07.06.2011 15:02 |

Wegen Platzmangels

WU-Rektor will auf Rechtsweg 193 Mio. € lukrieren

Der Mangel an Studienplätzen an der Wirtschaftsuniversität Wien ist kein Novum mehr - der Bedarf sei fast fünf Mal höher als die vorhandenen Kapazitäten, so Christoph Badelt, Rektor der WU. Doch eine adäquate Lösung scheint es noch immer nicht nicht zu geben: Weder habe er die Möglichkeit, Studienplätze zu beschränken, noch bekomme er mehr Geld, beklagte er sich am Dienstag. Doch Badelt "reicht es jetzt", er will nun um ein höheres Budget für die WU kämpfen - und zwar auf dem Rechtsweg. In Zahlen ausgedrückt: für die Jahre 2010 bis 2012 zusätzlich 64,4 Millionen Euro pro Jahr vom Wissenschaftsministerium.

Eigentlich waren der WU bei den Verhandlungen Platzbeschränkungen zugesagt worden, doch diese wurden nie eingeführt, wodurch sich aus Rektor Badelts Sicht "wichtige Rahmenbedingungen geändert" hätten. So gab es nämlich weder mehr Geld, noch die Möglichkeit, die Studentenzahl zu begrenzen.

Viele Bewerber, aber nicht genügend Studienplätze
Von zwölf Masterstudien an der WU gibt es nur bei den vier englischsprachlichen Mastern eine Zugangsbeschränkung auf 60 bzw. 80 Studienplätze – die Zahl der Bewerber liege jedoch deutlich höher, so die Hochschülerschaft an der WU. Zu den deutschsprachigen Mastern werden hingegen alle Bewerber mit facheinschlägigem Bachelor zugelassen. Doch auch hier übersteige die Zahl der Interessierten die der verfügbaren Studienplätze bei weitem, so die WU.

"Inoffizielle Zugangsbeschränkung"
Deshalb müssen diese Studenten eine oder mehrere Einführungslehrveranstaltungen positiv absolvieren, bevor sie sich zu allen weiteren Prüfungen und Lehrveranstaltungen anmelden können. Stefan Kilga, Vorsitzender der ÖH an der WU, spricht in diesem Zusammenhang von einer "inoffiziellen Zugangsbeschränkung". Denn wer die Einführungslehrveranstaltung nicht auf Anhieb schafft, muss mit Verzögerungen rechnen, warnt die WU selbst. Denn "aufgrund der allseits bekannten Unterfinanzierung" wird diese jeweils nur im Wintersemester angeboten.

80 Prozent "zu blöd" für ein Studium an der WU?
Ab dem kommenden Wintersemester wird sich die Studiensituation jedoch noch weiter verschärfen. Ab diesem Zeitpunkt gelten an allen Unis neue Zugangsregelungen, wonach Prüfungen in der Studieneingangsphase nur mehr einmal wiederholt und von jeder Uni autonom nur eine weitere Wiederholung erlaubt werden kann. Für WU-Rektor Badelt ist dies überhaupt "der Gipfel des Zynismus": Denn würde die Wirtschaftsuniversität 80 Prozent der Studienanfänger tatsächlich nicht aus Platzmangel, sondern aus qualitativen Gründen "rausprüfen", "dann hätten wir das Problem, dass 80 Prozent der Leute - mit Verlaub - zu blöd" für ein Studium an der Wirtschaftsuni seien, so der Rektor.

"Ich stell' mich jetzt auf die Hinterfüße"
Es könne nicht sein, dass der Gesetzgeber vorschreibe, dass eine Uni alle Studierenden aufnehmen müsse, gleichzeitig die Regierung aber nicht ausreichend Mittel zur Verfügung stelle. "So geht es nicht mehr weiter. Ich stell' mich jetzt auf die Hinterfüße", zeigte Badelt sich kämpferisch und hofft darauf, dass die Schlichtungskommission dem Ministerium eine "juristisch konsistente Gesetzgebung" und damit eine Budgeterhöhung "vorschreiben" kann.

Sollte die WU oder das Ministerium den Bescheid der Schlichtungskommission unter Vorsitz der Präsidentin des Obersten Gerichtshofs, Irmgard Griss, beeinspruchen, wäre in der nächsten Instanz der Gang zum Verwaltungsgerichtshof möglich.

"Juristisches Neuland", aber überzeugt zu gewinnen
Mit dem Schlichtungsverfahren betrete die WU "juristisches Neuland", gibt Badelt zu, schätzt die Erfolgschancen dennoch hoch ein. "Ich würde dieses Verfahren nicht starten, wenn ich nicht überzeugt wäre, dass ich gewinne." Auch hofft er, dass die WU einen Präzedenzfall schafft, der auch anderen Unis mit Massenfächern helfen wird - wenn auch erst für die kommenden Leistungsvereinbarungen für die Jahre 2013 bis 2015.

Die geforderten 64,4 Millionen Euro würden einen Ausbau der Kapazitäten der WU um zwei Drittel bedeuten, so Badelt. Die Summe wurde aus der Zahl an Studenten errechnet, die über die eigentlichen Kapazitäten der WU hinausgehen. Im Bachelorstudium würden diese bei 1.300 Absolventen bzw. 3.700 Studienanfängern liegen, durchschnittlich hätten aber in den vergangenen drei Jahren mehr als 6.000 Personen inskribiert. Das derzeitige Budget liegt bei 99,3 Millionen Euro pro Jahr.

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