Hase ist „Deutscher“

Hätten Sie‘s gewusst? So feiert Österreich Ostern

Leben
07.04.2023 15:00

Österreich ist ein Land des Brauchtums. Auch in der Osterzeit gibt es viele ursprüngliche kirchliche und heidnische Riten, die liebevoll gepflegt, von Generation an Generation weitergegeben und zelebriert werden. Von Osterfeuern bis Trommelratschen, von Palmeseln bis hin zu regionalen, kulinarischen Leckerbissen - jedes Bundesland pflegt auch eigene Bräuche. Allen Bundesländern gemeinsam und auch über die Grenzen der Alpenrepublik bekannt: bunte Eier und der Osterhase, der spätestens am Ostersonntag nicht fehlen darf - am liebsten natürlich in Schokolade gegossen. Lesen Sie hier mehr über traditionelles Brauchtum in Österreich. 

Ostern ist eines der wichtigsten Kirchenfeste des Jahres und gehört zu den beweglichen Festen (deren Kalenderdatum alljährlich variiert). Als Vorbereitung auf das Fest der Auferstehung steht die 40-tägige Fastenzeit, die am Gründonnerstag - oder, je nach Zählweise, am Palmsonntag - endet. Am Ende der auch heute noch oft von Verzicht und Enthaltsamkeit geprägten Passionszeit steht schließlich die Karwoche, die ihren finalen Höhepunkt am Ostersonntag - im Jahr 2022 am 17. April - einläutet.

Anlässlich der Osterfeierlichkeiten werden in Österreich viele Bräuche begangen, wobei es viele Gemeinsamkeiten - Ostermärkte-, -feuer und -eier, Speisensegnungen, etc. - oft aber auch regionale Unterschiede bzw. Schwerpunkte gibt.

  • Wer zu Ostern etwa nach Salzburg reist, darf sich auf „Godnleit“, Pinzen aus Germteig und den Brauch des sogenannten Antlaßeies freuen. Letztere werden gerne an Hühner verfüttert, damit sie weiter brav legen oder auch über Häuser geworfen - was das Heim vor Unwettern oder Blitzschlag schützen soll.
  • Ein weiterer ursprünglicher Brauch sind Palmesel-Prozessionen, die den Einzug von Jesus in Jerusalem nachstellen sollen. Dieser Brauch wird auch in Tirol zelebriert.
  • In Tirol findet nicht nur alljährlich das „Grasausläuten“ statt, bei dem junge Männer durch das Läuten von Glocken den Winter aus den Tiroler Bergen vertreiben wollen. Außerdem ziehen die „Ratscherbuam“ durchs Land, denn in der Karwoche stehen die Glocken still und läuten bekanntlich erst wieder am Ostersonntag.
  • Auch in Niederösterreich ist das „Ratschen“ Brauch. Ebenfalls noch in vielen Ortschaften gängig: Fastenkrippen, die den Leidensweg Christu oder dessen Tod darstellen.
  • In mehreren Bundesländern werden Altäre verhüllt und oft bunte, beleuchtete Glaskugeln rund um ein nachgeahmtes „Grab“ aufgestellt.
  • In Oberösterreich hingegen ist es üblich, in der Fastenzeit zur Beichte zu gehen. An den Beichttagen werden häufig Beichtkipferl oder -brezen gegessen.
  • Eine heidnische Tradition sind Osterfeuer, die vor allem in Kärnten und der Steiermark in der Nacht auf Ostersonntag verfeuert werden. Sie stehen als Freudensymbol für die Auferstehung Jesu, sind aber vielerorts offiziell verboten.
  • In Kärnten darf man sich auf Fastentücher (etwa in Gurk) und Kugelstoßen freuen, auf Spinat am Gründonnerstag und - die Kinder - auf einen „Gotenstrutz“ - ein Gebäck, dem oft noch Spielsachen und Schoko-Hasen beiliegen.
  • Besonders in Kärnten und der Steiermark begeht man traditionell am Ostersamstag auch die Speisensegnung, Fleischweihe genannt. In meist geflochtenen Körben werden im Rahmen eines Gottesdienstes oder eines Gebetes Schinken, geräuchertes Fleisch, Eier und auch Gebäck - in Kärnten etwa ein Reindling - gesegnet.
  • In der Steiermark trägt man auch Weihfeuer von Haus zu Haus.
  • In ganz Österreich werden bekanntlich Eier bemalt und verschenkt - für Kinder werden Osternester und andere Geschenke versteckt.
  • Der Osterhase, der die Eier bringt, ist - unabhängig vom Bundesland - aus der österreichischen Kultur kaum noch wegzudenken.

Nicht mehr in die Osterzeit fällt übrigens der Vierbergelauf in Kärnten: Dabei handelt es sich um einen uralten Brauch, bei dem zwei Wochen nach dem Osterfest eine über 50 Kilometer lange Strecke, ausgehend vom Magdalensberg, begangen wird. Wer den nicht unbeschwerlichen Marsch dreimal bewältigt hat, dem ist der Weg ins Paradies sicher, so die Legende.

Woher kommt der Brauch vom Osterhasen?
Der Hase gilt als Fruchtbarkeitssymbol und taucht bereits in der ägyptischen Mythologie auf. Die Vorstellung vom Hasen als österlichem „Eierbringer“ ist zum ersten Mal im 17. Jahrhundert belegt - und zwar in Deutschland. Erwähnt wurde Meister Lampe als Überbringer farbiger Eier damals von einem Frankfurter Arzt, der in Heidelberg promovierte (die Dissertation trug den Titel „De ovis paschalibus - von Oster-Eyern“). Ihm zufolge soll der Brauch im Elsass, in der Pfalz und am Oberrhein entstanden sein.

Wieso dürfen Eier zu Ostern nicht fehlen?
Das Ei ist ein altes Fruchtbarkeitssymbol, Ursprung des Lebens, des Seins und Werdens. Bereits 5000 v. Chr. hat man zum Frühlingsfest bunt bemalte Eier verspeist. Das heute allgemein gebräuchliche Verschenken bunter Eier lässt sich sogar bis auf die alten Chinesen zurückverfolgen. Bis in das 15. Jahrhundert verstand man unter „Ostereiern“ auch ein „bis zu Ostern abzulieferndes Zinsei“. Den am Gründonnerstag oder Karfreitag gelegten Eiern sprach der Volksglaube überdies Unheil abwehrende und Segen spendende Wirkung zu. Verzierte Ostereier werden erstmals 1615 erwähnt. 

Worauf geht der Brauch der Speisensegnung (Fleischweihe) zurück?
Der Brauch der Speisensegnung zu Ostern - fälschlich Fleischweihe genannt - wird normalerweise besonders in Österreich, Bayern und Südtirol gepflegt. Er lässt sich bis in das 7. Jahrhundert zurückverfolgen. Speisen wie Fleisch und Eier, deren Genuss in der strengen mittelalterlichen Fastenordnung verboten war, gewannen durch die österliche Segnung im Volksglauben besondere Bedeutung und Kräfte.

Woraus besteht eine traditionelle Osterjause?
Ein saftiger geräucherter Schinken, ein paar harte Eier mit bunten Schalen, eine Scheibe dunkles Brot, danach noch ein mürbes Stück von der Germteig-Pinze - so genießen viele Österreicher traditionell das Frühstück am Ostermorgen. Kren und Eier dürfen natürlich ebenso nicht fehlen!

Warum zünden wir eine Osterkerze an?
Der Brauch einer besonderen Osterkerze, liturgische Lobpreisung in der Osternachtfeier und zugleich Darbringung und Segnung, tauchte erstmals 384 in Piacenza auf. Dieses Sinnbild für den auferstandenen Christus erhielt im Laufe der Jahrhunderte seine heutige Gestalt und Gestaltung. Auf der Vorderseite ist mit Wachs ein Kreuz eingetragen, über dem der erste (Alpha) und der letzte (Omega) Buchstabe des griechischen Alphabetes zu lesen ist. Die Osterkerze wird bis zum Fest Christi Himmelfahrt bei jedem Gottesdienst und zu jeder Taufe angezündet.

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(Bild: kmm)



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