigte sich Safin am Sonntag in Melbournefür seine Final-Niederlagen gegen den Schweden Thomas Johansson2002 und gegen den Schweizer Roger Federer im Vorjahr. Fürden anfangs ganz schwach, dann aber wie beseelt aufspielendenMoskauer war es der zweite Grand-Slam-Titel nach den US Open 2000,als er Pete Sampras ebenfalls trotz Heimvorteil entzaubert hatte.
 
"Den ersten Satz konnte man nicht Tennis nennen.Da habe ich nicht gedacht, dass ich gewinne, weil ich so weitdavon weg war. Dieser Sieg ist eine große Erleichterung",sagte Safin drei Tage nach seinem 25. Geburtstag und konnte mitdem Pokal zu seinen Füßen seinen Triumph noch nichtrecht begreifen. "Ich muss erst in mein Hotelzimmer gehen undmir ihn ansehen, bevor ich es glauben kann. "
 
Kein australischer Heimsieg
Hewitt schaffte es zum 100. Geburtstag des Turniersnicht, als erster Australier seit Mark Edmondson vor 29 Jahrenfür einen Erfolg der Gastgeber zu sorgen und sich seinenKindheitstraum zu erfüllen. Seinen dritten Grand-Slam-Titelnach den US Open 2001 und Wimbledon 2002 hatte der Arbeiter ausAdelaide bereits vor viereinhalb Monaten in New York gegen Federerverpasst, der am Donnerstag im Halbfinale an Safin gescheitertwar.
 
Hewitt sehr enttäuscht
Seinem Bezwinger gratulierte er ehrlich und lobte:"Ich habe nicht so schlecht gespielt. Ich habe das Spiel nichtverloren, er hat es gewonnen." Direkt nach dem Endspiel zeigtesich Hewitt zwar sehr enttäuscht, doch den Kopf wollte ernicht hängen lassen. "Es war ein irres Gefühl, das ganzeLand hinter sich zu wissen."
 
"Los, Aussie, los"
Die einheimischen Medien hatten ihn am Sonntag nocheinmal gehörig unter Druck gesetzt. "Schicksalstag" titeltedie "Herald Sun" aus Melbourne, "Los, Aussie, los", forderte dielokale Zeitung "The Age". Der 23-Jährige ließ sichdavon nicht nervös machen. Die Fehler produzierte anfangsSafin, dem nach eigenen Worten seine verlorenen Finals im Kopfherum spukten.
 
Das Geschehen wendete sich erstmals im zweiten Durchgang,weil Safin nun besser spielte. Nachdem er im dritten Satz dieersten, hart umkämpften Spiele verlor, malträtierteder Weltranglisten-Vierte wie so oft seinen Schläger undließ sich dann an den Oberschenkeln behandeln. Es zahltesich aus, denn nach einem 1:4-Rückstand nutzte der 1,93 Metergroße Hüne konsequenter seine Power.
 
16.000 Fans in der Rod-Laver-Arena hofften auf eineletzte Energieleistung ihres Lieblings. Doch der vom einstigenFederer- Trainer Peter Lundgren betreute Safin nahm Hewitt imvierten Satz sofort wieder den Aufschlag ab und steigerte sichmit sieben Spielgewinnen nacheinander in einen Rausch. Der Lokalmatadorhatte dem unglaublichen Tempo nur noch wenig entgegen zu setzen.Nach 2:45 Stunden verwandelte Safin gleich den ersten Matchballund feierte im elften Vergleich gegen Hewitt seinen sechsten Sieg.
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